Dreimal wöchentlich Nasebohren

Keine Betreuung ohne Nachweis: So läuft die Testpflicht in den Kitas

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

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10.1.2022, 16:35 Uhr
Klein, aber getestet: Seit Montag müssen auch die Einjährigen schon negativ auf Corona getestet sein, um in die Kita gehen zu dürfen.

Klein, aber getestet: Seit Montag müssen auch die Einjährigen schon negativ auf Corona getestet sein, um in die Kita gehen zu dürfen. © imago images/photothek/Ute Grabowsky, NN

Also Montag, Mittwoch und Freitag morgens dem oder der Kleinen das Stäbchen in die Nase stecken, testen, warten und dann erst auf den Weg in die Kita machen. Oder – vielleicht stressfreier: die Prozedur schon am Vortag absolvieren. Die Testkassette müssen die Eltern dann in der Kita vorlegen oder mit ihrer Unterschrift „glaubhaft nachweisen“, dass sie den Antigen-Schnelltest mit ihrem Sprössling gemacht haben. Ohne Test geht jedenfalls nichts mehr. „Betretungsverbot“, heißt es dann.

Neu ist die Verpflichtung, aber das Testen selbst dürfte gar nicht so ungewohnt sein, wie manche meinen, sagt Brunhilde Adam, die Leiterin des Schwabacher Jugendamts. „Sowohl Eltern als auch Kinder sind das inzwischen schon gewöhnt“, erklärt sie. Das Angebot des Testens hätten bisher schon viele genutzt.

Die Änderung: Jetzt schreibt die Bayerische Staatsregierung die dreimaligen Tests verpflichtend vor, um „die Corona-Sicherheit in den Einrichtungen der Kinderbetreuung nochmals zu erhöhen“, wie Familienministerin Carolina Trautner in einer Pressemitteilung schreibt. Wenn Eltern ihre Kleinen dann in Krippe oder Kindergarten abliefern, müssen sie mit ihrer Unterschrift bezeugen, dass das Kind negativ getestet ist.

Leitung setzt auf Vernunft der Eltern

Ein Anreiz zum Schwindeln? „Glaube ich nicht“, sagt Brunhilde Adam. „Denn die Eltern wollen ja, dass ihre Kinder in der Kita sicher sind. Ich denke, dass die so vernünftig sind und nichts Falsches behaupten.“

Einen Riesenaufwand bedeutet das Testen natürlich trotzdem. Personalknappheit herrscht in vielen Betreuungseinrichtungen sowieso, das weiß man beim Jugendamt ebenso wie bei den freien Trägern. Jetzt belasten die Formalitäten mit Listen, Scheinen und Nachweiskontrollen die Erzieherinnen zusätzlich.

Denn mit dem Teststäbchen in der Nase allein ist es nicht getan – weder für die Kinder und ihre Eltern noch für das Personal im Kindergarten: Wie bisher gibt es die kostenlosen Tests gegen Berechtigungsscheine in den Apotheken. Die Eltern bekommen den Schein für zehn Tests im Kindergarten, in der Apotheke erhalten sie dann die Tests, und erst auf Vorlage des eingelösten Scheins wieder in der Kita gibt es einen neuen Berechtigungsschein, um auch für die nächsten Wochen wieder Testmaterial daheim zu haben.

Die Erzieherinnen und Erzieher haben ebenfalls mehr zu tun: Sie müssen den Eltern die Scheine ausstellen sowie später die Testkassetten oder die Unterschriften kontrollieren. "Das ist nicht digital möglich, sondern muss händisch mit durchlaufender Nummerierung gemacht werden", erklärt Petra Hölzel, die bei der Awo Mittelfranken Süd für die Betreuung von rund 800 Kindern in Krippen, Kindergärten und Horten zuständig ist. "Bei kleinen Einrichtungen geht das ganz gut, aber in einem Kindergarten mit 100 Kindern ist eine Mitarbeiterin allein damit vollauf beschäftigt."

"Wer schummeln will, tut es auch"

Ihr Wunsch wäre, "dass die Eltern die Tests nicht in der Apotheke abholen müssen, sondern direkt in der Kita bekommen können. Das spart ihnen einen Weg und einen Teil des bürokratischen Aufwands." Außerdem, so glaubt Petra Hölzel, stelle man mit der persönlichen Ausgabe auch eine Vertrauensbasis her.

Auch wenn sie glaubt, dass die Gefahr des Schummelns nicht sehr groß ist. "Aber wer schummeln will, der tut es auch." Basis sei einfach das Vertrauen in die Kooperationsbereitschaft der Eltern. "Und eine Portion Gelassenheit." Denn am ersten Tag funktioniere sicher noch nicht alles zu 100 Prozent.

Zwar ebenfalls mit "erheblichem Aufwand", aber "ganz gut" lief der erste Tag in der "Räuberkiste", dem BRK-Kindergarten in Hilpoltstein. Aber auch hier "geht es nur auf Vertrauensbasis", sagt die Leiterin Susanne Grimm.

Könnten die Tests – wie von manchen Eltern gefordert – vielleicht im Kindergarten durchgeführt werden? Nein, das wollen wir nicht, sagt Grimm. Die Erzieherinnen in den BRK-Einrichtungen lehnen das allein wegen des Risikos ab, vielleicht doch ein kleines Kind dabei zu verletzen. "Und es wäre ein noch viel größerer Aufwand."

Morgendlicher Kampf ums Mitmachen

„Nicht machbar“, sagt auch Stefan Krick, der bei der Stadt Roth für die Kinderbetreuungseinrichtungen zuständig ist. Der personelle Aufwand für die Kitas wäre noch größer. „Und in der Regel wissen Mama oder Papa besser, wie sie ihr Kind dazu bringen, den Test machen zu lassen.“

Das meint auch Petra Hölzel: Der morgendliche Kampf ums Mitmachen - wie beim Zähneputzen oder Anziehen - wird beim Testen daheim noch um ein Element erweitert, "sicher nicht einfach für die Familie". Wenn der Eingriff ins Gesicht mit Stäbchen in die Nase - gerade bei Einjährigen - aber nicht daheim von Mama oder Papa - sondern in der Kita von der Erzieherin durchgeführt werden soll, "dann ist die Frage, ob das einfacher ist".

Trotzdem wird in Schwabach derzeit daran gearbeitet, PCR-Pooltests einzuführen. Die sollen dann in den Kinderkrippen, -gärten und -horten durchgeführt werden. Der Grund ist laut Brunhilde Adam, „dass die Pooltests viel sensitiver sind als die Antigen-Schnelltests“. Adam: „Sie sind sozusagen die Goldvariante.“

Aber im Moment macht die Laborkapazität noch Probleme. „Man muss genügend Labors finden“, erläutert die Jugendamtschefin. Außerdem sei ein Vergabeverfahren nötig, was ebenfalls noch Zeit kostet. „Unser Ziel ist aber, ab Februar die Pooltests in den städtischen Einrichtungen durchzuführen.“ Einige der freien Träger haben, so Adam, ebenfalls ihre Bereitschaft signalisiert. Die Awo will - Stand Montag - bei den Tests daheim und dem Vertrauen aufs Mittun der Eltern bleiben.

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