Landkreis Roth: Debakel kurz vor dem Osterfest

25.3.2021, 10:10 Uhr
„Was das Zeit kostet.“ Claus Böbel wurde mit seiner Metzgerei in Rittersbach von den Berliner Coronabeschlüssen gleich zweimal kalt erwischt. Immerhin: Die Mitarbeiter nahmen es mit Humor.

„Was das Zeit kostet.“ Claus Böbel wurde mit seiner Metzgerei in Rittersbach von den Berliner Coronabeschlüssen gleich zweimal kalt erwischt. Immerhin: Die Mitarbeiter nahmen es mit Humor. © Foto: Salvatore Giudanella

Dann, im Lauf des Vormittags, die Rolle rückwärts: Kanzlerin Angela Merkel nahm die vorgeschlagene Osterruhe zurück. Die Idee sei mit bester Absicht beschlossen worden, sagte sie, aber so nicht umsetzbar. "Das bedauere ich und bitte um Verzeihung."

Es geht nur um die Bezahlung

Ob jetzt der Gründonnerstag ein Feiertag ist oder nicht, hat für die Milchwerke Ingolstadt-Thalmässing "Goldmilch" lediglich eine Auswirkung. "Für uns geht es darum, in welcher Form wir unsere Mitarbeiter bezahlen müssen", erklärte gestern Josef Schraufstetter, der Betriebsleiter der Thalmässinger Dependance. Soll heißen: Es geht darum, ob die Mitarbeiter Sonn- oder Feiertagszuschläge bekommen oder nicht.

Ansonsten tangiere eine mögliche Regelung den betrieblichen Ablauf in der Molkerei in der Weißenburger Straße nicht. "Wir arbeiten sowieso jeden Tag im Jahr", meinte Schraufstetter. An Sonn- und Feiertagen entfalle die Abholung. Aber dies stelle für den Betrieb kein Problem dar.

Lachen der Mitarbeiter

Am Morgen noch befragten wir Metzgermeister Claus Böbel (Rittersbach), welche Auswirkungen die neuesten Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten zur aktuellen Eindämmung der Corona-Pandemie, also vor allem die "Ruhetage" am Gründonnerstag und Karsamstag, auf seinen Betrieb hätten.

Unmittelbar nach Merkels Rücknahme der "Ruhetage" klingelte unsere Zeitung erneut bei Claus Böbel an. Im Hintergrund war schon das Lachen der Mitarbeiter zu hören. "Das ist doch witzlos", meinte Böbel irritiert, "und morgen beschließen die in Berlin, dass der Samstag doch Ruhetag bleibt. Oder?"

"Was das Zeit kostet..."

Der zunächst angekündigte "Ruhetag" am Gründonnerstag hatte den Metzgermeister Claus Böbel mitten in den Vorbereitungen für das Ostergeschäft hart getroffen. "Es sind schon zahlreiche Vorbestellungen von Kunden für Gründonnerstag und Ostersamstag eingegangen und wir haben die zu erwartenden Mengen bereits mit Zulieferern und Schlachtbetrieben abgestimmt. Wir garantieren schließlich neben bester Qualität auch Produkte, die dem Kunden frisch angeboten werden. Da führt die kurzfristige Ankündigung eines Ruhetages am Gründonnerstag natürlich zu großen logistischen Problemen, auch bei den Schlachtbetrieben und Zulieferern." "Alles, was erforderlich war, haben wir dann am Dienstag angepasst, auch die Besetzung des Betriebes mit Personal." Bis in die Nacht hinein habe er sämtliche Umplanungen vorgenommen. Am Tag darauf hätte er Mitarbeitern, die am kommenden Montag frei gehabt hätten, gesagt, dass sie wegen des "Ruhetages" am Donnerstag nun doch am Montag arbeiten müssten. "Da kam Freude auf, da musste schon mal ein Arzttermin abgesagt werden", so Böbel.

Am Tag darauf alles zurück auf Anfang. "Gestern gegen 11 Uhr wurde ich vom Verband informiert, dass mit einer Rücknahme des ,Ruhetages‘ zu rechnen ist. Wenn in Wirtschaftsbetrieben so gearbeitet werden würde, dann...", entfuhr es ihm, als er von der neuerlichen Entscheidung hörte. "Auf halbem Weg umzukehren, ist auch nicht zielführend", schob er nach. Und er fragte sich, warum der erste Beschluss so wenig durchdacht gewesen sei. "Die in Berlin haben doch Berater, auch im rechtlichen Sinne. Haben die nicht mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung rechnen müssen?" Böbel bleibt jetzt nichts anderes übrig, als wieder umzuplanen: "Was das Zeit kostet..."

Ein Zeichen von Stärke

Die Rolle rückwärts kommentiert Dr. Jörg Ehmer, Chef von Apollo-Optik in Schwabach, so: "Schadenfreude ist fehl am Platz. Fehler einzugestehen, kann auch ein Zeichen von Stärke sein – vor allem, wenn man daraus lernt: Nachtbeschlüsse ohne Sachkenntnis und Beratung machen auch in der Politik keinen Sinn. Erst recht nicht, wenn es um so viel geht.".

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