Digitale Info-Veranstaltung

ICE-Ausbesserungswerk: Bahn skizziert Pläne für möglichen Standort Allersberg/Pyrbaum

18.6.2021, 18:00 Uhr
In der Ingolstädter Straße in Nürnberg gibt es ein ICE–Ausbesserungswerk, das aber anderen Zielsetzungen unterliegt als das in der Region geplante.
 

In der Ingolstädter Straße in Nürnberg gibt es ein ICE–Ausbesserungswerk, das aber anderen Zielsetzungen unterliegt als das in der Region geplante.   © Michael Matejka

Der Standort Allersberg/Pyrbaum liegt zum Teil auch auf dem Gebiet der Stadt Roth konkret: auf Flächen im Ortsteil Harrlach. Bei den Harrlachern haben angesichts dieses Monster-Unternehmens schon die Alarmglocken geläutet: Sie brachten ihren Widerstand gegen ein ICE-Ausbesserungswerk schon frühzeitig zum Ausdruck. Zuletzt recht plakativ vor der jüngsten Sitzung des Rother Stadtrats vor der Kulturfabrik. Und auch in Allersberg regt sich der Widerstand: Der Sonderausschuss des Marktgemeinderates und auch Bürgermeister Daniel Horndasch persönlich lehnen die Ansiedelung ab.


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Wobei die Ursprungsplanung der Bahn in Richtung Westen gegangen sei, war auf der Info-Veranstaltung zu hören. Aber man könne nicht schon beplante Flächen (Gewerbegebiet West I) einfach überplanen, so Carsten Burmeister von DB Fernverkehr. Deswegen sei man Richtung Harrlach ausgewichen, erklärte er das Zustandekommen des Standorts Allersberg/Pyrbaum.

Schnell wieder auf der Strecke

Natürlich hat es auch dieses Projekt in sich, das Burmeister nun in einer virtuellen Info-Veranstaltung vorstellte. Ein ganz wichtiges Kriterium für den Bau eines Ausbesserungswerks in der Region sei die Nähe zum Nürnberger Hauptbahnhof. Das Motto für ein Ausbesserungswerk, so Projektleiter Burmeister, laute: „Nahe an einem Bahnhof, um schnell wieder auf der Strecke zu sein“.

Deswegen sollte die Entfernung zum Nürnberger Hauptbahnhof nicht mehr als 25 Kilometer betragen (Burmeister: „Ein ganz wichtiges Kriterium“). Dieses Kriterium würden die Flächen bei Allersberg erfüllen. In weniger als 30 Minuten sei man locker am Hauptbahnhof der Mittelfranken-Metropole.


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Für eine „betriebsnahe Instandhaltung“ suche die Bahn eine 3200 Meter lange und 450 Meter breite Fläche in einer Größenordnung zwischen „35 und 45 Hektar“. Das Werk sollte parallel zu einer elektrifizierten Bahnstrecke verlaufen und dürfte die Landschaft nicht zerschneiden. Von den Dimensionen her würden sich südlich von Nürnberg die Standorte Fischbach/Altenfurt und eben Allersberg/Pyrbaum eignen.

Ein Lageplan des möglichen ICE-Werkes nordwestlich von Allersberg.

Ein Lageplan des möglichen ICE-Werkes nordwestlich von Allersberg. © OBJ17357015_1.jpg, NN

Im November soll bei der Regierung von Mittelfranken ein Antrag auf Raumverträglichkeit gestellt werden, erklärte Burmeister per Video. Damit bei den betroffenen Gemeinden „im November nicht die Überraschungskanone gezündet wird“, werde es zwischen August und Oktober weitere Info-Veranstaltungen geben. Ein Raumordnungsverfahren dauert nach Auskunft Burmeisters sechs Monate. „Im Mai 2022 sollten die Ergebnisse vorliegen.“

400 Millionen, 450 Mitarbeiter

Sollte es dann zwischen mehreren Gebieten ein Remis geben, werde DB Fernverkehr eine Entscheidung zur Standortwahl treffen. Apropos Standortwahl. Jemand aus dem Chat wollte wissen, so Moderator Jakob Lenz, warum die ausgewählten Standorte auf die Region um Nürnberg fokussiert seien. Antwort von Projektleiter Burmeister: Nürnberg sei ein wichtiger Verkehrsknoten. Die Bahn vergrößere ihre ICE-Flotte auf 600 Züge mit einer entsprechend kürzeren Taktung.
Wie schaut es denn mit infrastrukturellen Begleiterscheinungen des 400 Millionen-Euro-Projekts aus, lautete eine weitere Frage. Antwort: 450 Mitarbeiter würden im Rundumbetrieb (drei Schichten) im Einsatz sein. Dabei würden rund 50 Prozent technische Berufe ausmachen.

In puncto Lärmbelastung, so Burmeister, sei keine Steigerung zu erwarten. Neben der Autobahn und der Schnellfahrstrecke Nürnberg- Ingolstadt würde ein Ausbesserungswerk nicht groß zur Last werden. Die Einwohner von Altenfelden, Harrlach oder Pruppach müssten in dieser Hinsicht nicht um ihre Nacht- oder Feiertagsruhe bangen.


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Nachdem sich ein Teil des Areals in einem Trinkwasserschutzgebiet befinde, hatte einer der Veranstaltungs-Teilnehmer Bedenken, dass die Quellen, die der Stadt Fürth gehören, durch ein ICE-Ausbesserungswerk verunreinigt werden könnten. Hier seien keine negativen Einflüsse zu erwarten, antwortete Burmeister.

Detaillierte Auskünfte zu einem ICE-Ausbesserungswerk Allersberg/Pyrbaum soll es bei den Info-Veranstaltungen im Oktober geben, versicherte Burmeister. „Zurzeit stecken wir mitten in den Untersuchungen.“

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