1057 junge Leute stimmten ab

U18-Wahl: CSU liegt bei der Jugend im Landkreis Roth weit vorn

24.9.2021, 06:04 Uhr
Hilpoltsteiner Mittelschüler bei der Stimmabgabe: Fast 300 junge Menschen nahmen an der U18-Wahl teil und übten so politische Bildung in der Praxis.

Hilpoltsteiner Mittelschüler bei der Stimmabgabe: Fast 300 junge Menschen nahmen an der U18-Wahl teil und übten so politische Bildung in der Praxis. © Tobias Tschapka, NN

Auch in Hilpoltstein hatten zwei Schulen die Gelegenheit, sich an der kurz vor der Bundestagswahl abgehaltenen „U18-Wahl“ zu beteiligen, die einen Einblick in die politischen Wünsche und Vorstellungen der noch nicht wahlberechtigten jungen Leuten bietet. Das Jugendreferat hatte zusammen mit freiwilligen Helfern des AK Jugend Schülerinnen und Schüler sowohl der Realschule als auch der Mittelschule besucht.

Während bei der Realschule nur die Zehntklässler abstimmen durften (insgesamt 109 Schüler), waren es bei der Mittelschule alle Klassen von fünf bis zehn (184). Die Entscheidung darüber lag bei den Schulen. Die Teilnahme war freiwillig, aber viele nutzten die Gelegenheit für ihr persönliches politisches Statement. Außerdem gab es was zu gewinnen: Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verloste die Stadt Hilpoltstein dreimal zwei Plätze für ein Wochenende in Berlin.

„Ein paar wenige Schüler und Schülerinnen lehnten die Teilnahme ab und sagen, sie bräuchten noch mehr Zeit, und einige Jugendliche, die den Zeugen Jehovas angehören, beteiligten sich aus religiösen Gründen nicht, aber ansonsten war gut was los in unseren Wahlkabinen“, so die Hilpoltsteiner Jugendreferentin Jana Schmidt. Neben den Kabinen gab es auch Tablets, auf denen die Jugendlichen vor ihrer Stimmabgabe den „Wahl-O-Mat“ befragen konnten.

„Den kennen die meisten schon, und nicht wenige haben ihn auch schon privat gemacht – wenngleich manche Fragen schon etwas schwierig waren“, so Referent Sven Brand. Zum Beispiel seien viele über den Begriff „Fallpauschale“ gestolpert, in der Tat ein Wort, was in der Lebenssituation vieler Jugendlicher eher selten vorkommt. „Aber in den Gesprächen mit den jungen Leuten wurde klar, dass gerade die Umwelt, und auch soziale Fragen bei ihrer Wahlentscheidung eine wichtige Rolle spielen“, so Schmidt.

Bundes-Trend gebrochen

Die Ergebnisse überraschten dann schließlich doch. Während bundesweit die Grünen auf Platz 1 lagen, konnte bei beiden Hilpoltsteiner Schulen vor allem die CSU punkten. Bei den Erststimmen sowohl bei den Mittelschülern (sehr deutlich mit 37,57 Prozent) als auch den Realschülern (27,78) hatte Direktkandidat Ralph Edelhäußer die Nase vorn. Das deckt sich auch mit dem Trend im gesamten Landkreis.

Die nächsten Plätze gingen bei der Mittelschule an Jan Plobner von der SPD (20,37 Prozent) und Felix Locke von den Freien Wählern (11,6 Prozent). Auf Platz vier landete der AfD-Mann Klaus Norgall (9,94 Prozent), noch vor Kristine Lütke von der FDP und Felix Erbe von den Grünen. Bei der Realschule belegte den zweiten Platz die FDP (20,37 Prozent), gefolgt vom SPD-Kandidaten (14,81 Prozent) und dem der Grünen (12,04). Die AfD landete nach den Piraten, der Linken, den Freien Wählern und der Partei nur noch auf Platz neun (1,85 Prozent).

