Stadtwerke und Gesundheitsamt informieren

Keime im Rother Trinkwasser: Spät gemeldet, aber nur geringer Wert

20.7.2021, 17:44 Uhr
Stress für die Rother Stadtwerke: In ihrem Trinkwassernetz wurden Darmbakterien, sogenannte Enterokokken, festgestellt. Woher sie stammen, ist noch unklar.
 

Stress für die Rother Stadtwerke: In ihrem Trinkwassernetz wurden Darmbakterien, sogenannte Enterokokken, festgestellt. Woher sie stammen, ist noch unklar.   © Tobias Tschapka, NN

Nach der Reckenberg-Gruppe mit Spalt, Abenberg und Teilen von Georgensgmünd sind nun auch die Rother Stadtwerke und möglicherweise die Bernloher Gruppe von einer Verunreinigung des Trinkwassers betroffen. Wie am Montag, 19. Juli, berichtet, hält das Gesundheitsamt die Bürger an, ihr Trinkwasser abzukochen. Die Nachricht erreichte die Rother Lokalredaktion erst nach Redaktionsschluss gegen 20 Uhr und zunächst eher zufällig – was Fragen zur Meldekette in solchen Situationen aufwirft.

Ursache für die Kontaminierung sind die jüngsten Überschwemmungen. „Durch die Starkregenereignisse in den vergangenen Wochen kam es vermutlich durch einen mikrobiellen Eintrag zu einer bakteriellen Verunreinigung“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtwerke, die am Montagabend ab etwa 18.30 Uhr auf deren Internetseite zu lesen war.

Wer allerdings schaut dort regelmäßig vorbei? Unsere Zeitung erfuhr von der Verunreinigung erst anderthalb Stunden später über private Kanäle und konnte kurz vor 21 Uhr die Bürger online unter nordbayern.de und über die Sozialen Medien warnen. Die Pressemitteilung der Stadt Roth folgte um 21 Uhr, die der Stadtwerke kurz vor 1 Uhr nachts.

Auch in der Bernloher Gruppe?

Betroffen von der Abkoch-Anordnung der sind die Kernstadt Roth sowie die Ortsteile Eckersmühlen, Haimpfarrich und Hofstetten. Wegen einer Verbindungsleitung zum Zweckverband Bernloher Gruppe hieß es am Montag, zusätzlich könnte auch das Leitungswasser in Kiliansdorf und Belmbrach kontaminiert sein. Dies hat sich mittlerweile (Update, Mittwoch, 21. Juli) bestätigt. Betroffen ist nun auch das gesamte Gebiet der Bernloher Gruppe, also neben Kiliansdorf und Belmbrach auch Barnsdorf, Bernlohe, Mauk, Obermauk, Petersgmünd, Unter- und Oberheckenhofen, Unter- und Obersteinbach, Wallesau, Wernsbach und die Otto-Lilienthal-Kaserne.

Bei Beprobungen sei im Trinkwassernetz eine Kontaminierung mit Fäkalkeimen (Enterokokken) nachgewiesen worden, so die Auskunft der Stadtwerke. Gegenmaßnahmen seien eingeleitet, darunter die Untersuchung aller Rother und Eckersmühlener Brunnen, Speicher und Leitungen. Die Verbindung zur Bernloher Gruppe ist derzeit gekappt. Man bereite vor, das Wasser zu chloren.

Bis auf Weiteres sind alle Bewohner der betroffenen Orte nun angehalten, Leitungswasser nur abgekocht trinken. Das Gesundheitsamt empfiehlt, „das Wasser einmalig sprudelnd aufzukochen und dann langsam über mindestens zehn Minuten abzukühlen“. Zu empfehlen sei die Verwendung eines Wasserkochers. Für Nahrung und zum Reinigen von Wunden sollte ausschließlich abgekochtes Wasser verwendet werden.

Nachbarn informieren!

Für die Körperpflege kann das Leitungswasser dagegen ohne Bedenken genutzt werden. Es sollte nur nicht verschluckt werden oder in Wunden gelangen. Verletzungen sollten wasserdicht abgedeckt werden. Während der Dauer des Abkochgebots sollte zum Zähneputzen abgekochtes oder abgepacktes Wasser verwendet werden. Stadtwerke und Gesundheitsamt bitten die Bürger, auch Nachbarn und Bekannte über das Abkochgebot zu informieren.

