Sonntag, 18.04.2021

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Unruhe im Forst: Mountainbiker setzen Wild und Wald zu

Der "Kränzleinsberg" hat sich zu einem Dorado für radelnde Freizeitsportler entwickelt - 02.03.2021 12:00 Uhr

Ein in kleine Flächen zerschnittener Forst am „Kränzleinsberg“. Im Wald zwischen Hilpoltstein und Unterrödel haben Mountainbike-Fahrer tiefe Spuren im Waldboden hinterlassen. Die Mountainbiker setzen nicht nur dem Waldboden zu, sondern vor allem dem Wild, das kaum noch Rückzugsräume findet.

01.03.2021 © Foto: Tobias Tschapka


Die Hunde erschrecken und bellen. Ich erlaube mir dezent die Mountainbiker darauf hinzuweisen, dass Wege dazu da sind, dass man sie auch nutzt und nicht völlig sinnfrei das Getier im Wald scheu macht.

Ich möchte an dieser Stelle nicht aufzählen, was mir danach an Beschimpfungen an den Kopf geworfen wurde, weil die Schimpftiraden zum Großteil nicht jugendfrei waren. "Scheißköter" und "Arschloch" waren noch die harmlosesten. Den Stinkefinger in meine Richtung gab es in fünffacher Ausführung.

Ratzfatz waren die wilden Radler wieder in den Weiten des Waldes entschwunden. Auf die Identität der Radler gab es keinen Hinweis. Stammten sie aus Nürnberg, wo im Reichswald regelmäßig illegale Mountainbikestrecken (Trials) mit Rampen und Brücken beseitigt werden? Waren es Einheimische? Keine Ahnung! Jedenfalls hatte ich schon mehrfach Begegnungen dieser außerirdischen Art.

Mountainbiker sind abseits der Wald- oder Forstwege mittlerweile ein Übel, das Forst- und Jagdexperten sauer aufstößt. Genauso wie eine Vielzahl von Spaziergängern, die sich abseits der regulären Pfade bewegen. So klagt Stefanie Schmauser, die im Stadtrat zuständig ist für den Kontakt zu den Jagdgenossenschaften, dass Mountainbiker "eine unheimliche Unruhe in den Wald bringen" , sodass sich beispielsweise Rehe am Tag überhaupt nicht mehr blicken lassen. Das Wild macht sich "heimlich", weiß Stefanie Schmauser, die selbst im Revier Eibach/Marquardsholz auf die Jagd geht, aus der Sprache der Waidmänner und -frauen zu berichten.

Folge: Verbissschäden

Ihr Vorgänger in diesem Amt, Hans Meier, ist schon gespannt, was das nächste Verbissgutachten bringt. Denn dadurch, dass sich die Tiere nicht mehr zum Äsen auf Waldränder oder Wiesen trauen, fressen sie halt die zarten Triebe junger Bäume.

Gerade der "Kränzleinsberg" habe sich mittlerweile zu einem Dorado für Mountainbiker entwickelt. "Der Kränzleinsberg scheint zum Lieblingsplatz der Mountainbiker geworden zu sein", meint die 3. Bürgermeisterin der Stadt Hilpoltstein. Leidtragende seien Wildtiere, speziell Rehe, wie auch Hans Meier, Hilpoltsteiner Hegegemeinschaftsleiter, betont. "Mountainbiker stoßen bis in die Kerngebiete des Waldes vor, und dort sind natürlich auch Rehe", die dadurch kaum zur Ruhe kommen.

Das Rehwild könne den Energiehaushalt während der kalten Jahreszeit zwar herunterfahren, aber wenn es gerade in dieser Phase mehrmals aufgeschreckt werden, kann es sterben. "Was helfen die besten Futterstellen, wenn Radler das Wild davon verscheuchen", ergänzt Stefanie Schmauser die Ausführungen von Hans Meier.

Beide sind sich bewusst, dass dieser Konflikt schwer zu lösen ist. Man könne zwar an die Vernunft der Mountainbiker, Jogger und Spaziergänger appellieren, ihren Freizeitbeschäftigungen nur auf regulären Wegen nachzugehen. Doch mehr als auf die Einsicht zu setzen, sei kaum möglich. Übrigens ist das Mountainbiken abseits der Waldpfade nicht ohne Risiko. Vor gut einer Woche prallte ein Radler am "Kränzleinsberg" gegen einen Holzstamm, woraufhin er stürzte und sich dabei nicht unerheblich verletzte.

HARRY RÖDEL

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