Kamel am Nordpol

Podcast aus Roth: Ein Adventskalender zum Hören

Petra Bittner
Petra Bittner

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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28.11.2021, 06:00 Uhr
Stephan Simon schickt das Kamel „Eyjo“ ab 30. November auf eine „wundersame Reise“. Bis 24. Dezember gibt’s täglich eine Episode.

Stephan Simon schickt das Kamel „Eyjo“ ab 30. November auf eine „wundersame Reise“. Bis 24. Dezember gibt’s täglich eine Episode. © Petra Bittner

Kamel müsste man sein! Dann wäre bis Weihnachten tagtäglich was los – und zwar jenseits von Inzidenz oder Hospitalisierungsrate. Statt Viren würden sich fremde Länder und Akteure im Bewusstsein einnisten, statt Angst käme das Abenteuer zum Zug. „Genau“, bestätigt Stephan Simon „schwelgen, sich freuen, was fürs Herz! Das kann man in dieser deprimierenden Zeit ziemlich gut gebrauchen...“


Podcasts der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung


Simon ist nicht nur Optimist, Vertriebsleiter im IT-Bereich, originärer Rother, jetzt Wahl-Barthelmesauracher und stolzer Papa zweier Töchterlein, sondern auch Vater erwähnten Kamels. - Ja, ja Sie haben schon richtig gelesen! Denn die Rede ist hier nicht von irgendeinem 08/15-Reit- und Lastentier, es geht um ein spezielles Wüstenschiff. Name: „Eyjo“. So heißt es, weil es den Leuten in tollpatschiger Manier öfter mal unbeabsichtigt auf die Füße trampelt und dafür einschlägige Kommentare kassiert: „Ey!“, „Joooooo...!“

Ansonsten aber sei der goldige Geselle happy, harmlos und „total liebenswert“. Das hat sich Stephan Simon fein ausgedacht. Eyjo gibt es nämlich nicht in echt, sondern als Hauptfigur einer Internet-Hörspielserie zum Herunterladen - neudeutsch: Podcast.

Garantiert schokoladenfrei!

Den hat der 38-Jährige in Eigenregie ersonnen, eingesprochen sowie produziert. Ab 30. November besteht die Chance, Eyjo auf einer „wundersamen Reise“ zu begleiten. Für jeden und jede (ab etwa vier Jahren). Täglich (fünf bis sieben Minuten im Schnitt). Weil dieser kostenlose Podcast nämlich ein garantiert schokoladenfreier Adventskalender ist, „dafür aber mit umso mehr Spaß drin“, sagt sein Macher.

Wie´s kam? Nun, so: „Bei uns ist das Vorlesen am Abend lange ein Ritual gewesen“, erzählt Stephan Simon. Doch „vor Corona“ habe er jobbedingt immer wieder mal auswärts nächtigen müssen. Also hinterließ er den beiden Töchtern kurzerhand seine Stimme: „Ich hab´ die Gute-Nacht-Geschichten eingelesen und aufgenommen. Völlig unprofessionell...“

Trotzdem fand es Anklang. Nicht nur beim eigenen Nachwuchs: „Unsere Kleine hat die Aufnahme einer Freundin gegeben - und die fand´s megacool!“ Das sei ein motivierender Anfang gewesen...

Außerdem: Einmal Hörspielfan, immer Hörspielfan, erklärt Stephan Simon. Seit Benjamin Blümchen durch seine kindlichen Gehörgänge stampfte, liebt der IT-Spezialist das Audio-Genre ohnehin.

Hör-Kapitel statt Türchen

Als ihm 2018 ein Kinderbuch in die Hände fällt, das als literarischer Adventskalender konzipiert ist, macht es ´klick´: „Ein Hör-Buch als Adventskalender – das wär´s!“, denkt er und lässt die Kopfmaschine knattern. Auch der Rest der Familie ist Feuer und Flamme. Aber: Handlung, Figurenkonstellation, Drehbuch - „leichter gesagt als getan für jemanden wie mich, der in der Amateurliga spielt“, gibt Stephan Simon zu. „Wir hatten viel zu viele unsortierte Einfälle.“ Und so ebbt die Euphorie zusehends ab.

Was allerdings nachhaltig in den Gehirnwindungen hängenblieb: „ein Kamel und der Gedanke, es an den Nordpol zu schicken.“ Dieser Plot fiel dem Barthelmesauracher just wieder ein, als er im August „bei 40 Grad am Pool in der Toskana“ schwitzte. Dort begann er einmal mehr, über Seehunde, Rentiere, Wichtel und den Weihnachtsmann zu sinnieren - „ich hatte richtig Lust, da was zu machen“.

Ideen von Oma Freia

Diese Lust begleitete ihn auch zurück nach Deutschland, „zum Glück“. So gesellten sich schließlich der Datteleintopf-vernarrte „Eyjo“, ein Austria-affiner Pinguin, eine bildungsbürgerliche Maus, der Weihnachtsmann, dessen Hauskatze, fränkische Wichtel und ein Eismonster zueinander. Unter anderen. Richtungsweisende Impulse habe vor allem „Oma Freia“, seine Mutter, beigesteuert.

Im September fing Stephan Simon an, Storyboards zu schreiben: 25 mehrminütige Kabinettstückchen über Eyjos Reise. „Den Aufwand hatte ich natürlich komplett unterschätzt“, gesteht er und berichtet von einem Zwei- bis Drei-Stunden-Einsatz pro Tag seit dem Frühherbst.

Wohlfühlpaket

Doch dieser Einsatz habe sich rentiert, findet der Autodidakt. Herausgekommen sei nämlich ein „Rundumwohlfühlpaket“, dessen „abwechslungsreicher Inhalt“ mittels „gut konsumierbarer Tagesrationen“ wohl dosiert sei. Hinter dem Podcast stecke zwar „null kommerzieller Hintergrund“, über „möglichst viele leuchtende Kinderaugen als Lohn“ würde er sich jedoch schon freuen, sagt Stephan Simon, „denn dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe!“

Ein paar Grundschullehrer hätten ihm bereits versichert, sie wollten seinen Hör-Adventskalender während der Vor-Weihnachtszeit regelmäßig als Unterrichtseinstieg in ihren Klassen nutzen, begeistert sich der Hobby-Podcaster. Auch an MdB Ralph Edelhäußer habe er die Geschichte geschickt, zumal der ja Vater eines kleinen Sohnes sei.

Ob der Bundestag seine Sitzungen demnächst also gleichfalls mit „Eyjos wundersamer Reise“ einläuten werde? Stephan Simon lacht: „Wer weiß...“ Schaden könne es jedenfalls nicht. Denn Eyjos Botschaft in diesen turbulenten Tagen laute immerhin: „Entspannt euch doch wenigstens ein bisschen, Leute – es wird Weihnachten!“

INFO

Am 30. November startet der Podcast „Eyjos wundersame Reise“. Danach ist bis zum 24. Dezember, jeden Tag ab 8 Uhr, eine neue Folge zu hören - entweder direkt auf der Website: https://erzaehl-doch-mal.letscast.fm oder auf Spotify, Apple Podcasts und amazon music. Mehr Infos auf Facebook: https://www.facebook.com/EyjosWundersameReise/

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