Grünes Gold

Spalter Hopfen 2021: "Einfach eine Pracht“

29.8.2021, 14:33 Uhr
Gerhard Augsdörfer mit Tochter Valentina nach einer der ersten Erntefahrten – beide freuen sich über die guten Ergebnisse. 
 

Gerhard Augsdörfer mit Tochter Valentina nach einer der ersten Erntefahrten – beide freuen sich über die guten Ergebnisse.    © Jürgen Leykamm, NN

"Das ist doch einfach eine Pracht." Werner Wolf will seine Freude gar nicht verhehlen, als er Hopfenbauer Gerhard Augsdörfer mit vollgeladenem Erntenwagen in seinen Hof in Rittersbach einfahren sieht. Zu schön entwickelten sich heuer die Reben in den Gärten. "Ein schönes Abschiedsgeschenk", betont der angehende Ruheständler und langjährige Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beim Hopfenerntegespräch.

Die Bundesschätzkommission, die wenige Tage zuvor das grüne und heuer auch recht glänzende Gold im Spalter Anbaugebiet geprüft hatte, kommt zu dem selben Schluss: "Die Hopfenbestände sind gesund und präsentieren sich hervorragend!" Damit gibt es für das Gebiet heuer die Bestnote.

Eine äußere Qualität, die nicht besser sein kann und "innere Werte", die sich zwar noch endgültig beweisen müssen, aber nur das Allerbeste verheißen – was will da der Pflanzer mehr? Zumal auch noch die Erträge stimmen. Mit 730 Tonnen Erntegut wird gerechnet, was eine zweiprozentige Steigerung gegenüber dem vergangenen Jahr verspricht, das auch schon ein gutes war.

Und das schönste für die derzeit 46 Erzeuger, die eine Anbaufläche von insgesamt 400 Hektar bewirtschaften: Auch die Preise stimmen – und das schon seit 2015! Es gäbe dank der erhofften hohen Erntemengen bestenfalls einen "überschaubaren Preisdruck", schätzt Frank Braun die Lage ein, seines Zeichens geschäftsführender Vorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG) Spalt.

Hier seien freilich sortenspezifische Unterschiede zu verzeichnen. Generell aber gelte: "Wir haben einen aufnahmefähigen Markt – und den wollen wir auch gut bedienen!" So sagt es Friedrich Kolb, Chef des Spalter Hopfenpflanzerverbandes.

Ernte hat gerade begonnen

Die Hopenernte im Spalter Hügelland beginnt.

Die Hopenernte im Spalter Hügelland beginnt. © Jürgen Leykamm, NN

Doch dieser Markt muss sich noch etwas gedulden. Denn wegen der heuer bislang dominierenden kühlen und nassen Witterung sind die frühen Sorten erst jetzt so richtig reif und die Erntearbeiten beginnen gerade. Als erstes kommt der Spalt-Spalter nach Hause – das Aushängeschild des Anbaugebiets. So auch bei den Augsdörfers, bei denen alle mit anpacken. Nicht nur das Betriebsleiterehepaar Gerhard und Barbara, sondern auch seine Mutter Ursula und die Eltern seiner Ehegattin, Hans und Elisabeth Feuerstein. 2004, als die jetzigen Chefs das Ruder übernahmen, bewirtschafteten sie 2,5 Hektar Hopfen – derzeit sind es 6,5 und nächstes Jahr noch einmal zwei mehr.

Neben dem Spalt-Spalter stehen hier der Spalter Select, die Hallertauer Tradition und die Perle als Sorten in den Gärten. Auch den vier Kindern Lukas (zehn Jahre), Hannes (sieben), Valentina (drei) und David (bald zwei) hat es der Hopfen schon angetan. Gerade dieser familiärer, generationenübergreifender Ansatz "zeichnet unser Anbaugebiet aus", heißt es beim Pressegespräch aus einem Munde.

Die Pflanzer nähmen zwar zahlenmäßig ab, doch die verbliebenen "pflegen eine umso bessere Zusammenarbeit", betont Gerhard Augsdörfer. Hinzu kommt eine seit Jahren andauernde Aufbruchsstimmung. Sie äußert sich darin, dass es "keinen Investitionsstau mehr gibt", wie Wolf unterstreicht. Das erwirtschaftete Geld wird auf den Betrieben investiert. So auch bei der Rittersbacher Familie. 350.000 Euro flossen in eine neue Trocknungsanlage und zwei Brunnen für die Bewässerung. Viele machen es wie sie und sorgen dafür, dass die "Spalter Pflanzergemeinschaft als starker Marktpartner wahrgenommen wird", so Kolb.

