So will Roth kinderfreundlicher werden

16.6.2017, 16:27 Uhr
So sehen „Gute Feen“ aus: Die Initiatoren der gleichnamigen Aktion wollen in Roth für mehr Kinderfreundlichkeit sorgen und erhoffen sich dadurch Synergieeffekte.

So sehen „Gute Feen“ aus: Die Initiatoren der gleichnamigen Aktion wollen in Roth für mehr Kinderfreundlichkeit sorgen und erhoffen sich dadurch Synergieeffekte. © Foto: oh

Eine "gute Fee", die "schnelle Hilfe für Kinder" zaubert? Simsalabim — in Roth wird’s demnächst wahr! Das orangefarbene Logo an den Türen des Rother Handels weist kleinen Leuten in (kleinen) Nöten den Weg. Initiiert wird die Aktion "Gute Fee" von der Stadt, deren Jugendhaus und dem Verein "Kreismetropole Roth". Letzterer erwartet sich von dem Projekt aber noch ganz andere Effekte, wie Vorsitzender Helmut Mader und Schriftführerin Sonja Freyberger unterstreichen. Auch Simon Weiß vom städtischen Jugendhaus sieht in der Idee Potenzial. Ein Gespräch vor dem offiziellen "Kick-off" am 21. Juni.

Frau Freyberger, Sie wollen sich demnächst von der Buchhändlerin in eine "Gute Fee" verwandeln?

Sonja Freyberger: Ja, das mache ich sehr gerne! Es wär‘ mir eine echte Freude, wenn mich die Kinder in Roth als "Gute Fee" wahrnehmen würden.

Was steckt hinter diesem märchenhaften Vorhaben?

Helmut Mader: Eine völlig reale Gemeinschaftsinitiative der Stadt Roth, des städtischen Jugendhauses und des Vereins "Kreismetropole Roth" mit zunächst etwa 40 Rother Geschäftsinhabern, Praxis- und Restaurantbetreibern.

Das heißt konkret?

Mader: Jeder, der sich demnächst das Logo der Aktion "Gute Fee" ins Schaufenster oder an die Eingangstüre hängt, setzt damit ein Signal: "Hier finden Kinder in Notsituationen Hilfe!"

Freyberger: Das kann ein aufgeschürftes Knie sein, ein dringendes Bedürfnis, vielleicht will ein Kind seine Eltern anrufen oder auch einfach nur was fragen. . .

Mader: ...könnte ja alles sein, wenn der Rother Marktplatz in Zukunft wieder kräftig frequentiert wird. (lacht)

Sie glauben wirklich, dass Sie mit der Aktion für mehr Kundenfrequenz in der Stadt sorgen?

Mader: Das städtische Leben besteht aus Mosaiksteinen – und wir fangen jetzt mal mit den jüngsten Bürgern an. Wir werden aber künftig auch die anderen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen – bis sich das Bild rundet. Denn jedem Anfang wohnt nicht nur ein Charme inne, sondern auch die Chance der Weiterentwicklung.

"Bis sich das Bild rundet. . ." — was meinen Sie damit?

Mader: Ziel all unserer Aktivitäten ist es, Roth liebens- und lebenswert zu machen. Darum geht es auch im ersten großen Projekt, der "Guten Fee". Wenn man weiß, dass man mit seinen Anliegen nicht alleine gelassen wird, dann schafft das Sicherheit, Geborgenheit, ein Gefühl von Heimat. An einem solchen Ort lässt man sich gerne nieder.

Wirtschaftlich betrachtet, ist es so: Wenn ich mich in einer Stadt gut aufgehoben weiß, dann kaufe ich dort auch gerne ein. Um das auf die "Gute Fee"-Idee zu übertragen: Eltern müssen sich während des Einkaufens keine Sorgen um ihren Nachwuchs machen, weil da aufmerksame Menschen sind.

Freyberger: Pragmatisch gesehen, heißt das auch: Man kann sein Kind auf die Toilette schicken, wenn´s schnell gehen muss, und bei Bedarf ganz einfach ein Pflaster oder Taschentuch kriegen.

Haben die Rother denn Nachholbedarf in Sachen Kinderfreundlichkeit?

Simon Weiß: Ich würde nicht von Nachholbedarf sprechen. Viele Teilnehmer befolgen die "Goldenen Regeln" der Aktion sowieso schon: Ein Kind, das Hilfe sucht, hat Priorität — selbst wenn Kunden im Geschäft sind. So etwas zum Beispiel. Aber es geht auch darum, mal vor die Ladentür zu treten und sensibel zu sein für das Geschehen um einen herum. In unserer Gesellschaft ist es nicht immer selbstverständlich, hin- statt wegzuschauen.

Ein Appell für mehr Zivilcourage?

Mader: Ja, auch das. Wir wollen zwar keine Schreckensszenarien entwerfen, aber in der Tat eine gewisse Sensibilität schaffen. Wir setzen hier etwas in Gang, in den Köpfen soll sich was bewegen – nach dem Motto: Aha, die möchten Roth sympathischer machen, da sind wir dabei!

Dazu werden noch viele Ideen realisiert werden, für alle möglichen Leute. Dinge, die unsere Stadt freundlicher machen und die Menschen affiner, in ihr zu wohnen.

Roth ist also noch nicht tot?

Mader: Das wird immer kolportiert. Vielleicht ist Roth ein bisschen eingeschlafen, doch Schläfer kann man wecken...

Die Rother Einzelhändler sind aber bestimmt nicht die erste "Gute Fee" dieser Art?

Freyberger: Nein, das Projekt gibt’s schon ziemlich lange. Es wurde vor zirka 20 Jahren in Stuttgart entwickelt und hat sich seitdem in sehr vielen anderen Städten in Deutschland etabliert. In Roth ist das so gelaufen, dass wir als Kreismetropolverein an den Bürgermeister herangetreten sind und um eine Zusammenarbeit mit der Stadt gebeten haben. Ralph Edelhäußer fand den Gedanken sofort prima. Letztendlich hat er die Zusammenarbeit dem Jugendhaus der Stadt übergeben – und die Sache läuft nun gemeinsam perfekt!

Wenn ich selbst zur "Fee" werden will, was muss ich tun?

Freyberger: Zuerst einmal das orangene Logo mit dem lächelnden Kinderkopf gut sichtbar an Ihrer Laden-, Praxis-, Restaurant- oder Tankstellentür anbringen. Die städtischen Institutionen beteiligen sich natürlich auch.

Außerdem müssen Sie sich bereiterklären, die "Sieben Goldenen Regeln" der "Guten Fee" zu befolgen: Kindern im Notfall Priorität einräumen, bei den Kollegen ein Bewusstsein für die Aktion schaffen, Ihre Toilette bereitstellen, ein Telefon zur Verfügung halten, eine Notfall-Liste zur Hand haben und ein Pflasterset.

Mader: Kosten wird Sie die Teilnahme übrigens nichts.

Wann geht’s los?

Mader: Die "Kick-off"-Veranstaltung, also der Startschuss, ist am kommenden Mittwoch, den 21. Juni um 18.30 Uhr in der Buchhandlung Genniges.

Und wie sieht der Idealverlauf der Aktion für Sie aus?

Mader: Im Idealfall werden Sie offenen, mitmenschlichen Bürgern begegnen, die demonstrieren, dass Kinder einfach toll sind.

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