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Dienstag, 20.04.2021

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Mit Courage, Beherztheit und Mut

Case-Managerin Jessica Kitzan schildert den Alltag im Hilpoltsteiner Auhof während der Corona-Pandemie. - 01.01.2021 13:58 Uhr

„Wir hatten uns das erste dreiviertel Jahr recht gut gehalten und trotz einer so großen Anzahl von Mitarbeitern (zirka 600) und Bewohner (etwa 350) keinen Corona - Fall“, so JessicA Kitzan. Im Oktober waren dann Bewohner eines Wohnbereichs infiziert und auch Mitarbeiter wurden positiv getestet.

01.01.2021 © Foto: Matthias Grundmann


Corona. Sechs Buchstaben, die Bewohner und Mitarbeiter das Jahr 2020 über begleitete und die das gewohnte Leben massiv beeinflusst haben. Mit diesen sechs Buchstaben möchte Jessica Kitzan einen Eindruck vermitteln, was diese Pandemie für das Leben und Arbeiten bei den Rummelsberger Diensten in der Region Roth/Hilpoltstein/Allersberg bedeutet.

C steht in diesem Zusammenhang für Courage. Beherztheit und Mut - Eigenschaften, die die Mitarbeiter in den Wohnbereichen jeden Tag aufs Neue beweisen. "Wir hatten uns das erste dreiviertel Jahr recht gut gehalten und trotz einer so großen Anzahl von Mitarbeitern (zirka 600) und Bewohner (etwa 350) keinen Corona - Fall", so Kitzan. Im Oktober waren dann Bewohner eines Wohnbereichs infiziert und auch Mitarbeiter wurden positiv getestet.

Eine schwierige Situation, die alle Beteiligten und Verantwortlichen vor Herausforderungen stellte. Mitarbeiter fielen wegen Erkrankung aus, die erkrankten Bewohner mussten aber natürlich weiter im Alltag unterstützt werden. Ohne zu zögern, zeigten Mitarbeiter aus anderen Bereichen, aus dem Fachdienst-Team und auch die Personalverantwortlichen selbst die Bereitschaft im betroffenen Wohnbereich zu arbeiten. Leider infizierten sich manche von ihnen dabei ebenfalls mit dem Virus. Das Risiko einer Erkrankung und Quarantäne war ihnen bewusst und trotzdem traten sie beherzt für die Bewohner ein und zeigten einmal mehr den Zusammenhalt im Auhof-Team.

Völlig neue Situation

O. Das erste O steht für Orientierung. Im Februar/März brach das Thema Corona über die Welt herein. Von heute auf morgen eine völlig neue Situation. Wer den Auhof kennt, der weiß, dass bei uns eigentlich immer ein buntes Treiben herrscht. Im ersten Lockdown dann, war es plötzlich still. Wie soll man Menschen, die nicht sprechen können, eine Situation erklären, die man selbst nicht begreifen kann?

R. Rücksichtnahme und Verzicht. Attribute, die in diesen besonderen Zeiten weit über das normale Maß gefragt sind. So mussten die Auhof-Bewohner auch auf sämtliche Kontakte verzichten. Besuche und Heimfahrten zu den Familienangehörigen fielen aus, Kontakte zu Freunden oder auch Partnern in anderen Wohnbereichen waren nicht möglich.

Respekt

Keine einfache Situation und es verdient Respekt und Anerkennung, dass sich trotzdem viele sehr verantwortungsbewusst zeigen. Es gibt zum Beispiel einen jungen Auhof-Bewohner, der gerne selbstständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in größere Städte fährt. Im Zimmer neben ihm wohnt aber eine Frau, die über eine Magen-Sonde ernährt wird und zum besonders schützenswerten Personenkreis gehört. Der junge Mann brachte das Verständnis auf und schränkte sich zum Schutz seiner Mitbewohnerin in seiner Lebensgestaltung ein.

O. Das zweite O steht für Offenheit. Neben Mut und Rücksichtnahme eine weitere Eigenschaft, die uns hilft, konstruktiv mit der Situation umzugehen. Auch das Case Management stand Anfang des Jahres erst einmal vor einer Orientierungslosigkeit, da es zu dessen Aufgaben zählt, die (Teilhabe-) Wünsche der Bewohner zu erfragen, zu organisieren und zu moderieren und Lösungen für die Umsetzung zu finden. Wegen Corona wurde dazu übergegangen, die Treffen mit den Klienten im Freien, mit entsprechender Schutzausrüstung, bei einem Spaziergang stattfinden zu lassen. Nachdem Walkinggruppe und Lauftreff auch pausieren muss, ist das eine gute Sache. Es ist eine willkommene Abwechslung im Corona Alltag der Bewohner und eine bereichernde Erfahrung für uns, denn bei so einem Spaziergang kommen nochmal viel intensivere Gespräche und ganz andere Themen und Wünsche zur Sprache.

Neue Situation

N . Neue Situation. Das war es wirklich die Anfang des Jahres auf einmal bevorstand. Der Alltag sah von einem Tag zum nächsten ganz anders aus. Die Werkstatt und die Förderstätte wurden geschlossen, die entsprechenden Mitarbeiter wurden festen Wohnbereichen zugeordnet. Auf einmal waren alle Tage wie Wochenende. Einigen gefiel der neue Alltag ganz gut. Verhaltensauffälligkeiten traten seltener auf. Für andere Bewohner hingegen war es schlimm, nicht zur Arbeit gehen zu können.

Seit Juli können Werkstatt und die Förderstätte wieder besucht werden, jedoch nur in der gleichen, festen Zusammensetzung wie im Wohnbereich und im zweiwöchentlichen Wechsel. Der Umgang damit ist auch wieder ganz individuell. Eine Bewohnerin zum Beispiel genießt diese Situation, denn so hat sie viel mehr Zeit für ihr Pferd. Sie kann jetzt in ihren freien Wochen jeden Tag im Reitstall sein und ist hier gut eingebunden.

A .Abstand. Das wohl wichtigste und gleichzeitig schwierigste Gebot, das die Pandemie mit sich bringt. Für die Bewohner im Auhof, die schwere Einschränkungen haben, ist Körperkontakt oft die einzige Möglichkeit das Gegenüber wahrzunehmen. Nimmt man ihnen die körperliche Zuwendung, so nimmt man ihnen einen großen Teil ihrer Lebensqualität und vor allem aber Sicherheit und Orientierung. Deshalb ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden bei Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen trotzdem auch noch menschliche Wärme bieten. Ein Balanceakt, den unsere Mitarbeiter täglich mit Kreativität und Einfühlungsvermögen meistern.

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