Rother Gymnasiasten haben clevere Tipps gegen häusliche Stromfresser

9.1.2015, 18:24 Uhr
Hut ab vor nachhaltigem Denken: „Energiebündel“-Vorsitzender Werner Emmer (links) zog vor der Projektgruppe des Gymnasiums Roth symbolisch die Mütze.

Hut ab vor nachhaltigem Denken: „Energiebündel“-Vorsitzender Werner Emmer (links) zog vor der Projektgruppe des Gymnasiums Roth symbolisch die Mütze. © Foto: Shaw

„Energiesparen ist gut für Klima und Geldbeutel.“ Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit — sollte man meinen. Doch die junge Generation nimmt bei ihren Eltern und Großeltern in Sachen Energiewende nach wie vor eher Verdrängung, Bequemlichkeit und mangelndes Wissen wahr. Das haben zumindest Felix Heckl, Nathanael Wittmann und Fabian Hagen, die drei Sprecher des Projektseminars, beobachtet.

Auf die Idee, etwas dagegen zu tun, kamen sie und ihre elf Mitschüler sowie eine Mitschülerin nach einem Treffen mit Werner Emmer und weiteren Vertretern des „Energiebündels“ Roth-Schwabach. Das Energiewende-Netzwerk stellte den Jugendlichen um Seminarleiter Dieter Wolf eine Wärmebildkamera zur Verfügung, mit der die Gymnasiasten „um die Häuser zogen“ und feststellten, wie viel Wärme diese nach wie vor verlieren.

Schnell war den Schülern allerdings auch klar, dass es einfacher ist, mit kleinen Verhaltensänderungen im Alltag etwas gegen die globale Erwärmung zu tun, als auf aufwändige Sanierungen zu setzen, die sich viele Bürger nicht leisten können. Immerhin, so recherchierte die Projektgruppe, verbrauchen die Privathaushalte mehr als ein Viertel des Stroms in Deutschland. Und Stromfresser daheim lassen sich leichter abstellen als in Industrie und Gewerbe. „Wir wollten zeigen, dass die Energiewende nicht immer nur kosten muss, sondern den Geldbeutel auch entlasten kann“, erklärt Nathanael Wittmann.

Der zweite Schritt war, zu entscheiden, wie die Gymnasiasten ihre Energiespartipps unter die Leute bringen können. „Wir hatten verrückte Ideen von einer Internetseite oder einem YouTube-Video bis hin zu Radio und Fernsehen“, erinnert sich Felix Heckl. Letztlich seien die Seminaristen aber bei der „guten alten Broschüre“ gelandet, weil man damit alle Bevölkerungs- und Altersgruppen erreiche.

16 Hochglanzseiten mit vielen farbigen Grafiken und Schaubildern hat das Ergebnis, das die Schüler nun nach fast einem Jahr Projektarbeit der Öffentlichkeit präsentierten. „Laptop statt Desktop“, „Spülmaschine statt Handspülen“, „Duschen statt Baden“, „Stoßlüften statt Fenster kippen“ oder „LED statt Glühbirne“ sind nur einige ihrer vielen Tipps gegen den Energiehunger in den eigenen vier Wänden.

„Klassiker“ wie das Vermeiden von Standby-Funktionen sind dabei, aber auch eher selten beachtete Stromfresser wie die elektrische Zahnbürste oder der Föhn. Gruppiert nach Wohnbereichen, vergleichen größtenteils selbst erstellte Tabellen und Diagramme den Verbrauch verschiedener Elektrogeräte. Ein ganzes Kapitel widmet sich schließlich dem energiesparenden Heizen — auch ohne neue Anlage oder nachträgliche Isolierung.

Von Beginn an unterstützte das „Energiebündel“ die Projektgruppe fachlich und finanziell. An der Produktion der vorerst 8000 Broschüren beteiligten sich außerdem die Rother Grafikerin Rita Schmid sowie als Sponsoren Sparkasse und Raiffeisenbank.

Zur Präsentation begrüßte Schulleiter Dr. Rudolf Kleinöder rund 80 Besucher in der Aula des Gymnasiums. Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Landrat Herbert Eckstein zollten dem Einsatz der Schüler ebenfalls großen Respekt. Für die Betreuer sei es „die schwierigste Aufgabe gewesen, sich zurückzuhalten, denn die Dynamik in der Seminargruppe war gewaltig“, lobte Energiebündel-Vorsitzender Werner Emmer. Ihm zufolge soll das Projekt „auch Pilotcharakter für andere Schulen im Landkreis und darüber hinaus haben“.

Anregungen zum Weiterdenken gab den Schülern und ihren Gästen anschließend Dr. Markus Michl von der Universität Erlangen mit einem Fachvortrag über „Selbstbestimmtes, intelligentes Wohnen unter Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie und sozialem Bedarf“ — kurz: über das Energiesparhaus der Zukunft. Denn um die geht es für die Jugendlichen letztlich: „Sie sind die Generation, die von Anfang an gelernt hat, dass Energie endlich ist, und die den Umgang mit unseren Ressourcen ändern kann und muss“, so Seminarleiter Dieter Wolf.

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