Sonntag, 17.11.2019

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Schön hell oder schön dunkel? Insekten mögens lieber finster

Fassadenbeleuchtung an altehrwürdigen Gebäuden wird für Tiere zur tödlichen Gefahr. - 29.10.2019 06:02 Uhr

Die nächtliche Burg Hilpoltstein hat ihre optischen Reize – keine Frage. Das Beleuchtungskonzept wurde jetzt in Zusammenarbeit mit einem Lichtdesigner optimiert. © Foto: Georgios Paissidis


Es komme natürlich auf die Helligkeit an, aber das sei der Durschnittswert. Im Zuge des Volksbegehrens "Rettet die Bienen!" soll nun die Lichtverschmutzung in Hilpoltstein eingedämmt werden. Und nicht nur dort: Im Juli hat der Bayerische Landtag dazu ein Begleitgesetz verabschiedet, in dem es heißt: "Die Fassadenbeleuchtung an öffentlichen Gebäuden wird ab 23 Uhr abgeschaltet." Durch diese Gesetzesänderung dürfen bis zur Morgendämmerung die Fassaden von Gebäuden, die der öffentlichen Hand gehören, also nicht beleuchtet werden. In Privatgärten darf aber weiterhin jeder Grundstücksbesitzer das selbst entscheiden.

Milliarden Insekten sterben

Alleine an Deutschlands Straßenlaternen sterben laut Informationen von "paten-der-nacht.de" 100 Milliarden Insekten während des Sommers. "paten-der-nacht.de" ist ein Projekt zur Eindämmung von Lichtverschmutzung. Die Insekten verenden an Erschöpfung nach einer Dauerumkreisung des Lichts, verbrennen an heißen Lampengläsern oder fallen angelockten Fressfeinden zum Opfer. Tagaktive Insekten werden durch das Licht in ihrer Nachtruhe gestört. Das führt zu Schlafstörungen und Schlafmangel. Dauerhafter Schlafmangel wiederum führt zu Erschöpfungszuständen zu Krankheiten.

Nachtaktive Insekten werden laut "paten-der-nacht.de" in ihren nächtlichen Aktivitäten gestört, zu denen etwa Bestäubung, Fortpflanzung, und Futtersuche gehören. Sie werden durch das Licht geblendet, verdrängt, abgelenkt und irritiert.

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"Wir haben die Zeitschaltuhr der Burg Abenberg schon seit einiger Zeit so programmiert, dass die Burg ab 23 Uhr nicht mehr beleuchtet wird", sagt Heidi Berger, Geschäftsleiterin der Stadt Abenberg und ergänzt: "Für den Naturschutz ist das völlig okay. Und wenn die Bevölkerung das wünscht, dann machen wir das auch so." Schade sei es lediglich bei abendlichen Veranstaltungen. Ob es dafür womöglich Sondergenehmigungen gebe, wisse sie aber nicht. "Wir machen es jetzt erst einmal so, wie es das Gesetzt verlangt", so Berger.

Auch die Hilpoltsteiner Burg ist vom neuen Gesetz betroffen. "Wir werden uns an dieses Gesetz natürlich halten", sagt Herbert Walter, der geschäftsleitende Beamte der Stadt und ergänzt: "Das Beleuchtungskonzept der Burg wird ja noch nicht durchgeführt". Dieses befindet sich aktuell noch in der Umsetzungsphase. Bereits vor einigen Jahren hat der Museums- und Heimatverein das Thema Burgbeleuchtung angestoßen und ist auf die Stadt und den Landkreis zugegangen.

Um die Lichtverschmutzung zu minimieren", sagt Christoph Raithel, der Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins. Den Zuschlag bekam seinerzeit die Hilpoltsteiner Firma "LMT Leuchten + Metall Technik GmbH", die wiederum den Lichtdesigner Georgios Paissidis beauftragt hat, das Konzept zu entwickeln. Im vergangenen August fand eine erste Begehung statt. "Bisher hatte man hier große Strahler, die die Fläche komplett großflächig angestrahlt haben", erklärt Christoph Raithel. Nun würden nur noch die Konturen hervorgehoben: das Licht werde nicht mehr weit in den Himmel gestrahlt, sondern es würden punktgenaue Akzente gesetzt.

Auch bei LED gibt es Unterschiede

Eine mehrstufige Beleuchtung, die nach und nach abgeschwächt werde: "Mit viel weniger Lichtpunkten wird jetzt mehr Effekt generiert", so Raithel. Künftig setzt man auch auf LED-Lampen. Eine Studie, die auf der Wiener Donauinsel durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass bisherige Lampen fünfmal mehr Insekten anlocken als LED.

Doch auch bei LED gibt es Unterschiede. Der LBV setzt auf Warmweiß mit einer Farbtemperatur unter 3000 Kelvin. Denn neutralweiße Leuchten mit höheren Kelvin-Werten würden mehr Insekten anziehen. Zur Umsetzung der Rechtsänderung bei den Gebäuden des Freistaats wurden die zuständigen staatlichen Bauämter angewiesen, künftig Leuchten zu verwenden, die ausschließlich die Verkehrsfläche beleuchten und dabei nur nach unten abstrahlen sollen. Außerdem sollen sie im Wellenlängenbereich unterhalb von 500 Nanometern möglichst wenig Licht abstrahlen.


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