Krise gut weggesteckt

2012 durchschritt man die Talsohle, damals war man vorübergehend bei 350 Hektar gelandet. Auch die Corona-Krise haben die Pflanzer recht gut weggesteckt. Zumal es heuer keine Schwierigkeiten bei der Einreise der Saisonarbeitskräfte gab. Und auch der Preispoker spielt heuer dank der guten Marktlage keine Rolle. Bräuchte er eigentlich in weniger guten Jahren gleichfalls nicht, wie Braun erläutert. Denn freilich werde das Bier dann teuer, wenn auch der Hopfen sich verteure. Dabei seien die Rohstoffkosten für die Dolden bei zwei Gramm für einen Liter doch recht überschaubar.

Die Preissteigerung mit Hopfenkosten zu begründen, sei oft "ein vorgeschobenes Argument", so Wolf. Im Gegenzug ändere sich hingegen schlicht nichts am Bierpreis, wenn der Doldenpreis sinke, betont Braun. Die genannte Ernteschätzung sei ein sehr gutes Instrument, um alle Marktbeteiligte "wissen zu lassen, wo sie dran sind und Panik sowie Überreaktionen zu vermeiden."

20-Millionen-Projekt

Auch langfristig wissen die Pflanzer sehr wohl, woran sie sind. Sie freuen sich zwar, dass die Niederschläge heuer deutlich über den zehnjährigen Durchschnitt ausfielen und nur acht Tage über 30 Grad, die dem Hopfen richtig weh tun, hingenommen werden mussten. Doch werde der Klimawandel in langer Sicht ganz anderes bereithalten. Hier ist ein riesiger Schritt getan: Der Bewässerungsverband "Unteres Rezattal" wurde ins Leben gerufen. Derzeit läuft die Detailplanung des bis zu 20 Millionen Euro verschlingenden Projekts mit einer Förderquote von 50 Prozent.

Hopfenzupfen in Spalt Franz Eitel fand das Hopfengedicht bei Umräumarbeiten bei  seinem Neffen. Foto: Jürgen Leykamm 27. 8. 2021

Hopfenzupfen in Spalt Franz Eitel fand das Hopfengedicht bei Umräumarbeiten bei seinem Neffen. Foto: Jürgen Leykamm 27. 8. 2021 © Jürgen Leykamm, NN

Dies zur Zukunft, es lohnt aber auch der Blick in die Vergangenheit. So staunte Spalter Franz Eitel nicht schlecht, als er seinem Neffen in Stockheim bei Umräumarbeiten half: Den beiden Herren fielen zwei handbeschriebene DIN-A4-Blätter auf.

Es handelte sich um ein Gedicht, das einst eine gewisse Maria Beck aus dem Raum Allersberg schrieb. Sie war 1953 ein Teil der etwa 20-köpfigen Helferschar, die bei der Familie Eitel das Hopfenzupfen übernahm. Die Eitels hatten damals einen Hopfengarten und waren bei der Ernte auf helfende Hände angewiesen – vom maschinellen Pflücken ließ sich damals nur träumen.

Dank an die Köchin

Franz` Mutter Anna verstand sich darauf, die fleißigen Zupfer nach getaner Arbeit jeweils bestens zu bekochen. Unter anderem der Dank hierfür spiegelt sich in den Versen zum Abschied wieder, die jeweils mit "liebe Hopfenleut’, adieu" enden.

Hier ein kleiner Auszug: "Wie schön war stets der Tisch gedeckt, die Speisen waren gar so leck’. Wir hoffen, dass Ihr mit uns zufrieden wart, ist jeder halt nach seiner Art. Recht machen wollten wir’s alle miteinand’, wenn’s auch nicht immer ging Hand in Hand. Wir denken oft an Euch zurück, denn wir waren ja hier Hans im Glück! Manchmal war’s auch eine rechte Qual, wenn wir aufsteh’n mussten gar so bald.

Doch dann ging es mit Ruck und Zuck, nur manchmal haben wir dumm geguckt. Aber schön war es doch im Hopfenland, vorgekommen ist da allerhand. Wir wünschen Euch recht viel Glück – bitte denkt auch an uns zurück! Und wenn ich einmal wiederkommen soll, dann mach ich halt meinen Hunderter voll. Dann leer ich halt in den Sack schneller hinein, damit ich nicht stets komm hintendrein."

Das Gedicht machte wohl auch bei Anna Eitel einst einen großen Eindruck. Denn sie hatte es griffbereit gut verwahrt – ihr heute 80-jähriger Sohn Franz hatte es nämlich im Nachtkästchen ihres ehemaligen Schlafzimmers entdeckt.