Kurt Heidingsfelder zu Besuch bei Heiner Müller

7.8.2017, 22:06 Uhr
Die Club-Fahne an der Tür weist den Weg zu Heiner Müller. Der einstige Fußball-Profi hat dem Wanderreporter viel zu erzählen.

Die Club-Fahne an der Tür weist den Weg zu Heiner Müller. Der einstige Fußball-Profi hat dem Wanderreporter viel zu erzählen. © Kurt Heidingsfelder

Neben der Haustür des Einfamilienhauses im Norden der Kreisstadt weht eine kleine rot-schwarze Club-Fahne verhalten im Wind. Der Hausherr hat sie extra angebracht, damit ich zu ihm finde. Dabei konnte ich ihn gar nicht verfehlen. Fast jeder in der Stadt kennt Heiner Müller, Mitglied der FCN-Meisterelf von 1961, den "Heini", der mir sofort das Du anbietet. Andererseits kennen inzwischen offensichtlich auch ziemlich viele Menschen den NN-Wanderreporter. Ständig ernte ich neugierige Blicke. Eine Frau die gerade aus ihrem Garten auf den Gehsteig getreten ist, ruft mir hinterher: "Sie sind doch der..." Ja, bin ich. Beileibe nicht zum ersten Mal bietet mir ein Autofahrer an, mich ein Stück mitzunehmen.


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Diesmal, damit ich rechtzeitig zum Frühschoppen beim Hilpoltsteiner Burgfest komme. Geht leider nicht. Einer unserer Leserfotografen, Peter Sunkel, hat meinen Weg im Internet verfolgt und muss schon ziemlich lange am Städtlerbrunnen auf mich gewartet haben. Ist es vermessen, ihn "Fan" zu nennen? Zufällig kommt noch Irene Heckel, die ehemalige Kulturamtschefin von Georgensgmünd des Weges, die mich sofort anspricht und ein Bonmot von Olaf Seifert, dem Chef des Fränkischen Tourismus-Verbandes, zum Besten gibt: "Die Info im Netz ersetzt nicht den Mückenstich am Strand." Abgesehen vom Strand: Besser kann man die Idee, die hinter der Wanderreporter-Aktion steht, kaum beschreiben. Ich bin an vier Tagen, in denen ich mutmaßlich interessante Männer, Frauen, Kinder, ja, auch Tiere, immer wieder unfränkisch offensiv angesprochen habe, nie abgewiesen oder unfreundlich behandelt worden.

"Das geht auf keine Kuhhaut mehr"

Wildfremde Menschen lassen mich in ihr Haus, versorgen mich mit Essen, Trinken, mit Strom und Datenvolumen — was man halt unterwegs so braucht — und mit ganz viel Zuspruch: In Roth fühle ich mich fast wie ein Triathlet am legendären Solarer Berg. Heini Müller macht da keine Ausnahme. Sofort ist der erstaunlich fitte 83-Jährige mit einem Glas Wasser zur Stelle — und natürlich mit unzähligen Geschichten. Müller war nämlich sozusagen der erste Südamerikaner beim Club. Weil sein Vater als Omnibus-Spezialist in Peru arbeitete, lernte der Junge das Kicken in Peru. Seinen ersten Halbprofivertrag unterschrieb er 1956.

Monatsgehalt: 120 Mark. Angesichts der 222 Millionen Euro Ablöse für den Brasilianer Neymar kann Heiner Müller nur den Kopf schütteln. "Das geht auf keine Kuhhaut mehr, mich wundert, dass die Leute überhaupt noch ins Stadion gehen." Dem Club hält er freilich immer noch die Stange, aber nicht nur dem. Der Senior einer bekannten Fußballerfamilie und langjährige Zeitungsabonnent, hat am Esstisch alle bisherigen Artikel über den Wanderreporter ausgebreitet.

Eine große Ehre. Denn um so viel zu berichten wie Heini aus seinem Leben erzählen kann, müssen die Wanderreporter noch weit laufen.

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