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Thomas Sonnauer: Zwischen Kanzlei und Klarinette

Für die Röttenbacher SPD tritt Thomas Sonnauer als Bürgermeisterkandidat an. - 14.02.2020 09:07 Uhr

Thomas Sonnauer fordert den amtierenden Bürgermeister Thomas Schneider und den 31-jährigen Christian Riedl heraus. © Foto: Carola Scherbel


Thomas Sonnauer hat also eigentlich genug zu tun. Trotzdem wirft er jetzt seine mindestens Einmeterneunzig in den Ring der Röttenbacher Wahl-Arena: Für die SPD will der gebürtige Nürnberger, aber seit mehr als 20 Jahren in Mühlstetten ansässige Jurist, Bürgermeister werden. Warum?

"Die Gemeinde voranbringen", das wollte Sonnauer schon seit seinem Einzug im Ort. 1997, die Tochter war gerade zwei Jahre alt, die Familie hatte das erste Bio-Holzhaus der Gemeinde gebaut und bezogen, engagierte Sonnauer sich bei den Freien Wählern. Doch der enge Draht zum Bürgermeister sei mit der Zeit deutlich loser geworden, der Rathauschef habe "verlernt zuzuhören und die Menschen mitzunehmen".

Als Jurist sei er nicht nur frustriert, sondern auch verärgert gewesen über Projekte, die der Gemeinde über den Kopf zu wachsen drohen. Denn Bebauungsplanungen über ausgelagerte GmbHs zu schultern, das bedeutet neue Rechtsformen, steuerrechtliche Konsequenzen – "dafür braucht man externen Sachverstand", kritisiert Sonnauer.

Er entschied für sich, mit anderen zusammenzuarbeiten. Die SPD lag ihm auch inhaltlich nah – "ich wollte, dass die Große Koalition beendet wird". Außerdem sei der FW-Landesvorsitzende Aiwanger jetzt für das Bergamt Nordbayern zuständig "und damit für den Sandabbau vor unserer Haustür", ärgert er sich.

Vor gut zwei Jahren vollzog Sonnauer den Schwenk und trat bei den Sozialdemokraten ein. Von dort zur Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Röttenbach war der Schritt nicht mehr groß. Zumal er sowieso der Meinung ist, "dass man sich alle fünf Jahre neu erfinden soll". Er selbst habe immer wieder Neues gewagt, sei von der Angestelltenposition in die Selbstständigkeit gewechselt, arbeite als Anwalt, Steuer-, Krisen- und Projektberater.

Aber auch Beständigkeit sei ihm eigen: Seit den frühen 80er Jahren engagiert er sich beim Roten Kreuz, seit fast 20 Jahren ist er Schatzmeister beim BRK-Kreisverband Nürnberg – "der dienstälteste", wie er stolz betont.

Sein Wechsel zur SPD war sogar innerfamiliär ein Thema: Sonnauers Frau Michaela Padua, die bei der Gemeinde beschäftigt ist, will nämlich weiterhin die Freien Wähler unterstützen, sie kandidiert auch auf deren Liste für den Gemeinderat. Natürlich hänge der Haussegen deshalb in keiner Weise schief, lacht Sonnauer, aber die Gespräche am Frühstückstisch drehen sich schon hie und da um die Kommunalpolitik.

Seine Forderung an das Bürgermeister-Amt ist jetzt vor allem: Die großen Projekte wie etwa "Wohnen für alle" müssten auf den Prüfstand und eventuell überarbeitet werden. Und: "Der Bürgermeister muss sehr flexibel sein." Denn er müsse mit jeder Gruppierung zusammenarbeiten und neue Aspekte oder Erkenntnisse zulassen.

Außerdem fordert Sonnauer Erleichterungen für Vereine, damit denen administrative Arbeit abgenommen werde. Er kann selbst ein Lied davon singen: Als Vorsitzender des Musikvereins Röttenbach haftet er nicht nur privat, sondern muss jährlich 15 000 Euro an Spenden und Eintritten einspielen, um die wichtige Jugendarbeit zu finanzieren. Seine Idee: Die Gemeinde könnte zum Beispiel eine Musikschule gründen.

Generell findet er übrigens: "Vier Amtsperioden als Bürgermeister sind genug." Was für ihn selbst auf jeden Fall gelten würde: Mit 51 Jahren sind vier Perioden nicht zu schaffen. Für ihn gelte dagegen, dass er sich unabhängig vom Wahlausgang weiter für die Gemeinde engagieren und Änderungen erreichen will: "Sollte ich nicht Bürgermeister werden, nehme ich auf jeden Fall das Mandat als Gemeinderat wahr."

Thomas Sonnauer, 51 Jahre alt, ist Jurist und arbeitet als Anwalt und Finanzberater. Der gebürtige Nürnberger lebt seit 1996 in Mühlstetten, zunächst engagierte er sich bei den Freien Wählern, 2018 wechselte er zur SPD. Sonnauer ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

car VON CAROLA SCHERBEL

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