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Donnerstag, 04.06.2020

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«Sehnsucht braucht Bilder«

Christine Harrer, die «Landkreiskünstlerin 2009«, stellt in Abenberg aus - 13.10.2009

Christine Harrer aus Heideck vor einigen ihrer Bilder, darunter der «Tanz der Wassernixen« (rechts). Zu sehen sind ihre Werke im «Haus fränkischer Geschichte« auf Burg Abenberg. © Klier


Als Landkreiskünstlerin des Jahres 2009 gestaltet Christine Harrer die Jubiläums-Kunstausstellung  des Landkreises Roth. Damit gehört sie zu einer Reihe namhafter und begabter Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten Landkreis, die in den vergangenen 30 Jahren ihr Wirken in diesem Rahmen vorgestellt haben.

Mit einer festlichen «Fanfare« von Johann Christoph Pezel begannen die vier jungen Musikerinnen Corinna Fochler und die Schwestern Katja und Sinah Streidel (Querflöten), sowie Laura Streidel (Horn), angeleitet von Monika Streidel, die feierliche Ausstellungseröffnung.




Landrat Herbert Eckstein erinnerte anhand von Zeitungsausschnitten an die Anfänge der Kunstausstellungen im Landkreis. 1980 hatte Georg Hetzelein den Anfang gemacht. In der ununterbrochenen Reihenfolge wurde seither sechs weiteren Heidecker Künstlerinnen und Künstlern diese Ehre zuteil: Lorenz Winter, Josef Marschall, Christian Jereczek, Roland Fürstenhöfer, Gabriele Breuer, Andrea Frister und nun eben Christine Harrer.

Ziel sei es immer gewesen, die Vielfalt künstlerischen Schaffens und die Weiterentwicklung zu zeigen. In den Anfangsjahren waren Heimat- und Landschaftsbilder die Hauptmotive, an Aktzeichnungen etwa war damals nicht zu denken.

Eckstein zitierte den Künstler Reinhard Bienert, bei dem Christine Harrer Kurse besucht hatte: «Sie hat sich immer wieder an neue Techniken herangewagt.« Das fasziniere auch ihn, so der Landrat, und das sei ein Markenzeichen der ausstellenden Künstlerin, deren Exponate einen umfassenden Einblick in ihr vielseitiges Schaffen geben. Von ihr stammt der Ausspruch: «Unsere Sehnsucht braucht Bilder und Worte für die Seele.« Ein großes Lob sprach Eckstein auch den anderen Heidecker Kunstschaffenden aus. Gerade in einer Zeit, wo für Fußballspieler Milllionen ausgegeben werden, man aber für Schulen das Geld zusammenbetteln müsse, seien solche künstlerischen Aktivitäten hoch anzurechnen. Der Landrat gedachte auch des im Februar verstorbenen Bildhauers Reinhard Fuchs.

Christine Harrer gab ihrer Freude und ihrem Dank Ausdruck, an diesem Ort  ausstellen zu dürfen. Von vielen Seiten sei ihr Hilfe zuteil geworden. Nicht zuletzt auch von ihrem Mann, der ihr manche häusliche Arbeit abgenommen habe, sowie von ihrer Tochter Lisa, die ein  Buch mit Gedichten aus dem facettenreichen Schaffen ihrer Mutter gestaltet hat. Passend zu den vier Jahreszeiten las Christine Harrer daraus vor. Die strahlenden Lichter des Löwenzahns, der rote Sommermohn, ihre Lieblingsfrucht Kastanie und der die winterliche Traumwelt erhellende Mond sind nur einige der zahlreichen Themen, die sie poetisch aufbereitet hat. Eines ihrer künstlerischen Merkmale greift sie darin selber auf: «Wer etwas wagt, bleibt länger jung und voller Schwung.«

Viele der rund 70 Exponate verleihen der Poesie den bildnerischen Ausdruck. Eine interessante Komposition mit Glas trägt den Titel «Stiller Abend am Fluss«. Die Dynamik spielender Kinder kommt in dem Aquarell «Die erste Mannschaft« zum Ausdruck. Das Herrenhaus von Solzow war Inspiration für Bild und Gedicht. Die Trilogie «Mutter und Kind auf dem Weg zum Kindergarten« zeigt in Monotypien die Probleme zwischen Kinderbetreuung und Arbeitsplatz auf.

Eine andere Trilogie, in Acryl erstellt, ist einfühlsam dem Thema «Ostern« aus religiöser Sicht gewidmet. Bunte Acrylfarben beschreiben ein Paar, das ein Herz, aber zwei Seelen besitzt. «Immer wieder Frühling« heißt eine interessante Acryl-Collage. «Susanna« und «Sonnenbad« sind die farbintensiven Akte in Aquarelltechnik überschrieben.

Genaue Beobachtungsgabe und eine sichere Hand waren für die Buntstiftzeichnungen erforderlich, die in einem Zug ohne abzusetzen erstellt wurden. In Nischen und auf den Kachelöfen finden sich kleine Tonplastiken, eine weitere Technik der vielseitigen Künstlerin Christine Harrer.

Die Ausstellung im Haus fränkischer Geschichte auf Burg Abenberg ist bis Sonntag, 25. Oktober, von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Samstags und sonntags besteht für Kunstinteressierte die Möglichkeit, Christine Harrer persönlich kennen zu lernen.       


(kli)


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