Roth: Ein Hallenbad zu dritt oder lieber zu acht?

26.10.2016, 16:58 Uhr
Viel Spritzer, wenig Bewegung: Für ein interkommunales Hallenbad sucht Roth jetzt Partner in allen Richtungen.

© dpa Viel Spritzer, wenig Bewegung: Für ein interkommunales Hallenbad sucht Roth jetzt Partner in allen Richtungen.

Die Gespräche mit Blick „über den Tellerrand“ zwischen der Triathlon-Stadt Roth (mit dem immer wiederkehrenden Wunsch nach einem Hallenbad), der Stadt Schwabach (mit marodem Hallenbad) und der Gemeinde Rednitzhembach (mit gut gefülltem Geldsäckel) sind bereits seit einem Jahr im Gang. Jetzt wollten die drei (Ober-)Bürgermeister ihre jeweiligen Ratsgremien befragen, was sie von der Idee eines gemeinsamen Bades halten. Größe, Ausstattung und genaue Lage waren noch nicht festgelegt, Standort aber wäre Rednitzhembach – dessen Bürgermeister Jürgen Spahl also der „Kriegsgewinnler“, wie Schwabachs OB Matthias Thürauf flachste. Die Investitionskosten würden gedrittelt, auch Träger seien alle drei Gemeinden, stellt man sich vor.

Im Rother Stadtrat sollte die Realisierbarkeit zunächst nur mit einer Machbarkeitsstudie getestet werden. Allerdings kam auch ein eigenes Bad mit auf den Tisch.

Das Thema hielt anscheinend gleich mehrere Reizwörter bereit: SPD-Fraktionssprecher (und Kandidat für die Bürgermeisterwahl) Andreas Buckreus attackierte den Bürgermeister, dass er mit dem „feuchten Traum“ vom „Hallenbad-Spektakel“ kommunalpolitische Spielregeln „grob verletzt“, weil er die Verhandlungen mit den Nachbargemeinden „ohne Mandat“ des Stadtrates geführt habe.

Grundsätzlich stehe die SPD einem „bezahlbaren Hallenbad positiv gegenüber“, aber der Bürgermeister habe nur mit Schwabach und Rednitzhembach, nicht aber mit dem Landkreis oder Nachbargemeinden wie Georgensgmünd oder Hilpoltstein gesprochen.

Auftrag fürs „Weitersprechen“

Das bestritt Edelhäußer heftig. Hauptamtsleiter Stefan Krick betonte das Recht des Bürgermeisters auf Gespräche, die Verwaltung wolle jetzt nur den offiziellen Auftrag für das „Weitersprechen“ erhalten, aber da hatte die Vision vom Bad die Gemüter schon so erhitzt, dass etliche Aspekte diskutiert wurden, die gar nicht auf der Tagesordnung standen.

Jutta Scheffler (Grüne) seufzte, dass „wir nicht schon wieder eine Machbarkeitsstudie brauchen“, laut Edelhäußer gab es aber bislang erst eine. Außerdem gingen doch gar nicht alle Schulkinder zum Schwimmunterricht (bisher im Bundeswehr-Bad in der Kaserne), deshalb halte sie ein Hallenbad für eine „Begehrlichkeit“ der Triathleten — und angesichts wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen für zu teuer.

Triathlon ist Marke

„Der Triathlon ist eine echte Marke für die Stadt“, hielt Dr. Daniela von Schlenk (CSU) entgegen, gerade in einer Zeit des rückläufigen Einzelhandels solle man sich eine Neuausrichtung der Stadt genau angucken. Prinzipiell halte sie interkommunale Zusammenarbeit für gut, aber „beim Geld hört die Freundschaft oft auf“, unkte Sonja Möller (Freie Wähler) und fragte: „Was ist, wenn eine Kommune den Unterhalt nicht mehr zahlen kann?“ Für sie komme das Projekt nur infrage, „wenn der Landkreis mit im Boot ist“. Gegen ein Bad sprach sich auch Richard Radle (Grüne) aus: Da Schwimmunterricht und -training gewährleistet seien, „haben wir aktuell keine Not“.

Wie groß ist der Bedarf?

Wie viele Schwimmer es überhaupt gibt, wollte Andrea Schindler (Grüne) wissen, doch Elisabeth Bieber (FW) wollte nicht nur Sportler und Schüler, sondern „alle Bürger“ mit winterlichem (oder ganzjährigem?) Bad gut versorgt wissen. Und bisher habe man nie über ein Bad zu dritt nachgedacht, also müsse doch eine Studie eruieren, „wie das gehen könnte“.

CSU und SPD beantragten, ein gemeinsames Bad nicht nur mit Schwabach und Rednitzhembach, sondern auch mit und im Landkreis zu prüfenn. Der Schwabacher OB gab zwar zu bedenken, dass die Ausdehnung des Kooperationswunsches „so eine Fülle von Möglichkeiten ergibt, dass ich keine Basis dafür sehe, unser Projekt schon zu prüfen.“

Trotzdem entschied sich die Mehrheit, das Projekt mit anderen Kommunen (zu denen auch Schwabach und Hembach zählen) zu prüfen. In einer mehrstufigen Abstimmung sprachen sich am Ende nur zehn Stadträte (vorwiegend die CSU) für die alleinige Kooperation mit Schwabach und Rednitzhembach aus. Ein eigenes Bad ohne weitere Partner kommt nicht mehr in Betracht.

 

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