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Interesse oder Bequemlichkeit?

Im südlichen Landkreis wurden deutlich mehr Briefwahlunterlagen beantragt als 2014. - 21.05.2019 14:22 Uhr

Für viele Wahlberechtigte spielt der bevorstehende Wahlsonntag keine Rolle mehr: Im südlichen Landkreis ist das Interesse an der Briefwahl deutlich gestiegen. Die Menschen haben schon bequem daheim gewählt und ihre Wahlunterlagen per Brief auf den Weg zum Wahlamt gebracht. © Foto: Ralf Hirschberger, dpa


"Im Vorfeld war damit so nicht zu rechnen, die meisten Leute zeigten bisher wenig Interesse", meint Karin Welsch vom Einwohnermeldeamt in Hilpoltstein. Von 10267 Wahlberechtigten haben bereits 2344 Briefwahlunterlagen beantragt. "Meistens fällt dann auch die Wahlbeteiligung insgesamt höher aus."

Auch Otto Schielein vom Bürgeramt in Spalt schließt sich dieser Einschätzung an. 762 Briefwahlscheine wurden bisher beantragt, 4030 Einwohner sind im Wahlkreis berechtigt, ihre Stimme abzugeben. "Seit der ersten Europawahl 1979 ist das Interesse kontinuierlich gestiegen." Grund dafür sei auch die steigende Anzahl gesetzlicher Regulierungen, die europaweit beschlossen und geltend gemacht werden. "Die einzelnen Staaten verlieren in dem Bereich an Bedeutung."

Briefwahl gewinnt an Bedeutung

Doch nicht alle Beteiligten in den Rathäusern des Landkreises teilen diese Ansicht. Walburga Kühn bestätigt zwar, dass in Büchenbach mehr Briefwahlanträge als bei der letzten Europawahl gestellt wurden, was aber an der generell zunehmenden Popularität der Briefwahl liege.

Auch Wolfgang Kolb vom Einwohnermeldeamt in Röttenbach hält den Trend zur Briefwahl hauptursächlich für die steigende Resonanz. "Die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen fällt deutlich höher aus, da die Politikerinnen und Politiker viel näher an den Wählern sind." Europa sei im Vergleich dazu einfach "deutlich weiter weg" von den Bürgern.

Stephanie Krapfenbauer vom Einwohnermeldeamt in Allersberg bestärkt diese Ansicht. 1301 Briefwahlunterlagen wurden beantragt, 6600 Einwohner sind stimmberechtigt. "Die Tendenz geht eindeutig zur Briefwahl, auch beispielsweise bei den Landtagswahlen." Ob die Wahlbeteiligung steige, könne sie deshalb nicht sagen, obwohl 2014 nur 829 Bürger ihre Unterlagen für die Briefwahl beantragt hatten.

Auch in Greding, wo 1269 Briefwahlscheine von 5700 Wahlberechtigten angefordert wurden, steigt die Zahl der Interessierten. Michael Pfeiffer räumt zwar ein, dass der generelle Trend zur Briefwahl mit verantwortlich für die Entwicklung sei.

Dennoch glaubt er, dass Europa in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und in den Medien an Bedeutung gewonnen hat und dadurch mehr Wählerinnen und Wähler an die Urnen treten werden. Auch die Haltung der Parteien zum EU-Parlament trage dazu bei. "Früher galt oft das Motto: Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa." Heute würden die Parteien der europäischen Politik deutlich mehr Bedeutung beimessen.

Letztendlich bleibt es bis zum Wahlsonntag spannend, ob das Interesse an Europa wirklich gestiegen ist. Doch selbst dann muss die Wahlbeteiligung nicht hundertprozentig den Stellenwert der Abstimmung bei der Bevölkerung widerspiegeln. "Oft ist der Andrang auch wetterabhängig", sagt Otto Schielein.

In Thalmässing und Greding werden noch Wahlhelfer benötigt. Auch in Roth und Büchenbach werden "Freiwillige immer gerne gesehen", so Walburga Kühn.

  

JOHANNES LENZ E-Mail

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