Montag, 19.04.2021

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Probleme mit Leergut: Flaschenbier statt Fässer

Heimische Brauereichefs sprechen von einem "verrückten Jahr" - 08.12.2020 19:00 Uhr

Wohl dem Brauereichef, der vorgesorgt hat. Im Corona-Jahr sind mancherorts die Flaschen zur Mangelware geworden.

08.12.2020


Die Pyraser wäre eigentlich prädestiniert für einen Leergut-Mangel, füllt sie doch ihre Getränke nicht nur in weniger verbreiteten Schraubverschluss-Flaschen ab, sondern hat mit ihren teilbaren Kästen auch noch fast ein Alleinstellungsmerkmal. Dass das Lehrgut zuverlässig zurückkommt, dafür sorgt die Pyraser mit ihrem Direktvertrieb. "Dass die Flaschen knapp werden, kommt vielleicht einmal im Sommer vor, doch heuer war sowieso alles ganz anders. Der Verbraucherverhalten war völlig seltsam", blickt Bernreuther zurück: "Im März machten uns die Hamsterkäufe Probleme, an Ostern waren die Keller voll, der Sommer war gut und jetzt hatten wir mit dem Lockdown light eigentlich auf weitere Hamsterkäufe gehofft."

Doch davon ist nichts zu spüren. Die Kalkulation ins Jahr 2021 hinein hat viele Unbekannte. "Wir planen jede Woche neu", seufzt die Bauerei-Chefin. Momentan läuft das Weihnachtsbier am besten.

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Jörg Gundel, Braumeister der Brauer Gundel in Barthelmesaurach, hat schon längst kein Weihnachtsbier mehr: "Das war nach drei Wochen ausverkauft. Jetzt kaufen die Leute halt Hell und Gold." Ein Leergut-Engpass im Winter ist seiner Meinung nach eine Management-Nachlässigkeit: "Weil man weiß, dass da mehr geht im Kastenbereich, muss man sich schon rechtzeitig eindecken."


Bekommt die Hopfenstadt Spalt ein Bierhotel?


Im Sommer sei der Fassbereich so gut wie weg gewesen, aber Gundel lässt in der Corona-Krise Bierruhe zu: "Ich will nicht zu arg jammern. Ich kann meine Leute zahlen, ich kann die Sparkasse zahlen – und ein bisschen weniger arbeiten, war auch nicht so schlecht." Und bloß nicht verrückt machen lassen durch die Beschränkungen: "Die werden uns schon noch einige Zeit erhalten bleiben."

"Bei uns ist das Leergut-Thema kein Problem, weil wir bereits 2019 vorgesorgt haben", sagt Spalts Bürgermeister Udo Weingart, der zugleich Geschäftsführer der Spalter Brauerei ist. Ja, bereits vor Corona gab es das Flaschenproblem. Zum einen gebe es immer weniger Glasfirmen, von denen man überhaupt Flaschen beziehen könne. Deshalb betrage die Lieferzeit für Flaschen mittlerweile bis zu acht Monate, je nachdem wann ein bestimmter Flaschentyp auf den Produktionsanlagen gefahren werde. Pech vor allem für die Brauereien, die ausgefallene Individualflaschen haben.

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© Montage: Sabine Schmid

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© Achim Bergmann

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Frage 1/10:

Silberner Brauerstern auf Hellblau. Wer ist's?

Die Brauerei Wagner aus Merkendorf, erstmals erwähnt 1797. Rund um Bamberg wird das Wagner sehr geschätzt, besonders das ungespundete Lager und das naturtrübe Kellerbier.

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Frage 2/10:

Diese Kirchtürme deckeln welches Bier?

Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein, der gute Stoff wird auch Nothelfer genannt. Nothelfer? Die Erklärung ist einleuchtend: Seit 1803 wird das Bier oberhalb der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen gebraut. Und wenn die erschöpften Pilger seit jeher oberhalb des Gotteshauses aus dem nahen Wald kommen, stärken sich nicht wenige erst mal mit einem kühlen Bier, bevor sie dann die Kirche betreten.

