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Kräftige Stimmen zur Stärkung der Dorfgemeinschaft

Sonntagvormittag im Wirtshaus: Der musikalischen Stammtisch beim Winklers Hansi in Bernlohe ist eine Idee der Männergymnastik - 13.05.2017 06:00 Uhr

Die leidenschaftlichen Hobby-Sänger und die spontan mitspielenden Instrumentalisten, die zum musikalischen Frühschoppen nach Bernlohe kommen, lassen den „Westerwald“ ebenso hochleben wie das schöne Franken. © Foto: Detlef Gsänger


BERNLOHE — Der Herr am Telefon ist sehr freundlich und lädt auf unseren Aufruf in der Zeitung hin einen Redakteur ein, an einem musikalischen Stammtisch teilzunehmen. Natürlich kommen wir. Auch am Sonntag früh um 10 Uhr. Im Dorfgasthaus Winkler in Bernlohe ist um diese Zeit schon einiges los. Hermann Schick, der freundliche Anrufer, stellt mich der illustren Männerrunde im gesetzteren Alter vor. Den einen oder anderen kennt man natürlich schon. "Hallo" und freundliches Händeschütteln folgen.

Der Winklers "Hansi", der Dorfwirt, versorgt derweil die Gäste mit Getränken, dann tauchen mit Elke Winkler und Regina Weißmann auch zwei weibliche Teilnehmer zu diesem morgendlichen Treffen auf. "Frühschoppen ist immer sonntags ab 10 Uhr. Drei bis vier Mal im Jahr gibt es einen musikalischen Stammtisch so wie heut", informiert mich Hermann Schick und überreicht mir ein Liederbuch des "Bernloher Kulturtreffs".

"Dort, wo man singt, da lass dich nieder; böse Menschen haben keine Lieder" — steht vorne drauf. "Die Lieder haben wir alle selbst zusammengetragen. Alles Volkslieder, aber auch drei bis vier Schlager sind darunter, wie "Die kleine Kneipe".

Zu den Stammtischen würden regelmäßig bis zu 17 Personen kommen, vorwiegend Männer, die auch bei der Männergymnastik am Ort zusammen sind. Dort werde Rad gefahren, gekegelt, Besichtigungstouren vorgenommen und auch die Geselligkeit gepflegt. Vor vier Jahren sei daraus der Gedanke gereift, einen Stammtisch zu initiieren. Einen Stammtisch, so wie früher. Immer am Sonntag. Im Dorfgasthaus. "In vielen kleinen Orten wird bedauert, wenn das Gasthaus in der Dorfmitte schließt. Wir wollen mit unserer Initiative unser Gasthaus auch ein wenig stärken. Und natürlich unsere Dorfgemeinschaft".

Werbung, so Schick, hätte dieser private Stammtisch nicht nötig. Aber man wolle dazu beitragen, dass auch in anderen Dörfern der Stammtischgedanke wieder auflebt.

Dann geht es los. Die Liedauswahl erfolgt auf Zuruf. "Schwer mit den Schätzen des Orient beladen", steht am Beginn. Welch erhabenes Gefühl, wer diese kräftigen und sonoren Männerstimmen hört. Man singt ein Lied zu Ehren des vor einiger Zeit verstorbenen Dorfwirts, dem Vater vom "Hansi". Und "Bajazzo - Warum bist Du gekommen?", für den ebenfalls schon verstorbenen Weißmanns Willi, der gleichfalls Impulsgeber für diesen musikalischen Stammtisch war.

Mit Quetsch’n und Klarinette

Und weil’s so schön ist, holen Elke Winkler und Regina Weißmann für ein paar Lieder Quetsch’n und Klarinette hervor. Christian Ammon aus Petersgmünd hat zudem eine Cajun-Box-Trommel mitgebracht und sorgt somit für leichtes Schlagwerk.

Die leidenschaftlichen Hobby-Sänger — diesmal sind über 20 gekommen — lassen den "Westerwald" ebenso hochleben wie das schöne Franken ("Frankenlied"). Gesungen wird aber auch das Bernloher Heimatlied, das der frühere Dorf-Heimatpfleger Hans Volkert, der heute auch unter den Sängern sitzt, 1983 komponiert hat. Darin wird vom Eichenbaum in der Ortsmitte gesungen, dessen Alter keiner kennt. "Was hat er wohl alles gesehen, der alte Eichenbaum" heißt es oder auch "Er sah manch fröhlichen Zecher, wie er mit schnellem Schritt zur Wirtschaft dorthin eilte und kam ganz spät zurück".

Nach drei oder vier Liedern folgt eine kleine Pause und ein Trinkspruch. Nach über einer Stunde zieht ein besonderer Duft durch den Gastraum. Es gibt ein warmes Bündle, das der Brechtelsbauer aus Mäbenberg zubereitet hat. Dazu gibt es frisches Bauernbrot. Auch ich darf kosten. Schmeckt echt lecker. Man unterhält sich, tauscht Erinnerungen aus und gibt einige Witze zum Besten. Es wird gelacht. Die Stimmung ist prächtig. Der Winkler-Wirt sorgt derweilen für den Getränke-Nachschub. Dann ist die Pause schon wieder vorbei und die gesangliche Schlussrunde wird eingeläutet.

Nach insgesamt zwei Stunden verabschiede ich mich aus dieser fröhlichen Runde, die mich mit "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus..." verabschiedet. Schöi war’s.

Ansprechpartner sind Hermann Schick, erreichbar unter Telefon (0 91 71) 98 90 22 6 und Hans Winkler, (0 91 72) 86 36. 

DETLEF GSÄNGER

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