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Samstag, 10.04.2021

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In Hilpoltsteiner Gärtnerei öffnet ein Unverpackt-Laden

"Blumig-unverpackt" ermöglicht einen plastikfreien Einkauf in der Burgstadt - 29.03.2021 17:18 Uhr

Markus und Sophie Altmann hatten in der Pandemie den Mut, neue Wege zu gehen: Zusätzlich zu ihrem Gärtnereibetrieb in Hilpoltsatein eröffneten sie einen Unverpackt-Laden.

29.03.2021 © Foto: Tobias Tschapka


So etwas ist selten: eine Geschäftseröffnung mitten in der Corona-Pandemie. Nach langer Vorbereitungszeit öffnet heute der neue Laden "Blumig - Unverpackt" in der Hilpoltsteiner Gärtnerei Altmann, in dem man – wie der Name schon sagt – plastikfrei einkaufen kann.

Am Montag schauten sich Landrat Herbert Eckstein, der Hilpoltsteiner Bürgermeister Markus Mahl und Karl Scheuerlein von der Unternehmerfabrik Roth, die von Anfang an in die Konzeption involviert war, in dem neuen Öko-Laden im Gewächshaus um.

Genau der richtige Ort

"Ehrlich gesagt hatte ich schon lange die Hoffnung, dass sich jemand traut, bei uns einen Unverpacktladen zu eröffnen", gestand Eckstein. Er glaubt, dass die Hilpoltsteiner Gärtnerei genau der richtige Ort dafür sei. Der Laden als zweites wirtschaftliches Standbein sei eine optimale Ergänzung zur Gärtnerei und senke das wirtschaftliche Risiko.

"Und außerdem passt es perfekt zu eurer Philosophie", so Eckstein an das Unternehmerehepaar Sophie und Markus Altmann gerichtet.


Sophie Altmanns Traum: Rundum blühend in eine bessere Welt


Vor allem Sophie träumte schon seit langem von einem eigenen Unverpacktladen. Unzählige habe sie sich in den vergangenen Monaten vor Ort angeschaut, auch ein Praktikum gemacht, und derzeit lasse sie sich zusätzlich zur Naturkostberaterin weiterbilden. "Ich habe mir bei jedem Artikel genau überlegt, ob wir ihn aufnehmen sollen oder nicht", so Sophie. Am Ende kam ein so großes Sortiment heraus, bei dem nicht alles unverpackt sein kann.

Es erstreckt sich unter anderem auf Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Naturkosmetik, Waschmittel und vieles mehr. Auch der "Klassiker" in Pandemiezeiten darf nicht fehlen: Klopapier - in unverpackten einzelnen Rollen.

Umfassende Grundausstattung

"Unser Ziel war es, unseren Kunden eine umfassende Grundausstattung anzubieten, so dass sie fast ihren gesamten Einkauf bei uns erledigen können", erklärte Markus Altmann, der das Konzept mit "Biologisch - Regional - und/oder Unverpackt" zusammenfasst. Jeder darf (und soll) seine eigenen Gefäße mitbringen, kann aber auch langlebige Edelstahlboxen kaufen oder auf Pfandgläser zurückgreifen. Eine Zapfstation für Duschgel, Körperlotion oder Shampoo in Flaschen aus recycelten Plastik gibt es schon seit geraumer Zeit in der Gärtnerei.

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Bürgermeister Mahl begrüßt die Entscheidung für eine betont große Vielfalt von Artikel. "Hier gibt es viel mehr als nur Müsli oder Haferflocken, das passt in unsere von ökologischen Themen geprägte Zeit und der Renaissance der Tante-Emma-Läden".

Auf dem richtigen Weg

Wie groß das Interesse an solch einem Ladenkonzept seitens der Bevölkerung ist, zeigte auch das Ergebnis der Crowdfunding-Aktion, die das Ehepaar Altmann im August 2020 gestartet hatte. In vier Wochen kamen dabei stolze 31.500 Euro zusammen. "Als Ziel hatten wir nur 18.000 Euro angegeben, aber das Endergebnis war ein überwältigendes Zeichen für uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind", so Sophie Altmann.


Kann man in Corona-Zeiten noch unverpackt einkaufen?


Karl Scheuerlein von der Unternehmerfabrik betonte, mit wieviel Herzblut vor allem Sophie für ihren Traum gekämpft habe, der jetzt vor der Fertigstellung steht. "Ich bin guter Dinge, denn das Konzept entspricht dem heutigen Zeitgeist", findet Scheuerlein.

Keine Festreden

Eigentlich fehlt jetzt nur noch die Käsetheke, aber das steht der Eröffnung heute nicht im Weg. Diese wird pandemiebedingt betont schmucklos ausfallen, ganz ohne offizielle Eröffnungsfeier oder Festreden. "Wir sperren einfach die Türe auf, und maximal acht Leute dürfen gleichzeitig rein", so Markus Altmann.

Natürlich sei ihm und seiner Frau bewusst, dass es riskant sei, mitten in einer Pandemie ein neues Geschäft zu eröffnen. "Aber anderseits ist der Handel mit systemrelevanten Artikeln ein Stück weit auch unsere Rettung in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten für unsere Gärtnerei", so Altmann, laut dem ein zweites Standbein "gut tut".

"Es muss gut werden!".

Und seine Ehefrau Sophie Altmann ergänzte: "Es gibt wohl in Zeiten wie diesen keinen richtigen Zeitpunkt für eine Geschäftseröffnung. Fest steht nur: Es muss gut werden!".

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

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Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

© colourbox.de

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

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tts

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