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Donnerstag, 17.10.2019

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Jim-Patrick Müller: "Eine Erinnerung, die man nicht vergisst"

Sein Opa ist ein Club-Idol, sein Papa kickte für Fürth. Und er selbst? Natürlich auch Fußballprofi. - 08.10.2019 17:41 Uhr

Dieses Bild stammt aus Regensburger Zeiten. Mit dem Jahn stieg Jim-Patrick Müller einst in die 2. Bundesliga auf. Das will der mittlerweile 30-Jährige nun auch mit der SpVgg Unterhaching schaffen. Mit dem Münchner Vorstadtklub ist er als Tabellenführer der 3. Liga auf dem besten Weg dorthin. © Uwe Anspach (dpa)


Herr Müller, Sie haben vor zwei Wochen ihr erstes Saisontor erzielt. Herzlichen Glückwunsch! Hat Ihnen Ihr Opa Heini ein paar Tipps gegeben? Er wurde mit dem Club 1961 Deutscher Meister.

Es gibt natürlich immer ein Austausch mit ihm. Wir telefonieren öfters. Er war vergangenen Montag gegen den FC Ingolstadt auch zuschauen. Das Spiel hat sich aber glaube ich – im Vergleich zu der Zeit als mein Opa gespielt hat – schon ziemlich verändert. Aber natürlich kann er mir noch wertvolle Tipps geben.

Letztes Jahr haben Sie mit Ihrem Treffer gegen Fortuna Köln eine Rekord-Torflaute ihres Teams beendet. Ihr Opa hatte vor dem Spiel einen kuriosen aber einfachen Tipp parat. "Schau, dass du zum Abschluss kommst, weil, wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen."

Ja, das stimmt auf jeden Fall. Aber das ist ja nicht kurios. Weil es ja so ist: Wenn man nicht schießt, kann man auch kein Tor machen. Das ist eigentlich relativ einfach. Aber ja, das hat er tatsächlich zu mir gesagt.

Ein bisschen mehr aus der Zeit gefallen ist da schon sein Ratschlag: "Bloß nicht beim Sport trinken."

(lacht). Das war eine Geschichte von früher. Mein Opa hat mir mal erzählt, dass das eine Zeit lang bei ihnen in Mode war, dass man damals wohl kein Wasser während des Spiels trinken sollte. Aus medizinischer Sicht. Damals gab es dann eben eine Tasse Tee in der Halbzeit – egal bei welchen Temperaturen.

Er erzählt gerne mal ein paar Anekdoten?

Jaja, immer mal wieder. Wer meinen Opa kennt, der weiß, dass er gerne Geschichten von früher erzählt. Es sind sehr lustige und coole Sachen dabei, gegen wen er schon alles gespielt hat und so weiter. Er hat sehr viel erlebt und das teilt er natürlich auch mit uns.

Sie selbst sind bei München geboren, Ihr Vater Bernd war ebenfalls Profi, kickte – wie Sie aktuell – auch für die SpVgg Unterhaching. Haben Sie noch alte Bilder von ihm gefunden?

Es gibt bestimmt noch Bilder. Bei uns im Hausgang hängt ein altes Bild von ihm, wo er im Haching-Trikot spielt. Und eine alte Autogrammkarte von ihm gibt es auch noch.

Wie ist es, in so einer Fußballer-Familie groß zu werden? Ist es auch mal nervig, mit dem Vater oder dem Großvater verglichen zu werden oder ist der Input von ihnen positiv für Ihre eigene Profi-Karriere?

Das ist zum Großteil nur positiv, man tauscht sich aus. Aber es ist schwer zu vergleichen. Der Fußball ist anders geworden zu der Zeit, als die beiden noch gespielt haben. Mein Vater war absoluter Mittelstürmer, ich komme eher über den Flügel. Da komme ich wohl mehr nach meinem Opa. Aber ich habe wenig Videoszenen von meinem Opa gesehen, sein Spiel kenne ich eher aus Erzählungen. Da habe ich meinen Vater als kleiner Junge noch eher vor Augen.

Sie haben das Fußballspielen beim TSV Roth und dem SC 04 Schwabach gelernt. Sind Sie dort noch ab und zu auf dem Fußballplatz?

Ich habe noch mit vielen Leuten in der Heimat zu tun. Die Generation, mit der ich zusammen gespielt habe, hört jetzt allerdings langsam auf. Mein Bruder hat auch lange dort gespielt. Er ist zuletzt mit dem TV Hilpoltstein aufgestiegen, wohnt aber jetzt auch in München. Deshalb war ich auch länger nicht mehr auf den Sportplätzen im Landkreis Roth unterwegs.

Sie sind früh gewechselt nach Fürth in die Jugend.

So früh war das gar nicht. Da wechseln viele Leute schon früher. Ich habe die B-Jugend noch in Roth gespielt und ein Jahr in Schwabach. Erst im zweiten A-Jugend-Jahr bin ich nach Fürth gewechselt. Das ist etwas ungewöhnlich, aber das hat meiner Entwicklung sehr gut getan.

Als junger Bursche stieg Jim-Patrick Müller mit Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga auf. Das gelang ihm später auch mit Dynamo Dresden. Und dieses Jahr mit Unerhaching? © Foto: Sportfoto Zink/WoZi


Wollten Sie einfach noch länger mit den Kumpels spielen?

Die Möglichkeit wäre schon da gewesen, früher zu gehen. Aber der Aufwand ist ja schon sehr hoch, jeden Abend nach Fürth oder Nürnberg ins Training zu fahren. Ich hatte von vielen Leuten mitbekommen, dass ihnen das irgendwann zu viel wurde. Der Spaß am Fußball ging ihnen verloren und das ist ja im Endeffekt das Wichtigste.

