In jedem Fall teuer

5.10.2016, 16:23 Uhr
Mit einem Gerüst ist die Radwegbrücke am Anton-Seitz-Weg schon gesichert. Sie muss saniert oder zurückgebaut werden. Beides ist letztlich gleich teuer, also rät der Bauausschuss zu Sanierung und Ausbau des weiteren Weges.

© Foto: Scherbel Mit einem Gerüst ist die Radwegbrücke am Anton-Seitz-Weg schon gesichert. Sie muss saniert oder zurückgebaut werden. Beides ist letztlich gleich teuer, also rät der Bauausschuss zu Sanierung und Ausbau des weiteren Weges.

Die beiden Brücken am Radweg an der Gredl — nahe des Anton-Seitz-Weges und die Rednitzquerung — sollten beinah abgerissen werden. Vor vier Jahren hatte der Bauausschuss dies dem Stadtrat mehrheitlich empfohlen. Grund waren die hohen Kosten von 750 000 Euro für die Sanierung der beiden maroden Brücken.

Doch die Rother wollten trotz Westring und Stiebertalquerung, den beiden anderen Wegen für Rad und Fuß ganz in der Nähe, nicht auf ihre geliebte Radlverbindung verzichten. Nach vielfachem Protest, auch in Leserbriefen, beschloss der Stadtrat gegen fünf Stimmen, dass die Brücken nicht gesperrt, sondern saniert und der 400 Meter lange Weg ausgebaut werden. Und: Die Kosten würden mit Zuschüssen auf die Hälfte sinken.

Ein gutes Jahr später war dann von einer Million Euro die Rede, seitdem war es — abgesehen von der Sicherung der bereits über 100 Jahre alten Brücke am Anton-Seitz-Weg mit Gerüst und Stützen — still geworden um die Pläne. Den Grund dafür nannte Tiefbauamtsleiter Peter Lux jetzt: langwierige und zeitraubende Abstimmungsgespräche vor allem mit der Deutschen Bahn. „Spannend und abenteuerlich“ seien die Verhandlungen über die Sanierung direkt an der Bahntrasse gewesen. So forderten die Auflagen die komplette Verlegung der Bahnkabel, Stützmauern seien nötig, Vorgaben von Wasserwirtschaft und Naturschutz kamen dazu. Und für den Wunsch der Stadt nach einer barrierefreien Brücke seien Stützmauern und Einschnitte nötig.

Bei der Rednitzquerung ist der Stahl so stark korrodiert, dass man den Überbau herausnehmen muss, erläuterte außerdem Planer Marco Satzinger vom Ingenieurbüro Klos. Das Fertigbauteil für die längere Fünf-Feld-Brücke am Anton-Seitz-Weg müsse über die Gredl-Schiene angefahren und dann mit einem Kran eingehoben werden. Vom Stützkörper der Bahntrasse müsse man abrücken, der Radweg werde verbreitert.

In einem zweiten Bauabschnitt soll auch das weitere 250 Meter lange Radwegstück über den Kellerweg bis zur Otto-Schrimpff-Straße ausgebaut werden. „Komplex“ gestaltet sich laut Satzinger das Überqueren der Münchener Straße, weil die Bahntrasse direkt daneben verläuft. Der Radweg führt diagonal auf die Straße zu, eine Fußgängerampel wäre sehr aufwendig, weil dann eine getrennte Steuerung für Radler und Autoverkehr nötig sei. Satzinger empfahl stattdessen eine Querungshilfe, also eine Verkehrsinsel als einfachste und preiswerteste Lösung. Die sei im Preis bereits beinhaltet.

Die Kosten seien aber „schon ein Brett“, wie Bürgermeister Ralph Edelhäußer salopp formulierte: 1,9 Millionen Euro kostet Teil eins bis zur Münchener Straße, 900 000 Euro (bisher nur grob geschätzt) der zweite Bauabschnitt, der allerdings erst „mittelfristig geplant ist“ (Lux). Doch nur in Kombination mit dem zweiten Bauabschnitt darf die Stadt auf Zuschüsse hoffen. Mit 60 Prozent Förderung blieben dann insgesamt 1,42 Millionen Euro Eigenanteil zu zahlen.

Wenn man sich aber — gemäß der ursprünglichen Absicht im Jahr 2012 — zum 500 000 Euro teuren „Rückbau“ statt zur Sanierung der Brücken entschlösse und nur den zweiten Teil des Weges (für 900 000 Euro) in Angriff nähme, fielen ebenfalls 1,4 Millionen Euro an, weil es dafür gar keinen Zuschuss gebe.

„Nolens volens“

Angesichts der fast gleichen Kosten sei er „nolens volens“ für die Sanierung, ging der Bürgermeister in die Offensive. Auch Elisabeth Bieber (Freie Wähler) erneuerte ihr Plädoyer für den Weg: „Wenn wir ihn sterben lassen, gibt es einen Aufschrei.“ Und Jutta Scheffler (Grüne) erinnerte zwar daran, dass auch sie stets den Blick auf den städtischen Geldbeutel richte, der Radweg aber wichtig sei.

Einzig Siegfried Schwab (Wählergemeinschaft) mahnte, dass „die dritte Rednitzquerung in Rufweite uns 2,8 Millionen Euro wert ist“. Sein Credo: „Das sollten wir uns sparen, wir haben wichtigere Projekte zu schultern.“ Er und Falko Fabianek (FW) blieben jedoch die einzigen, die gegen die Empfehlung votierten. Ende November entscheidet der Stadtrat.

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