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Heideck: Thema Umgehung ist vom Tisch

Stadtrat sprach sich für Reduzierung des Verkehrs mit baulichen Maßnahmen und Tempobegrenzung aus. - 10.06.2020 16:40 Uhr

Mit baulichen Maßnahmen und Tempobegrenzung will die Stadt Heideck den Verkehr in der Hauptstraße beruhigen. Eine Umgehung – in welcher Form auch immer – würde keine spürbare Verbesserung bringen, erklärte Experte Ralf Kühnlein.

© Foto: Eva Schultheiß


Ralf Kühnlein vom Büro Höhnen & Partner in Bamberg erläuterte die Vorgehensweise und die daraus folgenden Alternativen, die Hauptstraße zu gestalten. Alle fünf Jahre werde der Verkehr in Heideck an sechs Stellen amtlich gezählt, letztmals 2015: zwischen Seiboldsmühle und Heideck, an den Ortsenden Richtung Selingstadt, Rudletzholz, Schloßberg und Liebenstadt und in der Laffenauer Straße. Zwischen 2700 und knapp 3000 Fahrzeuge wurden seit 1995 aus Richtung Liebenstadt gezählt. Das liege mindestens 1000 Fahrzeuge unter dem Mittelwert für Staatsstraßen im Landkreis Roth.

Der Schwerverkehr sei mit 200 bis 300 Lkw relativ konstant. In der Bahnhofstraße wurden zwischen gut 5700 Fahrzeuge im Jahr 1995 und knapp über 5000 im Jahr 2000 gezählt. Richtung Rudletzholz fahren knapp über 1000 Fahrzeuge, nach Selingstadt zwischen 1100 und gut 1400 Fahrzeuge, und nach Laffenau zwischen 1300 und 2000 Fahrzeuge.

 

Kennzeichen erfasst

 

Die Verkehrserhebung der Firma Höhnen & Partner erfasste zusätzlich noch, wohin die Verkehrsströme jeweils führen. Dabei wurde über die Kennzeichenerfassung ermöglicht, Durchgangs-, Quell- und Zielverkehr zu unterscheiden. "Die höchsten durchgehenden Verkehrsströme liegen mit rund der Hälfte auf der Staatsstraße von Seiboldsmühle nach Liebenstadt, die andere Hälfte ist Quell- und Zielverkehr in die Innenstadt", fasste Kühnlein zusammen.

Die Hauptstraße weise mit rund 6600 Fahrzeugen den höchsten Verkehr auf. Eine altstadtnahe Umgehung im Süden bis zur Rudletzholzer Straße vermindere den Verkehr auf der Hauptstraße auf 5770 Fahrzeuge pro Tag. Eine Verlängerung bis zur Rudletzholzer Straße, um das Gewerbegebiet mit anzuschließen, erreiche knapp 5000 Fahrzeuge und eine Verlängerung über den Sportplatz zur Liebenstädter Straße gut 4100 Fahrzeuge.

Die Lärmsituation in der Hauptstraße errechnete man am Beispiel eines Hauses an der Verengung, so Kühnlein. Der Immissionsgrenzwert für Kern-, Dorf- und Mischgebiete von sechs bis 22 Uhr liege bei 64 Dezibel (dB), nachts bei 54 dB, Gesundheitsgefahr drohe bei ab 60 bis 70 dB. In Heideck liege der Wert tagsüber bei 69,3, nachts bei 57,5 dB, beide also unter dem Wert, bei dem Gesundheitsgefahren drohen.

 

Verringerung kaum spürbar

 

Eine kleine Umgehung nur für die Altstadt erreiche tags und nachts eine um 0,5 dB geringere Lärmbelastung; die Umgehung inklusive Industriegebiet eine Verringerung um 1,2 dB, eine Umgehung bis zur Liebenstädter Straße um 1,9 dB. Erst diese Verringerung werde für die Anwohner wahrnehmbar.

Reduziere man aber die Geschwindigkeit in der Hauptstraße auf 30 Kilometer in der Stunde, werde die Belastung um 2,5 dB verringert. Dadurch, dass der hohe Quell- und Zielverkehr die Innenstadt weiter belastet, sei auch diese Lärmminderung eher gering. Berücksichtigen müsse man auch, dass die neue Straße im Süden die südlichen Hauptstraßenbewohner zusätzlich und die außerhalb Wohnenden neu belastet.

Für die Verträglichkeit einer Straße, für Rücksichtnahme und Fehlertoleranz seien Geschwindigkeiten wichtiger als Verkehrsmengen, so Kühnlein. Daher schlug er vor, Verträglichkeit des Verkehrs und Rücksichtnahme aufeinander zu erhöhen. Die Geschwindigeit könne mit baulichen und verkehrlichen Maßnahmen verringert werden, beispielsweise durch mehr Raum für die Fußgänger dort, wo jetzt der Gehsteig äußerst schmal ist und mit einem Kind an der Hand gar nicht mehr begangen werden kann. Alle Verkehrsteilnehmer könnten so den Raum, den sie benötigen, bekommen, die Straße werde menschenverträglich.

Beharrlich und geschickt müsse vorgegangen werden, riet Kühnlein, denn das Staatliche Bauamt Nürnberg fordere für den weiträumigen Verkehr auf Bundes- und Staatsstraßen, dass diese innerorts mit 50 Kilometern in der Stunde befahrbar sein müssen und dass sich zwei Lastwagen ohne Probleme begegnen können. "Eine Umgehung sollte nicht weiter verfolgt werden", riet Kühnlein dem Stadtrat zum Schluss seines Vortrags.

 

Stadtnahes Baugebiet

 

Reinhard Siegert (CWG) sah ohne Umgehungsstraße den großen Vorteil, das Ziegelmoos bebauen zu können, ein schönes, stadtnahes Baugelände. Reinhard Spörl (FW) regte wie seine Vorredner an, die Idee einer Umgehung der Altstadt fallen zu lassen zugunsten einer Umgestaltung der Hauptstraße.

Einstimmig sprach sich der Heidecker Stadtrat gegen eine Umgehungsstraße aus und dafür, die Geschwindigkeit, und damit den Lärm in der Hauptstraße, durch bauliche Maßnahmen und Tempobegrenzung zu verringern.

EVA SCHULTHEIß

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