Heideck: Bescheidene Wünsche nach harten Zeiten

16.12.2016, 05:55 Uhr

© Foto: Peschke

Maximilian Peschke trug zur Einstimmung die wundersame Geschichte von der „Weihnachtsmaus“ vor, die sich in der Adventszeit vor rund 20 Jahren in seinem Atelier verirrt hatte. In einer weiteren Erzählung schilderte er seine Erinnerungen an die Weihnachtszeit 1952.

Dazu ließ er einen von ihm in diesem Jahr geschriebenen Wunschzettel an das Christkind herumgehen. Man habe sich damals nicht viel wünschen können. Es gingen auch nicht alle Wünsche in Erfüllung. Er habe sich 1952 unter anderem eine Schokoladen-Eisenbahn, drei Marzipanschweinchen, zwei Stücke Butter, zwei Schachteln Griffel und 1,50 Mark gewünscht.

Sehnsucht nach Stadtwurst

Auch andere Teilnehmer erzählten von ihren Wünschen an das Christkind. Eine Frau sagte, dass sie für sich alleine einen ganzen Ring Stadtwurst wünschte, wenn der Krieg vorbei ist. Eine andere Frau erzählte, dass sich ihre Cousine in der schlechten Zeit nach dem Krieg eine große Gelbwurst wünschte. Die Erfüllung dieses Wunsches war schwierig, weil sie dafür erst Essensmarken „abbetteln“ musste.

Bei der Bescherung sei das Mädchen zunächst traurig gewesen, als sie in ihren Päckchen keine Gelbwurst fand, diese dann jedoch an dem Christbaum hängend entdeckte. Ein Teilnehmer erzählte, dass er in der Weihnachtszeit mit einer lebenden Gans im Rucksack nach Nürnberg fuhr, diese dort verkaufte und mit dem Erlös braunen Stoff für eine neue Hose erwarb.

Den Stoff habe er einem Heidecker Schneider gegeben, der die Maße nahm. Die von diesem gefertigte Hose ging aber nur knapp über das Knie, was der Schneider mit dem Hinweis begründete, dass der Stoff nicht gelangt hat. Er habe aber einige Zeit später dessen Tochter mit einer aus seinem Stoff geschneiderten Jacke gesehen.

Eine Frau erzählte mit strahlenden Augen, dass sie nach dem Krieg als Heimatvertriebene nach Heideck kam. Sie wurde an Weihnachten immer reichlich von einem kinderlosen Ehepaar mit den neuesten schönsten Sachen beschenkt. Sie erinnerte sich auch, dass sie in der Weihnachtszeit einmal von ihrer Lehrerin eine „Schell’n“ bekommen habe. Grund dafür war, dass sie auf Hinweis von Klassenkameradinnen in das Lehrerpult schaute und dort ein riesiges Stück „Geräuchertes“ entdeckte, was ihr gerade beim Eintreffen der Lehrerin die Bemerkung entlockte „Jetzt weiß ich, woher die guten Noten kommen!“

Dem schloss sich eine längere Erzählung über Prügelstrafen von Lehrern an. Es war die Rede von „Watsch’n“ und „Tatzen“. Die Buben wurden bei Vergehen meist über die Bank gelegt und bekamen den Hintern „versohlt“. Richard Böhm erläuterte, dass die Prügelstrafe an Schulen offiziell erst in den 1960er Jahren abgeschafft wurde. Seitdem dürfe kein Schüler mehr der Willkür eines Lehrers ausgesetzt sein. Bei einem Verstoß müsse eine Lehrkraft mit einem Disziplinarverfahren und hohen Geldstrafen rechnen. .

Richard Böhm informierte auch über den alten Adventsbrauch der Herbergssuche. Dieser sei aus der Weihnachtsgeschichte der Bibel erwachsen. So wie Josef und seine hochschwangere Verlobte Maria in Bethlehem nach einer Unterkunft suchten, als sich die Geburt Jesu ankündigte, würden noch heute Kinder an Haustüren klopfen und dabei Adventslieder vom Kommen des Gottessohnes singen.

Einige Frauen erzählten, dass sie als zwölfjährige Mädchen diese Herbergssuche spielten. Damals seien sie von der Dillinger Klosterschwester Coletta Maria Stark angeleitet worden, diesen alten Brauch in Heideck zu beleben. Man habe seinerzeit eine Muttergottesfigur getragen und das Lied „Wer klopfet an? O zwei gar arme Leut. Was wollt ihr denn? O gebt uns Herberg heut…“ gesungen.

Laterne mit Gottesmutter

Es dauerte nicht lange, bis alle Teilnehmer dieses Lied gemeinsam singen konnten. Böhm sagte, dass dieser Brauch seit einigen Jahren auch im Pfarrverband Heideck wieder gepflegt wird. Noch bis zum 24. Dezember biete das katholische Pfarrbüro unter Telefon (0 91 77) 4 78 00 Familien die Möglichkeit an, eine von der KAB gestiftete Laterne mit einem Bildwerk der herbergssuchenden Maria mit Josef für einen Tag auszuleihen. Böhm zeigte diese Laterne, die er noch am Abend des Erzählcafés an eine andere Familie weitergeben werde.

Im Erzählcafé wurden abschließend auch einige Witze erzählt, die für Heiterkeit sorgten. Ein Teilnehmer erzählte, dass ein Schüler einmal einem Lehrer in der Adventszeit sagte, dass er am Wochenende kein Fleisch kaufen brauche, weil seine Eltern ihm eine Henne schenken wollen. Als dieses Geschenk nicht eintraf, habe der Lehrer am Montag den Schüler gefragt, warum die Henne nicht gebracht wurde. Der Bub habe darauf gesagt: „Weil die Henne wieder ,worn‘ ist.“

Das nächste Erzählcafé findet am Donnerstag, 12. Januar, statt. Dabei geht es um alte Stadtansichten, historische Gebäude und um Persönlichkeiten der Stadt.

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