Doppel-Kundgebung blieb friedlich

Kein "Spaziergang": Rund 400 Querdenker und 120 Gegendemonstranten in Roth

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Schwabacher Tagblatt / Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung / Hilpoltsteiner Zeitung

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3.1.2022, 21:00 Uhr

"Gegen rechte Spaziergänge" und "Mit Nazis geht man nicht ,spazieren'" hatten die Gegendemonstranten von "Roth ist bunt" auf ihre Transparente geschrieben. © Tobias Tschapka, NN

„Freiheit“- und „Corona-Diktatur“-Sprechchöre auf der einen, „Dummheit“- und „Kein Spaziergang mit Rechten“-Rufe auf der anderen Seite: Die beiden gegen 18.15 Uhr zunächst eher leise begonnenen Versammlungen entwickelten sich später doch noch zu wirklichen Kundgebungen. Wobei die der Maßnahmengegner keine war: Unangemeldet wollten sie nach ihrem ersten "Spaziergang" vor einer Woche erneut durch die Kreisstadt ziehen. Ein spontaner „Spaziergang“ sollte es sein, um mögliche Auflagen zu umgehen.

Allerdings hatten die Unterstützer erneut in den Sozialen Medien breit zur Teilnahme aufgerufen. „Hier wurde heute richtig um Verstärkung gebeten. Es reisen sogar Nürnberger, Fürther und Erlanger an“, heißt es etwa in der Telegram-Gruppe „Eltern für maskenfreie Kids im Kreis Roth/ Schwabach“, deren Moderatorin auch die Schwabacher Querdenker-Demos mitorganisiert. „Wir Hilpoltsteiner kommen auch“, steht darunter, ebenso wie Angebote für Fahrgemeinschaften in Georgensgmünd, Spalt und anderen Orten. Je später der Abend wurde, desto weniger sparten die Maßnahmengegner auch mit Trillerpfeifen und Sprechchören.

Regulär angemeldet war unterdessen die Gegenkundgebung des Bündnisses „Roth ist bunt“, die stationär auf dem Marktplatz stattfand und es (wohl auch mangels rechtzeitiger Ankündigung) auf etwa 120 Teilnehmer brachte. Zunächst standen sich beide Lager stumm gegenüber, dazwischen ein Dutzend Polizeibeamte in abweisender Haltung und teils schwerer Montur, um die Seiten zu trennen. Eine eher skurrile Stimmung. Immer wieder wiesen die Einsatzkräfte die Corona-Kritiker darauf hin, dass sie als „Spaziergänger“ die angemeldete Gegendemo nicht stören dürften und weitergehen sollten.

Als sich die laut Polizei rund 400 „Spaziergänger“ dann über den Kugelbühlplatz sowie vorbei am bunt beleuchteten Schloss und der Kulturfabrik in Bewegung setzten und immer wieder die Gegendemonstranten passierten, wurde es mit jeder Runde lauter – allerdings fast nur unter den Maßnahmengegnern. „Wir sind keine Minderheit!“, skandierten sie, und „Schließt Euch an!“

Am Ende blieb es bei provozierenden Gesten und Rufen, nur einmal musste die Polizei kurz dazwischen gehen, als zwei Teilnehmer aneinander gerieten. Das Polizeipräsidium Mittelfranken bewertete das gesamte Geschehen als „sehr friedlich“.

Roths CSU-Bundestagsabgeordneter und Ex-Bürgermeister Ralph Edelhäußer, der ebenfalls auf Seiten von „Roth ist bunt“ vor Ort war, zeigte sich „erstaunt, dass ich einige der Spaziergänger sogar kenne“. Deutschland sei „ein freies Land, in dem jeder für das demonstrieren darf, für das er einsteht“. Allerdings sollten die Corona-Kritiker „schauen, mit wem sie sich ins Bett legen“, warnte er vor der Instrumentalisierung der Proteste durch demokratiefeindliche Kräfte. Gut finde er, so der Abgeordnete, dass alle Gegendemonstranten Schutzmasken trugen – sowohl für die Sicherheit ihrer Mitmenschen, als auch um Flagge zu zeigen. Und es sei auch offenkundig, dass „da nicht nur Rother mitlaufen“. Er habe Auto-Kennzeichen aus Nürnberg, Fürth und sogar Bamberg gesehen.

Auch über die Kanäle von Pegida, der AfD und diverser anderer rechter Gruppen war zuvor erneut zur Unterstützung des Rother „Spaziergangs“ aufgerufen worden. Und auch Enriko Kowsky, überregional bekannter Kopf von „Pegida Nürnberg“, war erneut vor Ort und filmte das Geschehen samt spöttischen Kommentaren über die Gegendemonstranten.

[Der Artikel wurde am 03.12.2022 um 22.30 Uhr und am 04.12.2022 um 19.45 Uhr aktualisiert - Teilnehmerzahl gemäß Polizeibericht korrigiert und weitere Informationen zur Herkunft der Demonstranten und ihrer Mobilisierung ergänzt]

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