Tarzan, Propaganda und Arnie: Die Geschichte der Fitness

9.4.2020, 15:11 Uhr
Zwischen 1970 und 1980 wurde Arnold Schwarzenegger zum weltweiten Aushängeschild für modernes Bodybuilding - das Bild zeigt ihn bei Dreharbeiten zum Film

Zwischen 1970 und 1980 wurde Arnold Schwarzenegger zum weltweiten Aushängeschild für modernes Bodybuilding - das Bild zeigt ihn bei Dreharbeiten zum Film "Stay Hungry". © dpa

Dass reihenweise Menschen ihre Muskeln mit Hanteln in einem Fitnessstudio stählen und den Hollywood-Schauspielern damit nacheifern, wurde erst viel später Realität. Noch lange bevor Johnny Weissmüller mit seinem typischen Schrei durch den Dschungel schwang, tüftelte ein Mann namens Gustav Zander Ende der 1865 an Gerätschaften herum, mit denen man isoliert einzelne Muskelgruppen trainieren konnte.

Fresswelle ersetzt Fitness

Die riesigen, klobigen Geräte erinnern stark an Folterinstrumente aus dem Mittelalter, auch trainierten die Menschen wie selbstverständlich in ihrer schicken Alltagskleidung. Diese Art des Trainings war nicht massentauglich, zumal ohnehin viele Menschen zu dieser Zeit schwer körperlich arbeiteten und sich schlichtweg nicht noch zusätzlich bewegen mussten. Außerdem war sportliche Ertüchtigung eher Teil der militärischen Ausbildung, dort war viel Kraft und Ausdauer gefragt.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die körperliche Fitness von den Nationalsozialisten pervertiert und für Propagandazwecke missbraucht. Auch fielen dem Regime fast das komplette öffentliche Sport- und Vereinswesen zum Opfer. In der Nachkriegszeit verschwand der Gedanke an die Steigerung der eigenen körperlichen Fitness von der Bildfläche. Die Menschen genossen den wirtschaftlichen Aufschwung in den 1950ern und 1960ern in vollen Zügen – und mit vollen Mündern. Das Stichwort: Fresswelle. Ein wohlgenährter Körper stand in dieser Zeit für Wohlstand und Erfolg.

Erst in den 1970er Jahren wurden die Themen Sport und Ernährung gesellschaftlich wieder wichtiger. Daran hatte die Bundesrepublik ihren Anteil: Mit einem dauerlächelnden Maskottchen startete der Deutsche Sportbund (DSB) zur Olympiade 1972 eine Initiative namens "Trimm Dich durch Sport". Waldläufe und Fitnessübungen im Freien waren nun angesagt. Menschen fuhren Fahrrad, um des Fahrradfahren Willens und nicht nur um von A nach B zu kommen.

Arnie, die Legende

Über diesen von oben verordneten Fitness-Plan konnte ein gewisser Arnold Schwarzenegger wohl nur müde lächeln. Zwischen 1970 und 1980 wurde der Österreicher bereits sieben Mal zum "Mr. Olympia" gekürt und zum weltweiten Aushängeschild für modernes Bodybuilding erklärt. Eine Legende mit minimalen Körperfett, die angeblich sogar mal in ein Fitnessstudio eingebrochen ist, um trainieren zu können.

Zur etwa gleichen Zeit flimmerte der knallharte Sylvester Stallone als Rocky Balboa über die Kinoleinwände – mit rotem Stirnband und sichtbaren Sehnen an den Armen. Die Menschen hatten ihre neuen sportlichen Vorbilder gefunden. Seitdem waren die Vereinigten Staaten in Sachen Fitness das Maß aller Dinge. Aerobic, Breakdance, Joggen und Rollerblades: Alles, was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Trend war, schwappte mit der nächsten Welle über den Atlantik hinüber nach Europa. Fitnessstudio sprießten aus dem Boden – und sie scheinen gekommen, um zu bleiben.

Mittlerweile unterbieten sich Fitnessketten mit ihren monatlichen Mitgliedsbeiträgen, Kursen und außergewöhnlichen Geräten. Seit dem Jahr 2003 hat sich die Anzahl an Mitgliedern mehr als verdoppelt. In deutschen Fitnessstudios waren im vergangene Jahr 11,66 Millionen Menschen angemeldet. Ein Ende dieses Trends ist nicht erkennbar.


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Die Statistik fängt allerdings nicht auf, wie viele Menschen dort auch tatsächlich regelmäßig trainieren. Wer aber schon mal in einem Studio war, der kennt sie wahrscheinlich, die Poster von Schwarzenegger und "Rocky", die ihre gestählten Muskeln von den kahlen Wänden spielen lassen: Die Fitnessbranche hat nicht vergessen, wo ihre Wurzeln liegen.

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