Theresa Wild: Tri-Erfolg voraus

2.1.2018, 17:45 Uhr
2017 war Theresa Wilds Jahr. Hier jubelt sie über den Sieg beim HiRo-Run, dem „Frühjahrsklassiker über die Halbmarathon-Distanz. Die Triathletin kann aber noch viel internationalere Erfolge verbuchen, unter anderem als Challenge-Vizeweltmeisterin in ihrer Altersklasse.

2017 war Theresa Wilds Jahr. Hier jubelt sie über den Sieg beim HiRo-Run, dem „Frühjahrsklassiker über die Halbmarathon-Distanz. Die Triathletin kann aber noch viel internationalere Erfolge verbuchen, unter anderem als Challenge-Vizeweltmeisterin in ihrer Altersklasse. © Salvatore Giurdanella

Theresa Wild ist als Sportlerin des Jahres nominiert, dabei kommt die Spitzentriathletin gar nicht aus dem Landkreis Roth. Sie tritt aber für La Carrera an und was sie hier im Landkreis und anderswo an Erfolgen errungen hat, das kann sich sehen lassen. Beim Challenge Roth kam sie auf Platz 14 und seit der Challenge-Triathlon-Weltmeisterschaft darf sie sich in ihrer Altersklasse Vize-Weltmeisterin nennen. Dabei kam sie zum Triathlon eher durch Zufall. Doch von vorn.

Sportlich war Theresa Wild schon immer, als Jugendliche hatte sie aber eher eine Fußballerinnen-Karriere im Sinn. So schaffte sie es sogar in die Junioren-Nationalmannschaft. Zwei Kreuzbandrisse mit 17 und 19 Jahren bremsten die heute 25-Jährige damals aber derb aus. Fußball ging nicht mehr, denn bis sie nach den Verletzungen wieder richtig fit gewesen wäre, wäre sie zu alt gewesen, um noch erfolgreich als Fußballerin durchstarten zu können. Also musste sie ihren Traum begraben.

Familie macht mit

Eine neue Sportart aber also her. Zunächst dachte sie an Schwimmen und trainierte im Hallenbad in Weißenburg. Dort kam sie auch in Kontakt mit den Triathleten des Hilpoltsteiner-Triathlon-Vereins "La Carrera-TriTeam Rothsee". Bis zum Triathlon war es da nicht mehr weit, von ihrem Wohnort in den Landkreis Roth aber schon. Sie stammt aus Wittesheim bei Monheim im Landkreis Donau-Ries, südlich von Treuchtlingen. Dort wohnt sie nach wie vor, ihre Eltern haben dort eine Landwirtschaft. Da aber auch Mutter und Vater schnell den Triathlon lieben lernten und 2011 selbst mit eingestiegen sind, ist es nur gut, dass Theresa Wild auch zwei Brüder hat, die sich nicht groß für den Sport interessieren und sich um den Hof kümmern.

Sie selbst arbeitet als Industriekauffrau im Brotberuf, steckt aber ihr Herzblut in den Sport. Der Triathlon hat sie sofort gepackt. "Mir gefällt die Abwechslung, das motiviert", sagt sie. Bei jeder Disziplin liege die Belastung auf einem anderen Körperteil. Und beim Laufen müsse schließlich alles zusammenspielen. Wenn man das mit einem guten Rumpf und der nötigen Stabilität angehe, dann "kann man nochmal was rausholen". Und hat Erfolg, wie Theresa, die ihre Erfolge als "sehr zufriedenstellend und motivierend" beschreibt.

Gerade 2017 hat sie es ordentlich krachen lassen. Bei der Challenge-Weltmeisterschaft über die Mitteldistanz schaffte sie es in ihrer Alters-klasse auf den zweiten Platz und ist somit Vize-Weltmeisterin, im Gesamt-Klassement landete sie auf Platz 18, was neben Größen wie Anja Beranek oder Heather Wurtele aufhorchen lässt. Nach Beranek wurde sie auch die zweitbeste Deutsche. Hier ist definitiv ein Nachwuchstalent am Werk. Die Bedingungen im slowakischen Samorin, wo die Challenge-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, waren für sie nahezu perfekt. "Es war sauheiß und die Radstrecke war flach."

