Donnerstag, 21.11.2019

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Hilpoltstein: "Drei für Demokratie" über Frauen in der Politik

Veranstaltungsreihe für Demokratie ging der Frage nach, warum Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind. - 07.11.2019 05:53 Uhr

Gegenüber den Hahnenkämpfen der Männer stehe bei Frauen der Pragmatismus im Vordergrund, findet Elke Eder (Freie Wähler). Christine Rodarius (SPD, MItte) und Verena Osgyan (Grüne, re.): Mit der Quote werden Frauen in der Politik zur Normalität.“. © Foto: Robert Schmitt


Wie haben sich politisch engagierte Frauen auf den Weg gemacht? Mit welchen Methoden gestalten sie Politik? Auch dies waren Fragen der Veranstaltungsreihe. Die Grüne Landtagsabgeordnete Verena Osgyan aus Nürnberg, die Zirndorfer Stadt- und Bezirksrätin Elke Eder (Freie Wähler) sowie Lokalmatadorin Christine Rodarius von der SPD sprachen über ihr Leben mit und in der Politik.

Dabei ist schon bei der Beantwortung der Einstiegsfrage eines besonders klar geworden: Die frühe Prägung im unmittelbaren Umfeld gibt beides vor: Ob man sich als Frau für Politik interessiert und in welche Richtung es dabei geht. "Hatten sie ein Schlüsselerlebnis?", wollte der Eichstätter Bistumsredakteur Bernhard Löhlein als Moderator nämlich wissen. Sowohl Verena Osgyan als auch Elke Eder gaben die Elefantenrunde nach einer Bundestagswahl in den 1980er Jahren an. An ihr hat die damalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth teilgenommen.

"Das war mein Erweckungserlebnis", sagte die 48-jährige Osgyan und verwies auf "heftige Debatten im Elternhaus" und die Stimmung jener Zeit: Friedensdemos, Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und Anfänge der Umweltpolitik. "Es geht doch" habe sie erkannt und so zu den Grünen gefunden. "Niemals zu den Grünen" hingegen lautete Eders Erkenntnis aus diesem Politikerauftritt. Schließlich habe Ditfurth "ziemlich abschreckend" über Abtreibung gesprochen. Für die 56-Jährige kein Vorbild, war sie doch in der Jugendarbeit der evangelischen Kirche sozialisiert worden. Ihr Vater war Sozialdemokrat und Betriebsratsvorsitzender. Zu den Freien Wählern zog es sie wegen deren Bürgernähe.

Christine Rodarius ist 1982 aus Recklinghausen nach Hilpoltstein gezogen. "Ich komme aus dem Ruhrgebiet und der katholischen Jugendarbeit." Bei dem Versuch, in Hilpoltstein eine Mutter-Kind-Gruppe zu gründen wurde sie aber weder von der katholischen noch der evangelischen Kirche unterstützt. "Da habe ich selbst Mütter auf der Straße angesprochen", blickte sie zurück. Zu ihrer Partei fand die 67-Jährige in der damaligen "SPD-Diaspora" über die Kulturarbeit im Kreuzwirtskeller. "Ich hatte Lust, etwas zu bewegen und hatte danach alle Ämter inne", erzählte sie. Rodarius war Juso-Chefin und 1987 eine der ersten SPD-Ortsvereinsvorsitzenden weit und breit. Sie war SPD-Kreisvorsitzende, kandidierte für den Landtag und ist heute Fraktionssprecherin im Kreistag und im Hilpoltsteiner Stadtrat. "Mein Vorbild ist Willy Brandt", sagte Rodarius.

In der weiteren Diskussion ging es an zahlreichen Stellen um die Hindernisse und Hürden für Frauen in der Politik. Was sagt denn Dein Mann dazu? Wer kümmert sich um Deine Kinder? Ebenso arrogante wie abwertende Kommentare der männlichen Politik-Kollegen. Alle drei konnten von solchen Erfahrungen berichten. Für Verena Osgyan gute Gründe, auf die Sinnhaftigkeit einer Frauen-Quote zu verweisen, die es sowohl bei den Grünen als auch bei der SPD bereits seit langem gibt. "So werden Frauen in der Politik zur Normalität", begründete Osgyan ihre Meinung.

Ebenso stand das Verhalten von Frauen in politischen Ämtern zur Diskussion. Kann man mit weiblichen Kompetenzen Karriere machen oder muss man sich im männlichen Verhaltensrepertoire bedienen, um zu bestehen? "Frauen müssen immer diplomatisch sein, um sich durchzusetzen", fand Elke Eder. Gegenüber den Hahnenkämpfen der Männer stehe bei Frauen der Pragmatismus im Vordergrund, meinte sie. Man solle aber keine Klischees bedienen, die belegen, dass Frauen oder Männer im Vergleich zum jeweils anderen besser seien, gab Christine Rodarius zu bedenken, glaubte aber dennoch, "dass Frauen besser zuhören können und sich echt um etwas kümmern", so die SPD-Politikerin. "Manchmal braucht man aber auch Ellenbogen", räumte sie ein. Einig war man sich am Podium, dass verkrustete Strukturen vor allem junge Frauen häufig abschrecken, sich in Parteien zu engagieren. Verena Osgyan hielt es hier für wichtig, Frauen zu bestärken und ihnen Mut zumachen. "Wenn sie lernen dass es okay ist, sich zu exponieren und ihre Meinung zu äußern, dann ist es vom vorpolitischen Raum eines Elternbeirats oder Vereinsamts nicht weit in die Politik", erklärte Osgyan.

"Drei für Demokratie", darunter haben sich das Evangelischen Bildungswerk Schwabach, die Katholische Erwachsenenbildung Roth-Schwabach und die vhs im Landkreis Roth zusammengeschlossen, um mit einer Veranstaltungsreihe für die Demokratie, ihre Errungenschaften und ihre Bewahrung zu werben. Die Polit-Damen-Diskussion war der Abschluss dieser Reihe, die am 1. Oktober begonnen hatte. Drei auf dem Podium waren Zufall. Denn eine vierte Teilnehmerin hatte kurzfristig abgesagt. Die ehemalige Landtagspräsidentin und langjährige CSU-Politikerin Barbara Stamm konnte wegen eines Unfalls in der Familie nicht kommen.

Robert Schmitt E-Mail

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