Montag, 16.12.2019

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Klassiker im Alltag in Abenberg: "Das ist so eine geile Karre"

Das älteste Fahrzeug der Abenberger Feuerwehr hat 40 Jahre hinter sich - 18.10.2019 15:10 Uhr

Das Magirus-Deutz-Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Abenberg hat einen ganz speziellen Klang. © Foto: Martin Regner


"Das ist eine so geile Karre. Schade, dass die nicht mehr gebaut werden." Der das sagt, heißt Jens Meyer. Der Abenberger meint damit nicht etwa einen flotten Sportwagen aus Zuffenhausen, Maranello oder Gaydon. Meyer ist Kommandant der örtlichen Feuerwehr und spricht vom ältesten Fahrzeug im Fuhrpark: Ein Magirus-Deutz vom Typ 192D11 in der Ausführung als Tanklöschfahrzeug TLF16, Baujahr 1979.

Genau am 26. Juli wurde das gute Stück 40 Jahre alt und aus diesem Anlass feierte die Feuerwehr ein großes Fest: "Der Verein hat alle aktiven und ehemaligen Kameraden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Schön war’s", erzählt der Kommandant. Dazu war das blecherne "Geburtstagskind" natürlich feierlich geschmückt worden.

Der Rost nagt schon 

Freilich sind die vier Jahrzehnte im Feuerwehrdienst nicht ganz spurlos an dem schweren Boliden vorübergegangen: Die Pumpe kann das Wasser nicht mehr halten, unten tröpfelt es ein wenig. "Aber das Ersatzteil gibt es noch, das wird bald repariert." Und an den hinteren Kotflügeln nagt unübersehbar der Rost.

Doch der Rest vom Fahrzeug ist topfit: "Wir haben immer die Ausrüstung aktuell gehalten", erklärt Meyer. Hinter den Rollläden des Aufbaus ist alles verladen, was man für einen Feuerwehreinsatz braucht: Knapp 300 Meter Schläuche, eine Atemschutzausrüstung für die Feuerwehrleute, Handfeuerlöscher und rund 2500 Liter Wasser. Kein Wunder, dass der alte Wagen immer noch unentbehrlich ist und "bei jedem zweiten Einsatz mit draußen."

So auch im Juni, als es bei einer Abenberger Fabrik für Schaumstoffe und Beschichtungen einen Betriebsunfall gab und eine Trocknungsanlage für Zellulose brannte. Wenn der alte Magirus-Deutz ausrückt, ist er schon von weitem zu hören. Und das liegt nicht allein am Tatü-Tata des Martinshorns: Der luftgekühlte Sechszylindermotor mit 192 PS verbreitet ein durchdringendes Donnergrollen, sobald die Zündung betätigt wird.

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Einsatzfahrzeuge von Feuerwehren und anderen Rettungsorganisationen erreichen oft ein hohes Alter - weil sie zum Glück nur selten gebraucht und gleichzeitig bestens gepflegt werden. In der Region haben viele Einsatzorganisationen ihre Fahrzeuge im Oldtimeralter nach der Außerdienststellung nicht einfach verkauft, sondern behalten. Zum Beispiel als nostalgischer Blickfang für Feste und Umzüge. Manches historische Fahrzeug steht - trotz Jahrzehnten auf dem blechernen Buckel - immer noch im Einsatzdienst. Klicken Sie sich durch die Jahrzehnte von 1932 bis 1979.


Einen satteren Motorklang haben nicht einmal die eingangs erwähnten Erzeugnisse von Porsche, Ferrari oder Aston Martin, davon ist der Kommandant überzeugt. Geprägt wird die Soundqualität durch die Luftkühlung des Motors, damals eine Spezialität des Ulmer Herstellers Magirus-Deutz. Der ging zwischen 1975 und 1982 in der heutigen Firma Iveco auf, der Markenname Magirus-Deutz verschwand.

Aus dem alltäglichen Straßenbild sind die Fahrzeuge dieses Herstellers inzwischen verschwunden. Auch die Tage des alten TLF16 in Abenberg sind gezählt: "Der Stadtrat hat schon die Ersatzbeschaffung eines HLF 20 beschlossen", berichtet Meyer. In rund zwei Jahren soll das neue Fahrzeug in Abenberg in Dienst gestellt werden.


Dieser Lkw aus dem Jahre 1979 ist "für ewig gebaut"


Und dann? "Der Motor läuft noch ewig", meint der Kommandant. Auf dem Tacho stehen gerade mal 14.900 Kilometer. Wo das gute Stück einmal landen wird, weiß jetzt noch niemand. Nur so viel ist sicher: "Wir haben immer geschaut, dass wir unsere alten Autos gut unterbringen". So ziert ein ehemals in Abenberg eingesetzter VW "Bulli" heute den Showroom eines Nürnberger Autohauses. Und die vor wenigen Jahren ausgemusterte und einst ebenfalls von Magirus-Deutz gebaute Drehleiter DL 18, deren Leiterpark noch mit Handkurbeln ausgefahren werden musste, gehört heute einem Sammler aus der Nähe und war im Mai auf einem Oldtimertreffen in Neustadt an der Aisch zu sehen.

Martin Regner E-Mail

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