Befürchtete Nachwirkung

Nachwirkungen der Corona-Krise: Vierbeiner werden in Rother Tierheim einfach "ausrangiert"

13.9.2021, 07:42 Uhr
Ausrangiert: Eine 

Ausrangiert: Eine "tolle, liebe, verträgliche Maus" nennt Carmen Nottrott die Schäferhündin Tara, die in der Münchener Straße aufgegriffen wurde. © Carmen Nottrott

Genau dieses Szenario war im Frühjahr befürchtet worden, als die Plätze im Tierheim so gut wie geräumt waren (wir berichteten). "Die Anfragen sind wahnsinnig hoch", gibt Carmen Nottrott zu verstehen, dass das keine vorübergehende Erscheinung ist, "gerade bei Kleintieren wie Kaninchen. Die Menschen haben es versäumt oder nicht gewollt, die Tiere kastrieren zu lassen. Und jetzt haben sie plötzlich statt zwei sechs im Nest. Das ist dieses Jahr echt heftig."

Bösartig am Telefon

Heftig ist auch, wie Herrchen und Frauchen vermehrt reagieren, wenn sie ihr Problem nicht umgehend los werden – zum Beispiel, wenn sie in Urlaub fahren wollen. "Das war schon extrem, wie bösartig die Leute am Telefon geworden sind, wenn wir nicht sofort helfen konnten. Ich muss mir doch so etwas vorher überlegen, wenn ich mir ein Tier anschaffe." Gleiches gilt auch für diejenigen, die sich eine tierische Gesellschaft für die Phase Homeoffice ins die Wohnung geholt haben. Danach kommt tatsächlich die Erkenntnis: "Ich hab‘ jetzt keine Zeit mehr, jetzt muss ich wieder auf die Arbeit."

Die Unvernunft kennt auch bei eigentlich erfahrenen Tierhaltern und Züchtern gewissermaßen keine Grenzen nach oben. Da wechselte eine Familie von einem Kleinhund zu einem Mazedonischen Herdenhund, der ganz andere Bedürfnisse hat und auch einen anderen Umgang braucht: "Das ist schließlich kein Schoßhund, sondern ein 60-kg-Hund, der aus der Arbeitswelt kommt", beschreibt Carmen Nottrott das Dilemma eine weiteren Gastes im Tierheim.

Eine Massenerscheinung dieses Sommers war die rege Vermittlertätigkeit von "Tierschutzorganisationen", die Vierbeiner hauptsächlich aus dem Süden Europas über Internetplattformen anboten.

Abgesehen davon, dass die Kunden nicht aufgeklärt wurden, die Papiere nicht stimmten und die Tiere sogenannte Mittelmeerkranken mit sich schleppten, wollten die Leute reklamieren, so Nottrott, "waren diese Organisationen nicht mehr erreichbar. Und für Klinikkosten waren schnell mal 1000 Euro beisammen".

Ausgesetzt, weil krank

Als besonders miese Erscheinung in diesem Jahr fiel das Aussetzen kranker Hunde auf. Da ist zum Beispiel Bruno, ein vier- bis fünfjähriger Rottweiler, der bei Abenberg gefunden wurde. Sein kupierter Schwanz deutet eine Herkunft aus dem Süden her, sein Chip war so gut verschlüsselt, dass die Daten nicht auslesbar waren. Nach einem Tierarztbesuch war aber der Grund für seine Schicksal erahnbar: Vorderlauf verletzt, rechtes Auge blind und das linke (jetzt) in Behandlung.

Ausgedient hatte wohl auch Tara, "eine tolle, liebe, verträgliche Maus (Nottrott)", die in der Münchener Straße in Roth aufgegriffen wurde. Die Schäferhündin hatte wohl bei einem Hirten "gearbeitet", worauf die sorgsam geschliffenen Fangzähne schließen lassen, und nach zehn bis elf Jahren auch ausgedient. Bei ihr lautete die Diagnose "taub, Linsentrübung, inkontinent". Gechippt ist Tara nicht. "Solche Tiere werden weit weggekarrt, damit sie nicht nach Hause finden", ist Carmen Nottrotts Kommentar zur Herkunft.

Im Tierschutzverein Schwabach wurde über die Tierschicksale in Pandemiezeiten diskutiert, der prognostizierte Druck auf die Auffangstation in Limbach blieb aber aus. "In diesem Sommer war es wie immer, wir sind überrascht", äußerte sich Marianne Mangam, die momentan 2. Vorsitzende, Tierwartin und Hausmeisterin in Personalunion ist, "damit haben wir nicht gerechnet. Gott sei Dank ist das bei uns nicht passiert."

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