Auch bei den Zweitstimmen konnten in der Regel die etablierten Parteien die vorderen Plätze belegen, aber auch exotische Bewerber wie die „Tierschutz-Partei“, „Die Basis“ oder „Die Humanisten“ bekamen Stimmen. Dass bei der Mittelschule die AfD auf Platz drei landete, und sogar die klar rechtsradikale Partei „der III Weg“ insgesamt drei Stimmen bekam, überraschte dann aber doch.

„Allerdings lassen sich die Ergebnisse zwischen den beiden Schulen schlecht vergleichen“, relativiert Jana Schmidt. Während bei der Realschule nur die Zehntklässler abgestimmt haben, waren bei der Mittelschule (ab der fünften Klasse) auch viele dabei, die das Ganze nicht besonders ernst genommen haben. „Da wurde oft weniger aus Überzeugung, sondern aus Quatsch gewählt, oder nach dem Motto ‚Die klingen lustig, die wähle ich‘ entschieden.“

Bessere Bildung

Schmidts Meinung nach wäre es bei künftigen U18-Wahlen besser, die Ergebnisse in verschiedenen Altersgruppen zu erfassen und sie so besser einordnen zu können. Dass auch die ganz Jungen mit abstimmen dürfen, findet sie aber richtig und wichtig. „Auch sie sollen schon früh den Ablauf einer Wahl kennen lernen und an das Thema Politik und Mitbestimmung herangeführt werden, auch wenn ihnen dabei vielleicht noch die Ernsthaftigkeit fehlt.“

Fazit der Veranstalter: Die U18-Wahl hat wieder einmal einen verantwortungsvollen Umgang junger Menschen mit ihrer Stimme gezeigt. Unser Bild zeigt die Stimmabgabe in Georgensgmünd.

Fazit der Veranstalter: Die U18-Wahl hat wieder einmal einen verantwortungsvollen Umgang junger Menschen mit ihrer Stimme gezeigt. Unser Bild zeigt die Stimmabgabe in Georgensgmünd. © KJR, NN

Daher wünscht sich Schmidt noch mehr und intensivere politische Bildung in den Schulen, und das schon für die jüngeren Altersstufen. „Wir als Jugendreferat sprechen uns für ein Wahlrecht ab 16 aus, denn die Bedürfnisse der jungen Leute bleiben im Wahlkampf oft auf der Strecke, einfach weil sie keine Stimme haben.“ Das könne bundesweit, aber auf alle Fälle auf kommunaler Ebene sein, „weil gerade dort die getroffenen Entscheidungen nicht zuletzt die jungen Leute direkt betreffen“, so Schmidt.

Auch in der Dr.-Mehler-Schule in Georgensgmünd wurden die Bleistifte zur U18-Wahl gespitzt. Insbesondere die Jugendbeauftragten des Gemeinderats, Volker Straubinger und Lena Hörndl, hatten das Projekt vorangetrieben. Bürgermeister Ben Schwarz besprach mit den jungen Wählerinnen und Wählern vor Ort die Themen, die ihnen auf den Nägeln brennen. Dabei standen Klimaschutz und das Management der Corona-Pandemie für die Jugendlichen ganz oben auf der Prioritätenliste.

1057 Jungwähler in elf Gemeinden

Insgesamt wurden im Landkreis Roth 17 Wahllokale in elf Gemeinden aufgestellt. Die Wahl wurde von den Jugendbeauftragten der Gemeinden, der Vereine und von engagierten Jugendlichen geplant, durchgeführt und ausgezählt. Die Ergebnisse der Zweitstimmen im Landkreis standen schon am selben Abend fest: Insgesamt gaben 1057 Kinder und Jugendliche ihre Zweitstimme ab, wovon 1038 als gültig gezählt werden konnten.

