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Meckenhausen: Martin Harrer verfasste ein Buch über die Adelsfamilie Groß

Der 81-Jährige beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema - 13.10.2020 05:58 Uhr

Martin Harrer beschäftigt sich seit 20 Jahren mit seinen Ahnen. Sein Blick wanderte deshalb auch in die Meckenhausener Ortsgeschichte und brachte dort Erstaunliches ans Licht.


Was macht ein Postamtsrat im (Un-)Ruhestand? Nein, Briefmarkensammeln ist es nicht! Um seiner Frau "möglichst wenig auf die Nerven zu gehen", hat der gebürtige Meckenhausener Martin Harrer nach seiner Pensionierung im Jahr 1999 damit begonnen, die Nase in alte Folianten zu stecken.

Mehr als 20 Jahre ist das her. Seitdem betreibt der heute 81-Jährige Familien- und Heimatforschung. Herausgekommen sind dabei bereits mehrere Harrer-Familienchroniken. Ihnen an die Seite gestellt, hat er nun "ein wissenschaftliches Buch, das es so noch nicht gibt": 230 Seiten über die Adelsfamilie Groß von Meckenhausen. Es ist eine in Staats- und Stadtarchiven recherchierte Hommage an Harrers Geburtsort, "wo man eigentlich stolz sein müsste", so der Autor, dass dort einst blaues Blut pulsierte ...

Herr Harrer, Sie wissen von Dorfstreitereien, einer Hinrichtung und einem Ritter mit Verbindungen zur damaligen High Society: Es scheint ja doch ziemlich was los gewesen zu sein im guten alten Meckenhausen ...

In der Tat! Meine Erkenntnisse dazu habe ich unter dem Titel zusammengefasst: "Konrad Groß, Reichsschultheiß, und seine Verwandten, die Groß von Meckenhausen". Allein dieses Verhältnis ist sehr spannend. Denn der Nürnberger Konrad Groß war nicht nur Reichsschultheiß, also ein kaiserlicher Beamter, sondern auch Stifter des Heilig-Geist-Spitals und im 14. Jahrhundert der reichste Mann seiner Zeit (!) – ein Finanzier von Kaiser Ludwig, dem Bayern und Kaiser Karl IV. –, über ihn musste ich also nicht mehr forschen.

In Meckenhausen bei Hilpoltstein standen einst Burg und sogar Schloss. Die Verbindungen der Familie Groß von Meckenhausen waren nicht ohne und reichten bis in die Reichsstadt Nürnberg. Herausgefunden hat das der gebürtige Meckenhausener Martin Harrrer.

© Foto: Tobias Tschapka


Stattdessen hab´ ich alles über die Adelsfamilie Groß von Meckenhausen zusammengetragen und versucht, deren Verwandtschaft mit der Familie Groß von Stain (Hilpoltstein, Anm. d. Red.) und der Familie besagten Nürnberger Reichsschultheiß´ herauszuarbeiten. Um es abzukürzen: Alles begann mit Konrad Groß von Stain im Jahre 1226 und endete mit dem Tod eines Hans Groß von Meckenhausen im Jahr 1520 ...

Ein Adelsgeschlecht ohne repräsentative Residenz? Burg- oder Schlossmauerreste sind in Meckenhausen jedenfalls nicht zu entdecken...

Doch, doch, es gab neben einer Burg "auf der Wahl" auch ein Schloss! Letzteres wurde aber wohl 1420 im Zuge einer kriegerischen Auseinandersetzung der Wittelsbacher Herzöge von Ingolstadt und Landshut zerstört. Zum Wiederaufbau fehlte es Hans Groß von Meckenhausen offenbar an Geld.

Denn die Groß von Meckenhausen waren anfangs zwar eine durchaus betuchte Familie, doch nach und nach mussten sie immer mehr Güter verkaufen – auch aufgrund einiger "großzügiger" Stiftungen. Besagte Güter reichten übrigens vom Federhof bis Belmbrach. Aber danach blieb es weiter spannend in Meckenhausen ...

Und damit meinen Sie wahrscheinlich nicht die jüngsten Diskussionen wegen der Ortsumgehung?
Nein (lacht). Wie gesagt: Die Familienchronik der Groß von Meckenhausen birgt ziemlich viel Spannung. Da gab´s einen Otto, der 1311 auf einem Kreuzzug in Jerusalem starb; ein weiterer Konrad Groß war Abt von Münchaurach und Teilnehmer am berühmten Konzil von Konstanz 1414 bis 1418; ein gewisser Stephan Groß tat sich als Landvogt in Höchstädt an der Donau hervor und sein Bruder Heinrich war Landrichter in Hirschberg.

