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Montag, 19.04.2021

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Rutschpartien auf der Autobahn: Der Winter ließ es nochmal krachen

Verkehrsunfälle nach Temperatursturz und Schneeschauern. Für Sommerreifen noch viel zu früh. - 07.04.2021 16:23 Uhr

Nachösterliche Straßenverhältnisse wie im tiefsten Winter. Die Schneeschauer sorgten für glatte Straßenverhältnisse und schlechte Sicht. Auf der A 9 zwischen Allersberg und Offenbau hieß es am Dienstag nach mehreren Unfällen: Stillstand und Geduld bewahren.

07.04.2021 © Foto: vifogra


Dass auch Winterreifen eine Rutschpartie nicht verhindern, erlebte zuvor ein 31-jähriger Autofahrer auf der Kreisstraße RH 5 bei Büchenbach. In einer leichten Linkskurve geriet er aus der Spur und kollidierte zweimal mit der Schutzplanke. Der Schaden summierte sich auf über 12 000 Euro. Den Fahrer erwartet nun zudem ein Bußgeldverfahren.

Quer auf der Mittelspur

Der folgenschwerste Unfall ereignete sich in den Abendstunden an der Autobahn-Anschlussstelle Hilpoltstein Richtung München. Eine 53-Jährige aus Schwaben, deren Pkw mit Sommerreifen ausgerüstet war, musste gegen 19.30 Uhr verkehrsbedingt bremsen.

Ihr Auto geriet auf der glatten Fahrbahn ins Schleudern und blieb quer auf der mittleren Spur liegen, das Vorderteil der Karosserie ragte in den linken Fahrstreifen hinein. Von dort näherte sich der Wagen eines 36-Jährigen aus Oberbayern, der ebenfalls schon Sommerreifen aufgezogen hatte, und kollidierte mit dem querstehenden Pkw.

Nach rechts geschoben

Dieser wurde durch den Aufprall teilweise auf den rechten Fahrstreifen geschoben, wo gerade ein weiterer Pkw unterwegs war, gesteuert von einem 34-jährigen Mann aus Sachsen. Dessen Auto war zwar mit Winterreifen ausgerüstet, was den Zusammenstoß jedoch auch nicht verhinderte.

Da halfen auch die Winterreifen nichts. Der Mann aus Sachsen konnte den Zusammenprall mit dem plötzlich in die rechte Spur geschobenen Pkw nicht mehr ausweichen. Er selbst kam ins Krankenhaus, sein Skoda wurde ein Fall für den Abschleppwagen.

07.04.2021 © Foto: vifogra


Die Schwäbin und der Sachse verletzten sich und wurden in ein Klinikum eingeliefert. Alle am Unfall beteiligten Autos waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Der Gesamtschaden wird auf etwa 19 000 Euro geschätzt. Die Autobahn war in Richtung München bis 21 Uhr komplett gesperrt.

In der Zwischenzeit hatte es einige Kilometer nördlich auf dem Abschnitt zwischen dem Dreieck Feucht und der Ausfahrt Allersberg gekracht. Dort erwischte es kurz nach 20 Uhr eine 53-Jährige aus Oberbayern, die auf der Überholspur von einem plötzlich nach links ausscherenden Auto zu einem Ausweichmanöver gezwungen wurde.

Ihr Wagen rutschte auf der Schneeunterlage in die Mittelschutzplanke und schleuderte von dort quer über die Fahrbahn bis auf den Standstreifen, wo er entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen kam.

Verletzt wurde dabei niemand. Der Pkw der Frau war nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. Der Sachschaden wird auf etwa 7500 Euro geschätzt. Eine Beschreibung des zweiten beteiligten Fahrzeugs ist nicht möglich.

Zu schnell auf dem Matsch

Ein weiterer Glätteunfall ereignete sich später in Richtung Berlin kurz vor dem Parkplatz Offenbau. Ein 19-Jähriger aus Norddeutschland verlor auf dem Schneematsch auf der Überholspur die Kontrolle über seinen Pkw, der mit Sommerreifen und wohl auch zu schnell unterwegs war. Das Auto schleuderte zunächst gegen die Mittelschutzplanke und anschließend vermutlich noch gegen die rechte Schutzplanke. Alle drei Insassen kamen leicht verletzt in ein Klinikum. Der Pkw musste abgeschleppt werden. Der Sachschaden wird auf etwa 21 000 Euro geschätzt. Die Freiwillige Feuerwehr Hilpoltstein war zur Bergung und für Verkehrssicherungsmaßnahmen eingesetzt.

Solarer Berg ein Schlittenhang

Muskelprotze am Fuß des Solarer Berges. Zwei Sattelschlepper zogen die Katastrophenhelfer vom THW die Steigung hoch, für einen dritten schaufelten sie den Weg frei.

07.04.2021 © Foto: Bernhard Bergauer


Abseits der Autobahn sorgte die bis zu acht Zentimeter dicke Schneedecke für eine späte Winteridylle. "In kürzester Zeit verwandelte sich der Solarer Berg in einen lang gezogenen Schlittenhang, der von der Bergkuppe bis hinunter zur Ampelkreuzung an der Gredinger Straße reichte", heißt es in einer Pressemitteilung des THW-Ortsverbandes Hilpoltstein.

Die Freude über die weiße Pracht hatte ihre Grenzen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt brachte der Schneematsch auf der Gredinger Straße kurz nach der Ampelkreuzung am Fuße des Berges drei Sattelzüge samt Auflieger ins Rutschen. Die Hauptverkehrsader in Richtung Bundesautobahn A 9 war damit hoffnungslos blockiert.

THW schleppte und schippte

Gegen 21.25 Uhr wurde schließlich das örtliche THW alarmiert, um den tonnenschweren Sattelzügen Schlepphilfe zu leisten. Parallel sorgten Schneeräumer für schneefreie und gesalzene Fahrspuren. In kürzester Zeit wurden zwei Sattelzüge von den Katastrophenschützern an den Haken genommen und den Berg hinaufgezogen.

Nachdem weitere THW-Helfer mit Schneeschaufeln ein Teilstück der Fahrbahn selbst freigeräumt hatten, bezwang der dritte Sattelschlepper samt Auflieger aus eigener Kraft den Berg in Richtung Autobahn. Nach knapp einer Stunde war der Einsatz erfolgreich beendet.

VPI/Bernhard Bergauer

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