Sie sind aus Fürth nach Regensburg in die 3. Liga gewechselt und direkt in die 2. Bundesliga aufgestiegen. War die Zeit damals das Highlight Ihrer Karriere?

Ja, auf jeden Fall. Es ging ja alles sehr schnell. Von der zweiten Mannschaft in Fürth aus der Regionalliga hoch in die 2. Bundesliga mit Regensburg. Das war schon phänomenal. Das erste Zweitligaspiel im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC zu machen, ist eine Erinnerung, die man nicht so schnell vergisst.

Sie sind generell ein echter Aufstiegsexperte. Nach Regensburg gelang Ihnen der Sprung 2016 mit Dynamo Dresden erneut. Und mit Unterhaching stiegen Sie 2017 aus der Regionalliga in die 3. Liga auf. Welches war der schönste Aufstieg?

Das kann man schwer vergleichen. Jeder Aufstieg war für sich richtig schön. Mit Regensburg war es einfach ein absoluter Underdog-Aufstieg. Keiner hatte uns auf dem Zettel. Den Aufstieg dann in zwei Relegationsspielen – wie in einem Finale – zu schaffen war schon Wahnsinn. Genauso war es bei Haching. Wir waren die ganze Saison Erster, mussten am Ende aber noch die Relegation gewinnen – mit Hin- und Rückspiel. Das war eine Ausnahmesituation. Die ganze Saison hing an zwei Spielen.

Und wie war es bei Dynamo Dresden?

Das war mit den Fans und den Zuschauern natürlich einmalig, das mal mitzuerleben. So eine Unterstützung habe ich wirklich selten irgendwo erlebt. Das in Dresden ist echt bundesligareif.

Macht es bei so einem emotionalen Klub wie Dynamo als Spieler noch mehr Spaß als anderswo? Sie hatten beispielsweise auch ein Engagement beim SV Sandhausen.

Man kann das natürlich nicht so gut vergleichen, in beiden Vereinen wird sehr gut gearbeitet. Bei Dynamo hatte man bei einem Pokalspiel gegen einen unterklassigen Verein eben auch mal 3000 Zuschauer. Das ist sensationell. Wenn das Dynamo-Stadion bei einem Heimspiel ausverkauft war, dann ist das etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich an das Heimspiel gegen Magdeburg, als die das erste Mal seit Ewigkeiten wieder gegeneinander gespielt haben. Da hing dann eine Fahne übers ganze Stadion – nicht nur im Block. Das war schon Gänsehaut pur.

Warum ging es für Sie nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga bei Dynamo nicht mehr weiter? Sie sind zurück nach Unterhaching in die Regionalliga gewechselt.

Das hatte viel mit der Perspektive zu tun. Die sah nicht mehr so gut aus für mich, als es eine Liga hoch ging. Klar ist das dann erst mal ein Schritt zurück aber ich muss sagen, dass es für mich eines der schönsten Jahre war in der Regionalliga. Wir sind mit einer sensationellen Truppe in die 3. Liga aufgestiegen. Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung. Wir stehen in der Tabelle gut da und müssen schauen, wohin der Weg führt. Außerdem wollte ich auch zurück in die Heimat, ich habe viele Freunde in München, meine Freundin kommt aus Regensburg, da ist der Weg nicht mehr so weit und man muss nicht mehr so viel pendeln.

Apropos München: Sie jubelten kürzlich mit einem "O-zapft-is-Jubel". Waren Sie auf dem Oktoberfest?

Wenn man in München wohnt ist das natürlich immer eine gute Adresse. In diesem Jahr war es aber schwierig, weil wir ein Montagsspiel gegen Ingolstadt hatten. Da hieß es, die Füße still zu halten und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Wir hatten da ja eine riesige Chance unter Flutlicht. Da hat vielleicht auch mal Fußball-Deutschland zugeschaut, alswir versucht haben, mit einem Dreier an die Tabellenspitze zu kommen. Am Ende ging das Spiel 0:0 aus.

Bei Ingolstadt sind sie auch auf einen alten Bekannten getroffen. Ihr ehemaliger Schulkamerad Jonatan Kotzke, Innenverteidiger beim FCI, stand im Kader.

Ja tatsächlich. Wir kennen uns schon länger. Er war seit der fünften Klasse in der Schule mein Nebensitzer, ich habe mit ihm zusammen Abitur gemacht.

Und was glauben Sie? Tütet der Aufstiegs-Experte Jim-Patrick Müller am Saison-Ende seinen nächsten Aufstieg ein?

Klar wollen wir in den nächsten Jahren aufsteigen. Ich glaube, dass wir aus dem vergangenen Jahr gelernt haben und nun auf konstant hohen Niveau spielen. Was dabei herauskommt, sieht man dann. Ein Aufstieg wäre natürlich schön.

Aufstiegsexperte Jim-Patrick Müller kommt aus einer echten Fußballerfamilie. Opa Heini Müller ist spätestens seit dem Gewinn der Meisterschaft 1961 eine Legende am Valznerweiher. Auch Vater Bernd war Profi, spielte unter anderem für die Amateure des FC Bayern, für
Greuther Fürth und Unterhaching, wo er 32 Spiele in der 2. Bundesliga
bestritt. Im Münchner Vorort steht aktuell auch Jim-Patrick unter Vertrag und peilt den Aufstieg in Liga zwei an. Mit Jahn Regensburg und Dynamo Dresden gelang ihm dieses Kunststück zuvor schon zwei Mal. Das Fußballspielen begann der 30-Jährige beim TSV Roth. Bevor er in die Jugendabteilung der Spvgg Greuther Fürth wechselte, spielte er
auch beim SC 04 Schwabach.

 

 

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