Doch warum hat es so lange gedauert, bis diese Nachricht bei der Öffentlichkeit ankam? Stadtwerke-Leiter Dr. Gerhard Brunner nimmt die Verzögerung auf seine Kappe. „Wir haben in der vergangenen Woche Proben von unseren Brunnen genommen“, erklärt er. Am Montagnachmittag sei die Bewertung vom Gesundheitsamt eingetroffen, dass „eine Abkochsituation gegeben ist“.

In der Folge habe man die Lage mit dem Landratsamt und der im Verbund mit den Stadtwerken organisierten Bernloher Gruppe abgeklärt. Ehe Brunner die Meldung aber tatsächlich an die Stadt und deren Pressestelle schickte, musste er dienstlich in einem Ausschuss präsent sein. „Dass es so lange gedauert hat, darf nicht passieren“, räumt der Werkleiter ein. Die Verspätung liege bei ihm.

Parallel seien jedoch sofort Kitas, Seniorenheime und Schulen benachrichtigt worden, auch bei lebensmittelverarbeitenden Betrieben hätten die Stadtwerke umgehend angerufen. In Eckersmühlen informierte die Bewohner am Montagabend auf Initiative eines Stadtwerke-Mitarbeiters sogar die Feuerwehr per Lautsprecher. Auch die Katastrophen-Warn-App „Katwarn“ wurde aktiviert.

Ernst, aber nicht bedrohlich

Dass die Darmbakterien über die Anlagen der Stadtwerke ins Trinkwasser geraten sind, hält Brunner für unwahrscheinlich. „Alle unsere Brunnen liegen im Wald“, erläutert der Werkleiter. Bisher wisse man bei den Stadtwerken nicht, wo und warum es zu der Verschmutzung gekommen ist. Ob durch „den landwirtschaftlichen Bereich“ oberflächennahe Brunnen verunreinigt oder eine Zisterne nicht sachgerecht angeschlossen wurden, das alles werde jetzt untersucht.

Zudem liegt der Grenzwert für Enterokokken im Trinkwasser bei Null – jede noch so kleine Verunreinigung führt also zum Alarm. Nichtsdestotrotz habe man sofort die gesamte Warn-Maschinerie in Gang gesetzt, „weil Darmbakterien eine ernsthafte Sache sind“, so der Werkleiter.

„Wirklich besorgniserregend ist die Situation nicht, aber jede Veränderung im Trinkwasser muss Konsequenzen nach sich ziehen“, bestätigt auch Andrea Rotter-Neubert vom Gesundheitsamt. Der Enterokokken-Wert liege „im einstelligen Bereich“ – also bei weniger als zehn koloniebildenden Einheiten (KbE) pro 100 Milliliter. Zum Vergleich: In Badeseen gilt die Wasserqualität bis zu einem Enterokokken-Wert von 200 KbE pro 100 ml als „ausgezeichnet“, erst ab 700 wird das Gewässer gesperrt.

"Schluck aus Rothsee enthält mehr Bakterien"

Rotter-Neubert zufolge wurde die Abkochanordnung deshalb sogar verhältnismäßig „sehr früh“ erlassen. Das Risiko, am beeinträchtigten Trinkwasser zu erkranken, sei relativ gering. „Ein Schluck aus dem Rothsee enthält mehr Bakterien“, so Rotter-Neubert. „Ein gutes Immunsystem kommt damit zurecht, gefährdet sind aber Babys, Kleinkinder, alte und geschwächte Menschen.“

Zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes waren am gestrigen Dienstag den gesamten Tag über unterwegs, um an vielen Stellen des Stadtwerke-Netzes Proben zu nehmen. Beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) werden diese dann untersucht. „Die genaue Differenzierung der Spezies dauert aber“, erklärt Rotter-Neubert. Und es sei „fraglich, ob wir die Quelle nach der Spülung des Leitungsnetzes noch herausfinden“. Die Ursache für die Kontaminierung könne sie nur vermuten: „Möglicherweise lag es an der Kanalisation, Düngung oder Hundekot im Wasserschutzgebiet.“

Bis die Abkoch-Anordnung wieder aufgehoben wird, kann es erfahrungsgemäß gut zwei Wochen dauern. Die Begutachtung einer Wasserprobe nimmt etwa 36 Stunden in Anspruch, und erst bei zwei aufeinander folgenden negativen Proben wird das Trinkwasser wieder für den unabgekochten Gebrauch freigegeben.

Den aktuellen Stand gibt es online unter www.stadtwerke-roth.de und www.wzv-bernlohe.de. Telefonisch sind die Stadtwerke unter (09171) 972725 und 97270 erreichbar, das Gesundheitsamt unter 811601. Die Wasserversorgung Bernlohe steht unter Telefon 09172/8400 zur Verfügung.

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