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Frage 3/10:

Nicht verkehrt, mit Schild und Schwert.

Seit über 300 Jahren in Familienbesitz zählt Held aus Oberailsfeld schon zu den bekannteren Privatbrauereien in der Region. Besonders das Helle ist beliebt. Seit 1680 wird hier schon gebraut.

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Frage 4/10:

Hier springt der Hirsch - auf welche Brauerei?

1845 übernahm der Müllerssohn Johannes Kraus das damalige "Wirtschaftsguth" in Hirschaid - und seither ist die Brauereigaststätte ohne Unterbrechung im Besitz der Familie.

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Frage 5/10:

Ein grüner Baum, wo steht der?

"Zum Grünen Baum" heißt der Brauereigasthof der Familie Bayer aus Theinheim im Steigerwald. Gefeiert wird hier oft, unlängst erst ein runder Geburtstag: Seit 1718 wird hier schon gebraut.

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Frage 6/10:

Ein bunter Vogel - auf welchem Bier sitzt er?

"Zum Pfau!", heißt es öfter, wenn es nach Frauendorf geht. Seit 1867 ist die Familie Hetzel Herr über die dort ansässige Brauerei.

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Frage 7/10:

Der Zwerg vom Berg, wo braut er sein Bier?

Der markante Zwerg stammt von der Staffelberg-Bräu aus Loffeld. In der sechsten Generation, seit 1856, führt die Familie Geldner-Wehrfritz dort die Brauerei. Zehn Jahre später, 1866, ließ Jakob Geldner ein eigenes Brauhaus folgen, nochmals zehn Jahre später dann eine eigene Faßhalle.

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Frage 8/10:

Raubtier mit Schild und Krone. Wer ist's?

In Untersiemau/Birkach wird seit 1822 das "Eller" gebraut. Als beliebtestes gilt das Rotbier, Christian Eller braut aber auch ein süffiges Pils.

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Frage 9/10:

Schwarzer Adler, wer hat sich den gekrallt?

Adler-Bräu aus Stettfeld ist inmitten der unterfränkischen Haßberge daheim - und das schon seit 1730. Bräustübla, Biergarten, Sudhaus und sogar einen "Bärentrunk" gibt's hier.

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Frage 10/10:

Weißer Löwe - wo kommt der her?

Hier sind Wirths-Leute am Werk! Die nun schon 9. und 10. Generation der Familie Wirth führt das Löwenbräu. Natürlich nicht zu verwechseln mit dem Münchner! "Unser" Löwenbräu stammt aus Neuhaus im Aischgrund und das schon seit 1747. Im Sortiment gibt es hier mehrere Löwen und sogar eine "Karpfen Weisse".

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Zum anderen sei infolge von Corona und all der ausgefallenen Feste nebst der geschlossenen Gaststätten viel mehr Flaschenbier für den Privatgebrauch nachgefragt als Fassbier.

Weingart erinnert sich, dass die Spalter Stadtbrauerei schon vor drei Jahren im Sommer flaschentechnisch fast in die Bredouille gekommen wäre. Danach habe die Brauerei umgestellt. Es werde immer vorgesorgt und so haben die Spalter bereits für nächstes Jahr 30 000 neue Kisten samt Flaschen bestellt.

Für Weingart ist der Handel derzeit der ganz große Gewinner, was den Verkauf von Getränken anbelangt. Auf der anderen Seite stehen die Verlierer: "Vor allem für kleine Brauereigaststätten sieht es düster aus", sagt der Brauereichef. Für die Spalter Stadtbrauerei kann er zumindest feststellen: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen".


Franken ist die Heimat des Bieres. Kein Wunder, denn die Region wartet mit der höchsten Brauereidichte Europas auf. Rund 300 Brauereien in Mittel-, Ober- und Unterfranken schaffen eine einzigartige Biervielfalt.

Alle Neuigkeiten und Wissenswertes zum fränkischen Bier finden Sie auch in der Facebook-Gruppe Wir lieben Bier aus Franken. In unserem Brauerei-Guide können Sie herausfinden, wer Ihre Lieblings-Biersorte ausschenkt.

pg/ebo

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