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Kein Goldschatz: Was schlummert im Boden der Rother Baumgartenwiesen?

Archäologische Grabungen sind beendet, Ausschreibungen für Bauarbeiten können beginnen - 21.04.2021 18:46 Uhr

Archäologe Dr. Matthias Leicht hat vorerst seine Arbeit auf dem Gelände der Gärtnerei Basso beendet. Mit einem nahen Baubeginn des Baugebiets ist zu rechnen.

19.04.2021 © Detlef Gsänger, NN


Warum dieser Aufwand? Als Träger öffentlicher Belange hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mitzureden, wenn Bodendenkmäler vorliegen. Ist dies der Fall, gilt es das Areal auf Kosten des Investors untersuchen zu lassen, aufzunehmen und, wenn notwendig, Planungen letztendlich denkmalverträglich zu gestalten. Auch für Roth gibt es solche Bodendenkmäler, die allesamt im Bayerischen Denkmalatlas des Landesamtes für Denkmalpflege eingezeichnet sind. Und im Bereich „Baumgartenwiesen“ ist dabei gleich von zwei Bodendenkmälern die Rede.

Bekanntlich ist der Willy-Supf-Platz die Keimzelle der ursprünglichen Ansiedlung des Dorfes Roth. Komplexe Verhältnisse gab es damals Mitte des 11. Jahrhunderts, was Landes- und Kirchenherren anbelangt. Dies machen auch frühe Aussagen zur Geschichte von Roth schwierig. Wie Museumsleiter Guido Schmid zur Stadtentwicklung einmal festgehalten hat, gehörte das Rother Gebiet im 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts zum sogenannten bayerischen Nordgau mit dem Grafen Heinrich von Schweinfurt als Landesherrn. Als sich dieser gegen Kaiser Heinrich II. auflehnte, erlitt er 1003 eine vernichtende Niederlage und verlor seinen Herrschaftsbereich. Ein großer Teil, darunter auch das heutige Roth, ging in dem 1007 von Heinrich II. gegründeten Bistum Bamberg auf.


Immer mehr Siedlungsspuren


Die Ansiedlung Roth bestand damals aus einem Herrenhof (vermutlich das Gebäude Gasthof „Schwarzer Adler“), auch „curia dominicalis“, also Königsgut zur Verwaltung mehrerer kleinerer Güter in der Umgebung genannt. Auch diese Güter kamen in den Besitz des Bamberger Domkapitels.
Mit der Geschichte der Stadt Roth beschäftigte sich einst auch der Schwabacher Oberlehrer Christoph Haag (1902 bis 1965). Den Herrenhof datierte er ins 11. Jahrhundert, erwähnte ein Berghaus, ein Gülthaus und ein Gerichtshaus sowie eine Schmiede (heute das Eis-Cafe Cortina). Dazu kamen dann wohl noch ein Söldnerhaus, ein Dienstbotenhaus und ein Hirtenhaus. Zum Herrenhof gehörte zudem eine eigene Mühle. Den Herrenhof, so meinte Haag, nutzten auf einer Reise befindlichen Mönche und Adelige als Raststätte.


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Kirchlicherseits jedoch verblieb dieses Gebiet beim Bistum Eichstätt, weshalb auch der Eichstätter Bischof Gundekar II Urheberder ersten urkundlichen Erwähnung Roths ist. Er weihte nämlich zu eben diesem Jahr „zu rote“ eine Kirche. Ob es nun die heutige evangelische Stadtkirche ist, oder ein Vorgängerbau, oder gar die Nikolauskapelle (die im 16. Jahrhundert „abgegangen“ ist), bleibt unklar. Vermutlich war die Nikolauskirche unweit der heutigen Bäckerei Saß am Willy-Supf-Platz 1 gemeint.

Der „Willy-Supf-Platz“ entwickelte sich mit der Zeit als wichtiger Straßenkontenpunkt. Da dieses Areal nie so richtig archäologisch untersucht wurde, konnten bislang auch keinerlei genauere Aussagen getroffen werden, wie es dort einmal ausgesehen hat. Zurück zum Bayernatlas der Denkmalpflege. Ziel und Auftrag der Bodendenkmalpflege ist es, Bodendenkmäler vor ihrer Zerstörung als Archiv im Boden zu bewahren. Im Bereich „Baumgartenwiesen“ werden Bodendenkmäler im östlichen Teil angrenzend an den früheren Altort von Roth und im westlichen Bereich vermutet. Bernhard Basso spricht sogar davon, dass das einstige Gärtnereigelände sich als Herreslager gut geeignet habe und auch im 30 jährigen Krieg dementsprechend genutzt worden sei. Doch konkrete Hinweise darauf gebe es nicht. Im westlichen Bereich, wo heute eine Kleingartenanlage existiert, sollen von einem Mann im Jahr 1952 Keramikteile gefunden worden sein. Wo diese abgeblieben sind, darüber ist ebenfalls nichts bekannt. Geblieben ist der Ansatz, dass es sich dort um ein Bodendenkmal handeln müsse.

Kein goldener Keltenschatz

Dr. Matthias Leicht, der vor Ort den Humusabtrag durch einen Baggers peinlich genau verfolgte, konnte auf dem zu untersuchenden Gelände bislang keine Anhaltspunkte für „Bodenschätze“ finden. Erst recht keinen goldenen Keltenschatz. Im August 1999 stieß Leicht nämlich bei Grabungen bei Manching unter anderem auf 451 Goldmünzen. „Vielleicht machen wir in Roth an den Rändern des Baugebietes doch noch Funde“, sagte er schmunzelnd. Sechs Meter breit, zum Teil über 100 Meter lang und zwischen 80 und 1.50 Meter tief sind die Gräben, die bei den Voruntersuchungen ausgehoben wurden. Leichts Erkenntnis: Das Urgelände sei kaum noch original erhalten, denn für das Betreiben der Gärtnerei war auf die alte Oberfläche Humus, Pferdemist und auch Ziegelbruch eingearbeitet worden.

Da die bisherigen archäologischen Untersuchungen nichts erbracht haben, dürfte die Freigabe für Erschließungsmaßnehmen nun erteilt werden. Auf dem Areal „Baumgartenwiesen“ sollen auf einer Gesamtwohnfläche von 8300 Quadratmetern, nur fünf Gehminuten von der Innenstadt entfernt, gut 60 Wohneinheiten entstehen, davon die Mehrzahl als Reihenhäuser mit Pultdach. Auch Mehrfamilienhäuser sind geplant. „Hier wird ein wunderschönes Wohnzimmer mitten in Roth realisiert“, sagt Bernhard Basso, der die Idee zu diesem Projekt hatte. Er hofft, dass nach sechs Jahren Vorarbeit, langer und teils auch kontroverser Diskussionen im Stadtrat, zahlreichen Bedenken und Hinweisen bei der Einbeziehung von Institutionen und der Öffentlichkeit, deutlichen Veränderungen der Baukörper und Wechsel von Investoren nun endlich die Bagger anrollen können. "Anfragen von Kaufinteressenten für Wohnungen gibt es bereits einige", sagt Basso.

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