Während anderen Athleten die Hitze beim Rennen zu schaffen machte, war sie für Theresa Wild kein Problem. "Das ist mir lieber, als wenn es zu kalt ist", sagt sie. Da hat ihr auch das Wetter beim Challenge in Roth nicht das Rennen vermiest. Bei den Frauen schaffte sie es dort in der Gesamtwertung mit einer Zeit von 10:13 Stunden auf Platz 14. Der Challenge 2017 war die erste Langdistanz, auf die sie sich speziell vorbereitet hatte. 2015 hatte sie sich kurzfristig doch noch für Hawaii qualifizieren können und machte das Rennen natürlich, aber "da hat der Körper die lange Distanz noch nicht so drin gehabt", erklärt sie. Denn Triathlon heißt für sie sonst eher die mittlere Distanz mit 1,9 Kilometern Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer laufen. Durch die spezifische Vorbereitung auf den Challenge war ihre Zeit diesmal auch bedeutend besser. Auf den letzten zehn Kilometern der Laufstrecke bekam sie allerdings Magenprobleme und war froh, "dass keine Zuschauer an der Strecke waren", denn so konnte sie einen kurzen Abstecher in den Wald machen. "Langdistanzen sind eben kein Zuckerschlecken", sagt Wild.

Laufen ist ihr Element

Dabei liegt ihr gerade das Laufen. Während andere Triathleten das Laufen zum Schluss nur als lästige Pflicht vor dem Zieleinlauf betrachten, ist es für Theresa Wild die liebste Distanz und ihre Stärke, wo sie noch viele überholen kann und "nochmal was reißen".

Doch Roth und die Challenge-Weltmeisterschaft waren nur zwei von fast 30 Rennen, die sie in diesem Jahr absolviert hat. Auch an der 70.3 Ironman-Weltmeisterschaft in Südafrika hat sie teilgenommen und im Oktober ist sie in Lissabon ihren ersten Marathon (außerhalb eines Triathlons) gelaufen und mit 3:09 Stunden ins Ziel gekommen. Auch beim Seenland-Halbmarathon war sie dabei, den HiRo-Run in Hilpoltstein hat sie souverän gewonnen.

Zufrieden mit Niveau

Zu Beginn der Saison hat sie eine Handgelenk-Prellung, die sie sich im Trainingslager zugezogen hatte und die zu einer Nervenreizung führte, bei der Vorbereitung und besonders beim Schwimmtraining, behindert. Die Saison, auf die sie zurückblickt, kann sich aber sehen lassen.

Trotz all dieser sportlichen Erfolge sieht sie ihren Erfolg gelassen. "Ich bin mit meinem Niveau sehr zufrieden." Komplett auf den Triathlon auch als Brotjob zu setzen, kommt für sie nicht infrage. "Da müsste ich kompletten Verzicht üben, und ich finde es schon schön, wenn man nach dem Rennen mit einem Aperol Spritz in entspannter Runde anstoßen kann."

Trotzdem hat sie sich natürlich für die neue Saison auch neue Ziele gesteckt. Sie will vier Mitteldistanz-Rennen absolvieren, darunter auch die Deutsche Meisterschaft in Ingolstadt. Als Abschluss vielleicht noch einen Marathon. Eine Langdistanz soll 2018 ausdrücklich nicht dabei sein. "Ich will an Geschwindigkeit zulegen und andere Trainingsreize setzen, flotter trainieren", sagt sie. Dafür will sie dann 2019 wieder in den Langdistanz-Ring steigen. Ob dann in der Heimat in Roth? Mal sehen.

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