Donnerstag, 24.10.2019

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Heideck: Beifall für Stadtpfarrer

Geistlicher kehrte an Wirkungsstätte zurück - 21.12.2014 17:02 Uhr

Der Heidecker Stadtpfarrer ist zurück. Die Vorwürfe gegen ihn erwiesen sich als haltlos. Bei seiner Wiedereinführung in den Dienst stand ihm Bischof Gregor Maria Hanke zur Seite. © Foto: Tobias Tschapka


Die Szenen ähnelten sich: Wie beim Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Geistlichen Ende August vergangenen Jahres war auch am Samstagabend die Stadtpfarrkirche überaus gut besucht. Wie vor 16 Monaten regnete es auch am Samstagabend und wie vor fast eineinhalb Jahren überbrachte ein ranghoher Kleriker des Bistums Eichstätt die Botschaft. Im August 2013 musste Bischofsvikar Georg Härteis den Gläubigen des Pfarrverbands Heideck die Nachricht überbringen, dass der Stadtpfarrer wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs eines unter 14-Jährigen in U-Haft sitzt. Diese Beschuldigungen bezogen sich auf eine Zeit, in der der Geistliche noch Seelsorger in der oberpfälzer Pfarrei Reichertshofen/Sengenthal war; am Samstagabend war es der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke höchstpersönlich, der den Heidecker Stadtpfarrer nach dessen Freistellung wieder in den Dienst einführte und erklärte, dass es ihm „ein persönliches Anliegen ist, alles zu tun, um den guten Ruf des Beschuldigten wiederherzustellen. Dazu bin ich heute hierher gekommen“.

Zuvor hatte Bischof Hanke den Gläubigen verkündet, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und die kirchlichen Voruntersuchungen ergeben hätten, „dass der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs nicht begründet ist“. Nach diesen einleitenden Worten des Bischofs wandte sich der Stadtpfarrer an die Gemeinde.

„Nie mehr so wie früher“

Vor einem Jahr und vier Monaten sei er in den frühen Morgenstunden von der Polizei verhaftet worden, begann der Geistliche seine Rede. Es habe lange gedauert, bis die „ungeheuren Vorwürfe“ entkräftet worden seien, sagte er. Die vergangenen 16 Monate seien für ihn eine „schwere Zeit der Demütigungen und Vorverurteilungen“ gewesen. Natürlich sei seine Person durch die Anschuldigung und Verdächtigung beschädigt worden und „mein Leben wird wohl nie mehr so sein wie früher“.

Doch gerade in dieser schweren Zeit habe er eine „große Welle der Solidarität erfahren“, betonte er. Die zahlreichen Briefe und Besuche, die er im Gefängnis erhalten habe, seien ihm in dieser „bedrohlichen und trostlosen Zeit“ eine große Hilfe gewesen und hätten ihm gezeigt, dass er nicht alleine sei.

Und die Gebetsbildchen, die Kinder aus der Gemeinde für den Geistlichen während dessen Zeit im Gefängnis gemalt hatten, hätten dazu beigetragen, der Haftzelle ein persönliches Gesicht zu geben. „Sie waren wie ein Sonnenstrahl aus einer anderen Welt.“ Denn: „In einem Gefängnis verliert man nicht nur die Freiheit, sondern auch alles, was einem persönlich gehört“.

Tiefer Frieden

Doch er habe während der dreimonatigen Untersuchungshaft, aus der er im November 2013 entlassen wurde, nicht nur Angst, sondern auch „Momente eines tiefen Friedens“ erfahren dürfen. „Wie von einer fremden Macht berührt“ sei er sich sicher gewesen, dass alles gut werde. „Für mich war es Gottes Hilfe.“

Sein besonderer Dank galt der Diözese, die geholfen habe, dass er diese Zeit überstanden habe, seinem Anwalt, der „unter all den Juristen zunächst der einzige war, der den Zusammenhängen auf die Spur kam“ sowie seiner Familie.

Abschließend äußerte der Stadtpfarrer zwei Bitten. Er bat die Gläubigen um deren Wohlwollen. „Ich bitte Sie darum, im Bewusstsein, dass ich mehr denn je darauf angewiesen bin“. Und er wolle keine Rache. „Das moderne Strafrecht kennt den Gedanken der Rache nicht. Dem möchte ich mich anschließen.“ Dann könne vielleicht wieder Friede in den betroffenen Pfarreien einziehen, schloss er seine Ausführungen.

Keine Anklage

Abschließend erklärte Bischof Gregor Maria Hanke, dass die Beschuldigungen gegen den Heidecker Stadtpfarrer ein schwerer Schlag für die Pfarrei, das Bistum und die Familie des Geistlichen gewesen seien. Dass sich der Abschluss des Verfahrens so lange hingezogen habe, begründete Hanke mit „widrigen Umständen“, ohne konkret zu werden. Nachdem das Verfahren eingestellt worden sei (Hanke: „Zu einer Anklage ist es nie gekommen“), habe auch das kirchliche Verfahren abgeschlossen werden können mit dem Ergebnis: „Die gegen den Heidecker Stadtpfarrer erhobenen Beschuldigungen haben sich als unbegründet erwiesen.“

Hanke betonte, dass die zurückliegenden Ereignisse Wunden zurückgelassen und oftmals auch zu vorschnellen Urteilen geführt hätten. Die Diözese sei jederzeit gesprächsbereit, wenn es darum gehe, die Eindrücke der vergangenen Monate zu besprechen und zu verarbeiten.

Nach Auskunft von Martin Swientek, Pressesprecher des Bistums Eichstätt, wird der Heidecker Stadtpfarrer schon während der Weihnachtsfeiertage Gottesdienste in seiner Gemeinde zelebrieren.

HARRY RÖDEL

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