Spalt: Hopfenhohe Biergaranten sind eingeschwebt

10.11.2020, 10:04 Uhr
Ein seltenes Schauspiel: Per Kran werden die über sieben Meter hohen Drucktanks an ihren Bestimmungsort verfrachtet.

© Foto: Jürgen Leykamm Ein seltenes Schauspiel: Per Kran werden die über sieben Meter hohen Drucktanks an ihren Bestimmungsort verfrachtet.

"Eine richtige Drehscheibe im Bierfluss", erläutert Braumeister Uwe Schulz, während die Behälter installiert werden. Davor haben sie für Höchstspannung gesorgt. Denn per Kran galt es, die beiden in der für sie eigens erbauten Erweiterung des Drucktankkellers zu platzieren. Bei einem Abstand mit wenigen Fingerbreiten zu den Wänden, die im Falle des Altbaus auch nicht so ganz lotgerecht sind. "Das war echte Millimeterarbeit", so Schulz.

Und das auf einer Höhe, die der ausgewachsenen Hopfenpflanze entspricht. Platz ist überhaupt die Währung, mit der im gesamten Keller bezahlt wird: "Da fühlt man sich wie in einem U-Boot", scherzt der Braumeister. Allein das Anbringen des Probenhahns kann so Kopfzerbrechen bereiten.


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Dass hier eine dezidierte Planung im Vorfeld nötig ist, versteht sich von selbst. Ihrer angenommen hat sich Architekt Helmut Lederer aus Geiselhöring: "Kein Tank ist hier gleich – jeder ist eine Maßanfertigung!" Das muss auch sein – auch in der Höhe: "Wir wollen keinen Hektoliter verschwenden!" sagt Schulz.

Das passgenaue Platzieren eines über sieben Meter hohen Behälters per Kran zwischen Wände, die nur minimal breiter sind, sorgte bei der Anlieferung für Hochspannung.

Das passgenaue Platzieren eines über sieben Meter hohen Behälters per Kran zwischen Wände, die nur minimal breiter sind, sorgte bei der Anlieferung für Hochspannung. © Foto: Jürgen Leykamm

Gefertigt wurden die beiden neuen Edelstahlbehälter bei der Firma Gresser in Regensburg. Insgesamt verfügt die Brauerei nun über acht solcher Tanks. Mit erstaunlicher Bandbreite: Vom kleinsten mit 40 Hektoliter bis zum größten, der stolze 500 fasst und über mehrere Stockwerke reicht. Er ist für den Klassiker Vollbier reserviert.

Die beiden neuen fassen jeweils 178,5 Hektoliter. In ihnen wird vor allem das Mutterbier für die alkoholfreien Biersorten zwischengepuffert. Zur Premiere aber fließt erst einmal das Winterbier in die beiden Behälter. Das Gesamtfassungsvermögen hat sich nun um ein Viertel vergrößert.

"Somit ist die Produktion des Vollsortiments gesichert und die Nachfragespitzen sind im wahrsten Sinn des Wortes abgepuffert", wie Bürgermeister Udo Weingart als Geschäftsführer betont. Hohe Qualität und Lieferfähigkeit seien durch diese Optimierung der Betriebsabläufe gleichermaßen gewährleistet. Und das, ohne den Gesamtraum zu verknappen, was eine Herausforderung darstellte.

Denn die Fahrspur für Stapler- oder Lkw-Fahrer schließt direkt an den Drucktankkeller an. Raumsparen war hier also das Gebot der Stunde: "Da ging es um jeden Zentimeter", so Weingart. Nun aber ist alles bestens in den Altbau integriert, wozu viele regionale Firmen beitrugen: Das heimische Bauunternehmen Engelhard bezüglich der Baumeisterarbeiten, Metallbau Wegerer aus Stirn trug mit der Sandwich-Dämmung sein Scherflein genauso bei wie Fliesen Wolf aus Pleinfeld.

Die ersten Planungen reichen ins Jahr 2019 weit vor Corona zurück. Richtig los ging es heuer. Zwischen August und November war "die heiße Phase". Dank Lederer hätten dabei alle beteiligten Firmen optimal zusammengearbeitet, so das Lob des Geschäftsführers. Auch das Bullauge wurde nicht vergessen – bei Brauereiführungen besonders reizvoll.

Abfüllung staufrei

Insgesamt schlägt die Maßnahme mit rund einer Viertel Million Euro zu Buche. Wie nötig sie war, verdeutlicht Schulz: "Bei uns werden bis zu 130 Hektoliter Bier stündlich filtriert". Da könne in Richtung Abfüllung schon mal Staugefahr bestehen, der nun die neuen Tanks begegnen. Abgefüllt selbst wird an drei Stationen: in Containern, Fässern und Flaschen. Einen Flaschenhals zwischen den beiden elementaren Produktionsschritten hat man nun gar nicht erst entstehen lassen.

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