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Tipps für den Sommer-Ausflug: Wandern auf historischen Grenzen

Beim Wanderweg "Land um Stauf" im Landkreis Roth gibt das 16. Jahrhundert den Weg vor - 04.08.2020 14:57 Uhr

Der Landkreis Roth, teils im Fränkischen Seenland, teils im Naturpark Altmühltal gelegen, überrascht mit unbekannten, vielfältigen Ecken. Diesmal geht es ins Staufer Land.

© Foto: Landratsamt Roth


Wanderschuhe an und los ins "Staufer Land", heißt es dieses Mal. Es geht ins Gebiet der Marktgemeinde Thalmässing. Der Grenzwanderweg "Land um Stauf" hat insgesamt eine Länge von etwa 25 Kilometern. Durch eine Verbindung zwischen Eysölden und Stauf ist er in zwei etwa gleich lange Rundwege unterteilt.

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Die Wanderung kann an jedem beliebigen Ort begonnen und beendet werden. Ein zentraler Ausgangspunkt für den Grenzwanderweg ist der Parkplatz am Ortsausgang Stauf Richtung Schwimbach. Für die Anreise mit Bus & Bahn empfiehlt sich über den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) die Haltestellte Zell. Mit der Regionalbahn bis Hilpoltstein, ab Hilpoltstein mit der Buslinie 611, Montag bis Freitag, oder der Freizeitlinie Gredl-Express 636 an den Wochenenden und feiertags bis zur Haltestelle Zell (bei Hilpoltstein).

Auf der Wasserscheide

Das Gebiet bei Thalmässing wird als "Land um Stauf" bezeichnet, beherrscht doch die Burg Stauf (im Privatbesitz) in erhabener geografischer Position die Landschaft. Eine Randbemerkung: Das Dach der Burg liegt genau auf der Wasserscheide zwischen Donau und Rhein.

Die Burg war ehemals Stammsitz der Herren von Stauff, die urkundlich das erste Mal 1138 erwähnt werden und das Land um Stauf als Lehen erhalten hatten. Um 1309 wurde die Burg zerstört. 1328 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer die Burg an den Burggrafen von Nürnberg, mit der Erlaubnis, sie wieder aufzubauen. Das Land um Stauf blieb dann bis 1806 unter der Herrschaft der Hohenzollern, das heißt den Burggrafen von Nürnberg.

Wanderschuhe an und los ins „Staufer Land“: Der Grenzverlauf Mitte des 16. Jahrhunderts gibt unseren Weg vor.

© Foto: Landratsamt


Warum ist dieser Hintergrund wichtig? Der Grenzwanderweg beschäftigt sich mit den Grenzen und seinen Grenzmarkierungen. Der Grenzverlauf Mitte des 16. Jahrhunderts gibt unseren Weg vor. Somit waren die Hohenzollern auf der einen Seite der Grenze im Dienste des Kaisers. Die Lande Hilpoltstein, Heideck und Allersberg gehörten zum Fürstentum Pfalz-Neuburg. Und ein weiterer Teil des Territoriums unterstand der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Einige Abschnitte des Wanderweges verlaufen entlang der ehemaligen Grenzen zwischen den Herrschaftsbereichen. Grenzen konnten damals, neben den politischen Grenzen und deren hoheitlichen Bedeutung, auch Konfessionsgrenzen sein. Die evangelische und katholische Prägung der Landstriche hat sich bis in die heutige Zeit gehalten. Im Gegensatz zu den landesrechtlichen Grenzen, die mit der Gründung des Königreichs Bayern 1806 vereint wurden.

Steinerne Zeitzeugen

Die steinernen Zeugen der alten Grenze sind heute noch teilweise erhalten und der aufmerksame Wanderer kann die Wappen der Herrschaften vielleicht erahnen: den Adler für die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und das Rautenwappen für Pfalzbayern.

Grenzsteine sind Zeitzeugen. Sie stellen einen Teil der Landesgeschichte dar, zum Anfassen und Begreifen. Dazu gibt es auch das Grenzsteinfeld bei Stauf (nahe Ortsausgang Richtung Schwimbach). Die Sammlung unterschiedlichster Grenzsteine auf einem Feld ist einer der Höhepunkte des Grenzwanderweges.

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Die Grenzsteine sind im Original zu sehen, weitestgehend im ursprünglichen Zustand, wenn auch sanft restauriert und auf Betonsockel gehoben. Grenzsteine sind Geschichte über Markierungen der Weidebereiche oder Waldstücke, Kennzeichen von Steuerbezirken oder Zuordnung zu Herrschaftsgebieten. Die Monumente laden ein, in die Geschichte einzutauchen. Auf den einzelnen Etappen gibt es dann vielleicht den einen oder anderen Gedanken über unsere heutigen Grenzen.

Leben auf dem Land

Landschaftliche Besonderheiten sind die weit reichenden Fernblicke, die mächtigen Eichenriesen, die die Wanderer zum Eichelberg hinaufbegleiten, und die tiefen Hohlwege, die als Zeitzeugen für die jahrhundertealte Nutzung dieser Wege dienen.

Ein Einblick in das bäuerliche Leben des 18. und 19. Jahrhunderts: „Als ob die Zeit stillgestanden wäre“.

© Archivfoto: Tobias Tschapka


Noch ein Tipp: Das Michael-Kirschner-Kulturmuseum in Stauf ist ein bäuerliches Anwesen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Authentisch zeigt es das autarke Arbeiten und Leben dreier Generationen auf dem Land: "als ob die Zeit stillgestanden wäre". Öffnungszeit: Jeden 1. Sonntag im Monat, 13 bis 17 Uhr.

Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Reinhold Grimm, Tiefenbach 17, Telefon (0 91 73) 12 81, Schloßschänke Eysölden, (0 91 73) 5 37, Bäckerei Schmidtkunz, Eysölden, (0 91 73) 6 34. Direktvermarkter an der Tour: Biohof Enzenhöfer, Steindl 6, (0 91 73) 10 31, Bio-Archehof Gerstner, Eysölden F3, (0 91 73) 97 18, Manfred Dorner - Gemüse, Eysölden L15, (0 91 73) 779 76, Wald- und Wiesenimker, Daniel Endereß, Pyras 8a, (09174) 8449919, Luise Käsbatzinger Honig, Stauf 28 1/2, Stauf, (09 173) 12 62. Weitere Infos zum Wanderweg "Land um Stauf" unter www.urlaub-roth.de, der Entdecker App des Landkreises oder telefonisch unter (0 91 71) 81 13 29.

lra/rhv

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