Von allgemeinem Interesse dürfte außerdem die Stiftung einer "ewigen Messe" durch Konrad Groß von Meckenhausen, seines Zeichens auch Ritter und Bürger von Nürnberg, anno 1341 sein. Weil der für sein Seelenheil ein Vermögen geopfert hat – unter anderem "drei Güter in Ebenriet, zwei Höfe in Mörsdorf, einen Hof in Sindersdorf, den Menzelhof und einen Acker bei Patersholz" inklusive jährlicher Abgaben von dort.

Im zweiten Teil des Buches geht’s schließlich um Geschichten aus der Geschichte des Ortes: Zwistigkeiten unter den Bürgern oder die Hinrichtung eines Meckenhausener Delinquenten in Hilpoltstein. Außerdem hat die Stadt Nürnberg verzweifelt versucht, eine Schankstätte in Meckenhausen einzurichten. Und dann war da noch der Brand der Kirche 1647 im Beisein kaiserlicher Soldaten ...

Was hat Sie – abgesehen von Ihrer Frau – wirklich dazu bewogen, so tief in die Vergangenheit abzutauchen?
Nach dem Tod meiner Mutter im Jahr 2000 hab´ ich in ihren Papieren eine Aufstellung über unsere Ahnen gefunden, die der damalige Ortspfarrer Braun 1936 zusammengetragen hatte. Er tat das für viele Familien seiner Pfarrei, weil im Nationalsozialismus ja der Nachweis einer arischen Abstammung wichtig war.

Ich wollte aber nicht nur die Daten meiner Vorfahren zu Geburt, Heirat und Tod; ich wollte auch wissen, wie sie lebten und habe darum damit begonnen, in den Archiven zu stöbern – in Saalbüchern, Zins- und Gültbüchern der Grundherren, in Urkunden über Hofübergaben und Grundstücksverkäufen. Auf diese Weise ist eine umfassende Harrer-Familienchronik entstanden.

Der sie jetzt eine Heimatchronik an die Seite gestellt haben.
Tja, wenn man sich der Historie zuwendet, lässt sie einen nicht mehr los! Ich führe zwar keine Statistik, aber ich war wirklich sehr, sehr oft in Archiven: im Diözesan-Archiv Eichstätt, in den Staatsarchiven von Nürnberg und Amberg – dort übrigens mehr als 50 mal – im Hauptstaatsarchiv München, im Archiv der evangelischen Kirche in Berlin und da auch im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz; ich war zu Gast im Nürnberger Stadtarchiv oder im Archiv des Germanischen Nationalmuseums ....

Das Personal ist überall äußerst hilfsbereit! Ganz besonders unterstützt hat mich durch gezielte Hinweise und beim Lesen der Urkunden aber Professor Dr. Peter Fleischmann, der Leiter des Bayerischen Staatsarchivs in Nürnberg. Und bevor ich´s vergesse: Sogar der Baron von Harsdorf gewährte mir Einblick in sein Familienarchiv in Diepoltsdorf!

 

Für Sie ist mit Ihrem jüngsten Wälzer nicht Schluss: "Es gibt noch viel zu tun!", schrieben Sie in einem Brief an die Redaktion. Was kommt als Nächstes?
Ich möchte gerne das Leben meiner Eltern in Meckenhausen näher beleuchten. Und den Meckenhausenern will ich ans Herz legen: Sie sollten ruhig ein bisschen stolz sein, dass es in ihrer Geschichte eine Adelsfamilie gibt, die auch in der Geschichtsschreibung der Reichsstadt Nürnberg eine Rolle spielt.

Die Meckenhausener Heimatchronik "Konrad Groß, Reichsschultheiß, und seine Verwandten, die Groß von Meckenhausen" ist über den Verfasser Martin Harrer zum Preis von 24,90 Euro zu erwerben.

Mehr Informationen sind zu finden unter www.harrer-familienforschung.de

Martin Harrer wurde 1939 in Meckenhausen geboren. Nachdem er die Realschule (damals "Mittelschule") in Hilpoltstein erfolgreich beendet hatte, verschlug es ihn in den Großraum Nürnberg, wo er 1955 in den Dienst der Deutschen Bundespost eintrat. Nach seiner Pensionierung 1999 widmete er sich der Familien- und Heimatforschung. Obschon er heute in Herzogenaurach lebt, fühle er sich Meckenhausen nach wie vor sehr verbunden, betont der 81-Jährige. Die Meckenhausener sollten ruhig ein bisschen stolz sein.

INTERVIEW: PETRA BITTNER

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