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Trotz Schließung: Rother Aldi-Leute arbeiten bis zum Umfallen

Die Mitarbeiter der Regionalgesellschaft sind hoch motiviert und geben alles - 26.03.2020 06:04 Uhr

Mehrarbeit gibt’s bei der Aldi-Regionalgesellschaft Roth in Zeiten von Corona jeden Tag. Was aber alle Mitarbeiter in der Rother Zentrale wissen: Am 30. April ist hier endgültig Schluss. © Foto: Salvatore Giurdanella


Natürlich die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Aber auch alle die, die mit Lebensmitteln zu tun haben. Und wenn sie mehr arbeiten, obwohl sie von der sicheren Kündigung wissen, ist das schon eine Besonderheit.

Aldi hat Anfang Dezember bekannt gegeben, dass die Regionalgesellschaft Roth zum 30. April 2020 aufgelöst wird. "Um auf dem stark umkämpften Markt zukunftsfähig zu bleiben", so hatte eine Aldi-Sprecherin im Dezember begründet, sei die Schließung sowohl der Gesellschaft in Roth als auch der Gesellschaft in Mülheim an der Ruhr notwendig geworden. Die Filialen sollen erhalten bleiben. Aber die Zentrale wird komplett aufgelöst.

290 Arbeitsplätze fallen weg

Das kostet: 290 Arbeitsplätze in Roth. So viele Menschen arbeiten hier in der Verwaltung und in der Logistik, um die Waren von dort in die 72 Filialen des Discounters in fast ganz Mittelfranken sowie Teile von Unterfranken und Schwaben zu bringen.

Die Gesellschaft hat versucht, Lösungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Doch natürlich haben noch nicht alle wieder Arbeit gefunden. Ihr Vertrag gilt bis zum 30. April, die Motivation ist in solchen Fällen, na ja, vielleicht eher mittelmäßig.

Und dann kommt Corona übers Land. Toilettenpapier, Reis und Nudeln werden knapp – in den Discountern herrschen derzeit Tage wie "Weihnachten und Ostern auf einmal", sagt in Roth der Logistik-Leiter Harald Knauer. Mit dem Unterschied: Nach Weihnachten und Ostern können sich die Mitarbeiter auf ein paar ruhige Festtage freuen.


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Im Moment weiß niemand, wann das Hamstern endet, Mehrarbeit gibt’s jeden Tag. Was aber alle Mitarbeiter in der Rother Zentrale wissen: Am 30. April ist hier endgültig Schluss. Das heißt: Auf sie warten danach keine Festtage, sondern das Ende ihrer Beschäftigung.

So ergeht es zum Beispiel einer 53-Jährigen aus Allersberg. Sie arbeitet seit 21 Jahren bei Aldi in Roth. Als Kommissioniererin ist sie zusammen mit mehreren Dutzend anderen, vorwiegend Frauen, ab halb acht Uhr morgens für die Verteilung der Waren zuständig, die dann auf die Lkw geladen werden. Normalerweise dauert das bis gegen 13 Uhr. Normalerweise. In Zeiten von Corona arbeiten sie und die Kolleginnen immer länger, oft eineinhalb Stunden, manchmal bis zu vier Stunden länger.

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In der besonderen Situation habe der Arbeitgeber zwar angeboten, dass Kinder mitgebracht und betreut werden könnten. Aber diese Möglichkeit nutze nicht jede Familie. "Und wenn dann neben mir eine Mutti steht, deren Kinder gerade den ganzen Tag allein daheim sein müssen, dann ist das für mich genug Motivation zum Arbeiten", sagt sie.

"Man gibt ja gern alles", betont die Kommissioniererin, die ihren Namen lieber nicht nennen will. Aber angesichts der nahenden Kündigung sei es im Moment schon schwierig, diese Menge an Arbeit zu bewältigen.

Auch Harald Knauer sagt voller Stolz auf seine Leute: "Trotz der Situation arbeiten die Mitarbeiter bis zum Umfallen". Dass dann sogar noch Sonntagsöffnungszeiten der Supermärkte im Raum standen, wie von Ministerpräsident Söder zwischenzeitlich angekündigt, hält er für "absolut nicht leistbar". Klar profitiere der Einzelhandel jetzt von der Krise, das sagt er auch. "Aber wir in Roth nicht, weil wir am 30. April schließen müssen."


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CAROLA SCHERBEL E-Mail

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