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Dienstag, 21.05.2019

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Kampf gegen den "Killer Nummer Eins"

Polizei will mit dem Blitzmarathon auf die Gefahr zu hoher Geschwindigkeit hinweisen - 03.04.2019 17:20 Uhr

Die Polizei Hilpoltstein kontrollierte beim Blitzmarathon zwischen Eckersmühlen und Hilpoltstein – hier hebt Polizeihauptmeister Johannes Wagner fürs Foto die Laserpistole. Mit der Aktion soll auf die Gefahr zu schnellen Fahrens hingewiesen werden. © Foto: Stefan Bergauer


Johannes Wagner und Stefan Tischler haben an der Abzweigung zur Stephansmühle, an der Straße zwischen Eckersmühlen und Hilpoltstein, Position bezogen. Am Vormittag kontrollieren sie hier das Tempo der vorbeifahrenden Fahrzeuge. Viel zu beanstanden haben die beiden Beamten der Polizeiinspektion Hilpoltstein nicht.

Wegen der Sperre der B 2 und der Umleitung über Hilpoltstein fahren viele Lkw an ihnen vorbei, dahinter die Autos in Kolonne. Die wenigsten überschreiten also die für Pkw vorgeschriebenen 100 Kilometer pro Stunde. Vielleicht ist mal ein Überholer etwas schneller, aber Wagner und Tischler belassen es auch mal dabei.

Zu gefährlich wäre es, den Temposünder herauszuwinken, wenn gleich dahinter der Lkw mit dem Pkw- Gefolge herandröhnt — und dem Verkehrsfluss ebenfalls nicht förderlich.

Oft wird der Blitzmarathon kritisiert. Die Polizei werde andernorts dringender gebraucht; Reine Abzocke; Medial so groß angekündigt bringe das gar nichts – so lauten gängige Vorhaltungen.

Alexander Strauß und Andreas Weitz stehen für die Polizeiinspektion Roth auf einem Parkplatz zwischen Büchenbach und Pfaffenhofen. Eigentlich fahren die beiden heute Streife, doch die Verkehrspolizei hat anhand der Unfallstatistik vorgegeben, welche Kontrollstellen beim Blitzmarathon zu besetzen sind. Die beiden helfen den Kollegen, die Vorgaben zu erfüllen – wenn keine anderen Aufgaben dazwischen kommen.

Folgen sofort spürbar

Ähnlich ist es in Hilpoltstein. Die Beamten hier suchen zwar ihre Messstellen selbst aus, aber kontrolliert wird ebenfalls nach Einsatzgeschehen. "Nicht nur die Kriminalprävention schützt Menschen, sondern auch die im Verkehrsbereich. Beides kommt der Allgemeinheit zu Gute", sagt Polizeihauptmeister Thomas Eckl, Beauftragter für Verkehrssicherheit bei der Polizei Hilpoltstein.

Wie ihre Rother Kollegen sind Wagner und Tischler mit der Laserpistole unterwegs. Durchaus mit Absicht, wer zu schnell ist, wird gleich herausgewunken und darf den Geldbeutel öffnen. Der Lerneffekt ist somit sofort da.

Der Haupt- und der Oberkommissar haben einen kleinen Ermessensspielraum. Auf einer geraden, einsichtigen Landstraße sind 110 Kilometer pro Stunde etwas anderes als 70 in einem Wohngebiet, in dem hinter jedem parkenden Auto ein Kind hervorspringen könnte. Wer mit Tempo 30 bremst, steht. Wer gleichzeitig mit Tempo 50 auf die Bremse steigt, fährt ungebremst auf das Hindernis auf, rechnet Eckl vor.

"Man muss so fahren, das man jederzeit anhalten kann", zitiert Oberkommissar Tischler einen Grundsatz aus der Fahrschule. Es macht auch keinen großen Sinn, wegen einem Mini-Bußgeld großen Verwaltungsaufwand in Gang zu setzen. "Es geht hier nicht um Abzocke", sagt Polizeihauptmeister Wagner. Die Polizisten haben sich nicht versteckt, sind mit dem Reflektor-beklebten Polizeiwagen unterwegs, statt mit einem zivilen Auto und somit schon von weitem zu sehen – ebenso wie die Rother Kollegen.

Man zeigt Präsenz, will auf sich selbst und das Tempolimit hinweisen. "Wir sind durchaus das ganze Jahr über unterwegs", sagt Eckl. Oftmals dann eben vor Schulen oder auf den Schulwegen – Eckl und seine Kollegen betreiben viel Aufwand bei der Verkehrssicherheits-Erziehung. Mit Erfolg.

Doch auf den Straßen ist zu schnelles Fahren immer noch "Killer Nummer Eins", führt Eckl einen Schlagwort-Satz an, mit dem die Polizei auf den Blitzermarathon und die Problematik aufmerksam macht. 999 Unfälle zählte die Polizeiinspektion im vergangenen Jahr. 40 lassen sich auf nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zurückführen. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Eckl – die Zahl ist rückläufig, 52 waren es im Vorjahr, 63 in 2016. Aber das ist kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen. Bei einem der beiden tödlichen Unfälle im Gebiet der Hilpoltsteiner Inspektion war nicht angepasste Geschwindigkeit mitverantwortlich.

Dass der Blitzmarathon von großem medialen Tamtam begleitet wird, gehört somit zur Strategie: Schaut her, wir achten auf das Tempolimit, tut ihr es bitte auch. Strauß und Weitz haben gerade erste eine Fürtherin herausgewunken. Manche haben es trotz Vorwarnung zu eilig. 

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