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Renommierte Steinbildhauerin Verena Reimann ist überraschend gestorben

Viel Kunstwerke im Landkreis entstammen ihren Händen - 04.11.2020 12:19 Uhr

Bildhauerin Verena Reimann (Mi.) beschäftigte sich nicht nur selbst mit ihrer Kunst, sondern vermittelte in zahlreichen Kursen den gestalerischen Umgang mit Stein.

04.11.2020 © Foto. robert Unterburger


Riesige Steinblöcke, oft bis zu zwölf Tonnen schwer, wurden unter ihren Händen zu imposanten Kunstwerken. "Beim Stein gibt es nur ein Vorwärts", lautete das Motto der Künstlerin, die aus Ursensollen stammte, einige Jahre im Schlösslein in Georgensgmünd lebte und ihr Kunstlabor in der Edith-Maryon-Kunstschule Freiburg hatte. In ihrem "Werkort" am Rande von Georgensgmünd waren neben Interessierten, Freunden und Künstlerkollegen auch Teilnehmer wie Studenten immer willkommen.

Studiert hat Verena Reimann in Freiburg. Mit ihrer Künstlerkollegin Sabine Mädl war das Künstlerfest der Kulturfabrik Roth ihr erstes festes Forum und der erste Grund, im Landkreis tätig zu werden.

Vielfältig waren die Themen ihrer Arbeiten. Die Entstehung eines "Raumes der Stille" für die Palliativstation der Kreisklinik Roth oder ein riesiger "Waldfisch" bei Walpersdorf oberhalb des Mühlgründels stammen aus ihrer Hand.

"St. Georg, der Drachenbezwinger"

Eine Vielzahl von großflächigen Kunstwerken verändern und bereichern die Landschaft: "St. Georg, der Drachenbezwinger", der den Kreisverkehr im Süden von Georgensgmünd bewacht, auch der "Spannungsbogen" des Skulpturenweges oder beispielsweise die "Kuh mit Bank" im Rother Wiesengrund, um nur einige herausragende Arbeiten zu nennen.

"St. Georg" aus Stahl und Jurakalkstein ist acht Meter lang und sechs Meter hoch und dem Namenspatron der Gemeinde Georgensgmünd gewidmet.

Der heilige Georg hat sich kraftvoll auf den Rücken des Drachens geschwungen. Er bezwingt den Drachen und symbolisiert Schutz. Alle Teile der Skulptur sind aus Dreiecken zusammengesetzt. Zum einen verstand dies die Künstlerin als Ausdruck der Dynamik, zum anderen sind sie ein Aufruf zur Aufmerksamkeit.

An Silvester 1999 eröffneten Künstler und Hunderte von Kunstfreunden mit einem gemeinsamen Spaziergang den 2,4 Kilometer langen Skulpturenweg in Georgensgmünd. Verena Reimann hat am Freizeitpark Bruck-Espan das monumentale Kunstwerk "Spannungsbogen" aus Jurakalkstein und Stahl geschaffen: Ein "froher" Kalkstein widersetzt sich dem Zug eines Stahlseils und stemmt sich dem Seil entgegen.

Leuchtender Traum 

Den Planetenweg hinter dem Gmünder Rathaus bereicherte sie durch ihre Skulptur "Kuh Luise in der Wiese". Stolz und ruhig wartet die wiederkäuende Kuh auf Gäste, denen sie einen Platz zum Verweilen anbietet. An der Brücke zur Denkmalinsel steht ihre Steinplastik "Traum im Zeichen des Widders": Ein am Boden liegender Kopf erlauscht den Klang der Erde und des Himmels. Im Innern des Kopfs, der mit Bildern erfüllt ist, leuchtet ein Traum.

Am TSV-Sportplatz steht ihre riesige Skulptur "Stein an den Wassern". Sie versinnbildlicht den Zusammenfluss der Fränkischen und Schwäbischen Rezat zur Rednitz. Am Dorfplatz am Maukbach schuf Verena zwei "Mauker Gänse" aus Stein. Und an der Pleinfelder Straße, in der Nähe des Gmünder Bahnhofs, steht ihre Skulptur "Zuneigung".

Beliebtes Schwein 

Wer kennt sie nicht, die Skulptur "Steinschwein, Du" am Schlössleinplatz beim Bürgerhaus "Zur Krone"? Auch dieses Kunstwerk, ein beliebtes Fotomotiv von Touristen, stammt von Verena Reimann. Sie schuf auch die Skulptur "Kind mit Taube" auf der Denkmalinsel: Wie zufällig steht ein kleines Mädchen unter dem Kastanienbaum und fordert die Taube in ihren Händen zum freien Flug auf.

Die Steinbildhauerin schuf auch eine Reliefplatte für den Markgrafen Albrecht V. (1620 -1667) am Schlössleinplatz und das Denkmal für Heinrich Mehler (1859-1926), den Begründer der ehemaligen Lungenheilstätte Georgensgmünd, auf dem Gelände der Dr.-Mehler-Schule.

Reimann gewann zahlreiche Wettbewerbe wie etwa 2000 den Frauenkunstpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg oder 2012 den Wettbewerb Kunst am Bau für das Gymnasium Wendelstein. Die Jury des Forums Kultur der Metropolregion Nürnberg hat die Steinbildhauerin 2019 zur Künstlerin des Monats Oktober der Metropolregion Nürnberg gewählt.

Die freischaffende Steinbildhauerin war in der Edith-Maryon-Kunstschule (EMK) für Bildhauerei in Freiburg im berufsbegleitenden Studiengang "Feuer-Wasser-Luft-Erde" als Dozentin tätig. Bei Kursen im Steinbruch Flossenbürg in der Oberpfalz und in ihrem Gmünder Atelier gab sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen an Studierende und Interessierte weiter.

ROBERT UNTERBURGER

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