Die CSU erreichte mit 21,58 Prozent aller Stimmen die Mehrheit. Es folgte die SPD mit 16,67 Prozent, sehr dicht gefolgt von den Grünen mit 16,38 Prozent. Die FDP kam auf 12,04 Prozent aller der gültigen Stimmen, die Freien Wähler erhielten 6,17 Prozent, die Linke 5,68 Prozent, AfD 5,10 Prozent und die Tierschutzpartei 5,01 Prozent. Die restlichen 12,04 Prozent der Stimmen verteilen sich auf sonstige Parteien. Im Vergleich dazu liegen auf Bundesebene laut einem Zwischenergebnis (Stand 20. September, 12 Uhr) „Die Grünen/Bündnis 90“ mit 21,09 Prozent aller Stimmen vorn, gefolgt von der SPD mit 19,21 Prozent, der CDU/CSU mit 16,92 Prozent und der FDP mit 12,03 Prozent.

Edelhäußer punktet bei der Jugend

In einigen Wahllokalen konnten auch die Erststimmen abgegeben werden. Insgesamt wurden im Landkreis Roth bei der U18 Wahl 724 Erststimmen abgegeben, davon waren 710 gültig. Noch deutlicher als bei der Zweitstimmabgabe lag die CSU mit Ralph Edelhäußer bei der Erststimme mit 29,44 Prozent der gültigen Stimmen vorne. Es folgten Jan Plobner (SPD) mit 14,79 Prozent, Felix Erbe (Die Grünen) mit 12,96 Prozent, Kristine Lütke (FDP) mit 9,58 Prozent, Felix Locke (FW) mit 7,46 Prozent, Evelyn Schötz (Linke) mit 6,76 Prozent, Klaus Norgall (AfD) mit 6,48 Prozent. Ferner: Max Weggenmann (Die Partei), 4,37 Prozent; Stefan Kuschel (die Basis), 3,80 Prozent; Julian Häffner (Piraten), 2,54 Prozent; Dr. med. Udo Schlot (parteilos), 0,85 Prozent; Markus Nehring (LKR), 0,70 Prozent; Pascal Henninger (ÖDP), 0,28 Prozent.

Mit der Aktion der Kreisjugendringe Roth und Nürnberger Land, die zusammen einen Wahlkreis bilden, hatten Kinder und Jugendliche im Vorfeld bei der Aktion #fragdochselbst die Möglichkeit, den BundestagskandidatInnen Fragen zu stellen. Die Fragen wurden von einigen KandidatInnen per Video-Botschaft beantwortet und auf den Homepages und Social Media Kanälen (youtube, instagram, facebook) veröffentlicht. Zudem wurden Steckbriefe der Kandidatinnen und Kandidaten erstellt.

Schüler fragten, Parteien antworteten

Im Rahmen der U18-Wahl beantworteten auch die Parteien 15 wichtige Fragen von jungen Menschen, beispielsweise zu den Themen „Mietpreise“, „Geschlechtergerechtigkeit“ oder „Politische Beteiligung junger Menschen“. Über die Antworten konnten sich U18-Wählerinnen und -wähler ebenfalls über die Social Media Kanäle der beiden Jugendringe, sowie vor Ort in den Wahllokalen informieren.

„Die U18-Bundestagswahl zeigt einmal mehr: Kinder und Jugendliche interessieren sich für Politik“, erklärt die Regionalkoordinatorin der U18-Wahl Birgit Schulleri vom Kreisjugendring Roth. Gerade in der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Interessen und Bedürfnissen von Entscheidungsträgern wahrgenommen werden wollen.

Auch Christian Kuhnle, Vorstandsmitglied des Kreisjugendring Roth sowie Landesvorstandsmitglied des Bayerischen Jugendrings, betont die Forderung des BJR, das Wahlalter auf 14 Jahre abzusenken: „Die Altersgrenze bedeutet eine strukturelle Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse vergangener U18-Wahlen haben einen verantwortungsvollen Umgang junger Menschen mit ihrer Stimme gezeigt“.