Spalter Firma schnell mal Testlieferant geworden

16.1.2021, 17:00 Uhr
Simone Lades und Thomas Gögl präsentieren einen Querschnitt der Produkte, mit denen „eine Delle im Vertrieb“ ausgeglichen wird.

Simone Lades und Thomas Gögl präsentieren einen Querschnitt der Produkte, mit denen „eine Delle im Vertrieb“ ausgeglichen wird. © Foto: Yevheniia Frömter

Eigentlich stellt das weltweit agierende Familienunternehmen mit rund 250 Angestellten allein am Standort Spalt Komponenten für den Maschinenbau her. Mit medizinischen Produkten habe man bis zum Ausbruch der Pandemie "nichts am Hut" gehabt.

Aber relativ schnell wurde der Firmenleitung im vergangenen Frühjahr bewusst, dass Umsatzeinbrüche auch vor der eigenen Branche nicht Halt machen würden: "Wir mussten eine große Delle im Verkauf verzeichnen."

Auf staatliche Hilfen und Zuschüsse wollte sich die Geschäftsführung nicht verlassen. Deshalb tüftelten die Verantwortlichen an einem "Plan B" – und dieser kam direkt von einem Tochterunternehmen in China: "Von dort wurden wir beispielsweise mit Schnelltests und Masken beliefert." Damit ist die Spalter Firma in der Lage, monatlich bis zu 500 000 Schnelltests ausliefern zu können. "Inklusive der kompletten Logistik, versteht sich", erklärt Vertriebs-Projektmanager Thomas Gögl.

Auch eine entsprechende Internetpräsenz sei "auf die Schnelle" aus dem Nichts geschaffen worden, erinnert sich Vertriebsleiterin Simone Lades: "Wir erhalten Bestellungen von Kosmetikern, Friseuren, Altenheimen und Ärzten." Selbst die UFA-Filmstudios in Berlin griffen auf das Angebot der Firma Fath zurück: "Kundschaft, mit der wir sonst nie etwas zu tun gehabt hätten", merkt Gögl an.

Darüber hinaus habe die Fath GmbH ein unerwartet großes Netzwerk aufgebaut – und das überregional. Eine Zusammenarbeit mit dem "Medical Valley Erlangen" bis hin zum Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sei zum "Daily Business" geworden. "Immer wieder kamen neue Kontakte hinzu." Dies sei auch gut so: "Man hilft sich untereinander. Die Lieferketten sind keinesfalls stabil", berichtet Gögl aus dem Geschäftsalltag.

Selbst über Weihnachten und Neujahr sei ein "Notfallversand" sichergestellt gewesen: "Wir waren die ganze Zeit über da." Gut vier Millionen Gesichtsmasken seien von Spalt aus bereits auf die Reise gegangen. Darüber hinaus über 150 000 Schnelltests seit November.

Allerdings sei man mit einer "unglaublich dynamischen Situation" konfrontiert, es könne nichts geplant werden: "Es ist nichts in Stein gemeißelt, und wir reagieren oftmals auf Zuruf." Selbst Anfragen über drei Millionen Liter Desinfektionsmittel würden eingehen: "Wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und setzen alle Hebel in Bewegung", so Gögl.

Die Belegschaft sei besonders froh darüber, sich auf eine "flexible und innovative Geschäftsführung" verlassen zu können: "Es ist eine Herausforderung."

Seit sich die Fath GmbH an ein völlig branchenfremdes Projekt wagte, habe man auch viel gelernt: "Jetzt weiß ich, dass vier Millionen Masken in ein Flugzeug passen", sagt Gögl begeistert.

Auch Schutzanzüge und spezielle Handschuhe werden in den Hochregalen bei Fath bevorratet. Im nächsten Schritt sollen die Lagerhallen mit sogenannten "Spucktests" befüllt werden. Gögl: "Ein heißes Thema."

"Durch die Versorgung der Unternehmen mit Schnelltests leisten wir unseren aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen Existenz der Betriebe der Region und darüber hinaus. Wir halten die Betriebe am Laufen."

Aus diesen Erfahrungen heraus wolle sich die Firma Fath nach einem Ende der Corona-Pandemie keineswegs vom medizinischen Bereich verabschieden: "Solche Produkte werden auch zukünftig benötigt. Unser technisches Knowhow lässt sich gut damit kombinieren."

Das soziale Engagement gegenüber Vereinen, Einrichtungen, Institutionen und den eigenen Angestellten soll natürlich ebenfalls fortgeführt werden.

 

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