Mentales Umschalten

9.3.2020, 18:00 Uhr
Braucht Mut, gutes Timing, Feingefühl und Vertrauen: Zu zweit kopfüber auf einem Rad in der Runde zu fahren gehört zu den Schwierigkeiten im 2er Kunstrad, die Alexander und Daniel Stark mittlerweile souverän beherrschen.

Braucht Mut, gutes Timing, Feingefühl und Vertrauen: Zu zweit kopfüber auf einem Rad in der Runde zu fahren gehört zu den Schwierigkeiten im 2er Kunstrad, die Alexander und Daniel Stark mittlerweile souverän beherrschen. © Foto: Zint

In diesem Jahr haben hat auch der jüngere der beiden Starks, Daniel, das Juniorenalter erreicht. Damit stehen die Brüder in den Wettbewerben vor einer besonderen Herausforderung: Innerhalb kürzester Zeit vom Gegeneinander ins Miteinander zu wechseln.

Dass die beiden den Bayerischen Meistertitel im 1er unter sich ausmachen würden, daran ließ der Blick auf die eingereichten Punktzahlen wenig Zweifel. Zwar bringt in dieser Saison Alexander noch einen beachtlichen Vorsprung an Schwierigkeitspunkten mit, hat allerdings auch mit entsprechend mehr Risiko in seiner Kür zu rechnen. Risikofreudig zeigte sich aber auch Daniel, der im Vergleich zur Bezirksmeisterschaft drei Punkte aufgestockt hat, um seinem Bruder näher zu kommen. Eine Bestleistung des Jüngeren hätte die brüderliche Reihenfolge drehen können - falls Alexander sich danach gravierende Fehler geleistet hätte.

Daniel zeigte sein Programm mit 143,2 aufgestellten Punkten als vorletzter der Startgruppe und präsentierte sich hervorragend gerüstet. Er spulte die Kür so ab, dass am Ende tatsächlich eine neue persönliche Bestleistung von 130,47 Punkten stand. Er meisterte alle Drehungen und schwierigen Steigerübergänge und zeigte auch die neuen Übungsteile gut. "Wir haben in der Coaching-Zone die Luft angehalten und freuten uns dann mit ihm", berichtet Zint.

 

Hackordnung unangetastet

 

Dann musste Alexander unter ungewohntem Druck auf die Fläche. Nahezu abzugsfrei absolvierte er die erste Hälfte seines 166,1-Punkte-Programms und zeigte erst in der zweiten Hälfte Unsicherheiten, die seinen Vorsprung spürbar schmelzen ließen. Gegen Ende rappelte er sich zu großer Stabilität auf und beendete seinen Soloauftritt mit 146,86 Punkten und damit dem sicheren Titelgewinn vor seinem Bruder.

Nach einer kurzen Mittagspause stand die Vorbereitung für den Auftritt im 2er-Wettbewerb an. Schnelles Umschalten in den Team-Modus war angesagt. "Uns steckte die Anstrengung des 1er-Programms noch in den Knochen", meinte Alexander und kündigte an, dass die Brüder gemeinsam beschlossen hatten, das 2er-Programm zu fahren, ohne viel Energie in das Einfahren zu stecken. Sie sollten trotz anfänglicher Skepsis des Trainers Recht behalten.

Im 2er-Programm sind bei den Brüdern die ersten Übungen ausschlaggebend für den Erfolg. Daniel muss zweimal kurz hintereinander einen Handstrand hochdrücken und halten, während sein älterer Bruder auf dem Sattel liegend oder im Reitsitz das Fahrrad in Bewegung und Gleichgewicht hält. Diese neuen Übungsparts treiben auch den Betreuern während des Wettkampfes noch die Schweißperlen auf die Stirn. Zint: "Unser Puls ist da bestimmt genauso hoch wie der der Sportler." Aber es gelang.

Anschließend rettete Alexander bei einem komplizierten Positionswechsel auf dem Rad eine heikle Situation, bei der das Duo beinahe in die Richtertische gefahren wäre. Daniel blieb bei der ganzen Aktion stoisch in seiner Position und vertraute auf das beherzte Eingreifen seines Bruders. "Das ist Team", lobte sie der Trainer danach. Der Rest war lange eingeübte Akrobatik auf ein und zwei Rädern, die die Brüder routiniert abspulten. Mit weitem Abstand wurden sie Bayerische Meister im 2er Kunstradfahren offene Klasse.