Donnerstag, 21.11.2019

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Völlig stimmig

Zum Weihejubiläum der Kappel trat Cantus Sacralis auf. - 21.10.2019 05:34 Uhr

Passend zum Weihejubiläum der Heidecker Frauenkirche „Kappel“ präsentierte „Cantus Sacralis“ im Konzert Lieder aus der Entstehungszeit der Kirche. © Foto: Manfred Klier


Die stellvertretende Bürgermeisterin Maria Brunner begrüßte in der voll besetzten Kirche die Künstler und dankte dem Arbeitskreis Tourismus für sein Engagement anlässlich des 600. Weihejubiläums der Kappl.

Wohltönend begann der aus 18 Sängerinnen und Sängern bestehende A-capella-Chor mit "Parce mihi, Domine – Verschone mich, Herr" von Orlando di Lasso. Das exakte Dirigat von Marco Mulzer, der dieses Amt erst seit rund einem halben Jahr ausübt, und die viel gerühmte Akustik taten ein Übriges.

Erfreulicherweise gehört es zum Standard des Chors, ein ausführliches und gut lesbares Begleitheft bereitzulegen und in diesem Fall den zumeist lateinischen Texten eine deutsche Übersetzung beizufügen.

Noch nicht sehr lange ist es her, dass Sängerinnen in den Chor aufgenommen wurden.

Mit klaren, kunstvoll ineinander verwobenen Stimmen sangen sie "In pace" des gleichen Komponisten. Orlando di Lasso, aus Belgien stammend, war viele Jahre Kapellmeister an der Münchner Hofkapelle gewesen. Der Name Renaissance ist dem Französischen entlehnt und bedeutet Wiedergeburt. Es ist die europäische Kulturepoche in der Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit.

Neben der Musik, die nun neue Harmonien und verstärkte Mehrstimmigkeit hervorbrachte, gab es auch auf anderen Gebieten der Kunst und Kultur entscheidende Veränderungen. Namen wie etwa William Shakespeare, Erasmus von Rotterdam, Michelangelo und Albrecht Dürer können hier genannt wird.

"Ave Maria", das "Gegrüßest seist du, Maria", hat der Spanier Tomas Luis de Victoria komponiert; ebenso das "Nigra sum", ein frühlingshaftes Lied. Auch der Engländer William Byrd hat das "Ave Maria" vertont; außerdem eine Messe mit den traditionellen Teilen Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Der Chor verstand es, die unterschiedlichen Inhalte einfühlsam zu interpretieren.

Jakob Handl, nach damaliger Sitte mit dem latinisierten Namen Jacobus Gallus genannt, ist der Komponist von "Laetitia sempiterna", das ewige Freude verheißt. Entsprechend freudvoll und lebhaft agierte das Ensemble. Im Sopran waren es Carena Faber, Silke Lederer, Katrin Lederer-Wisura, Elisabeth Schöppel und Bella Täffner. Die Altstimmen waren vertreten durch Conni Müller, Josef Ramsenthaler, Anja Tschapka und Constance Weber. Den Tenor bildeten Matthias Faber, Johannes Marx, Christoph Hofbeck, Ludwig Lehner und Andreas Nein. Im Bass sangen Alexander Dinkel, Stefan Erban-Mulzer, Wolfgang Fürst und Jürgen Schmidt.

Traurig und klagend erklang dagegen "Vox in Rama" des aus Flandern stammenden Jacobus Clemens non Papa, eigentlich Jacques Clement. Er hatte eine Stelle aus dem Matthäusevangelium vertont.

Eine besondere Herausforderung stellte "Ego flos campi" dar, das von einer Rose im Libanon erzählt. Obwohl es siebenstimmig angelegt ist, wurde es vom Chor souverän gemeistert.

Das einzige deutschsprachige Werk im Programm stammte von dem Südtiroler Leonhard Lechner, einem Schüler Orlando di Lassos. In "O Tod, du bist eine bittre Gallen" werden die Schrecken des Todes heraufbeschworen.

Der Italiener Giovanni Pierluigi da Palestrina schildert die Klagen der Israeliten im babylonischen Exil, bevor es in einem vertonten Psalm heißt: "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir".

Nach diesem letzten Vortrag durfte der lange aufgesparte Applaus in voller Lautstärke und Länge aufbranden. Nachdem Josef Ramsenthaler seinen Dank an die Organisatorinnen Monika Kauderer, Roswitha Köstler und Renate Raumberger ausgesprochen hatte, gab der Chor den frommen Wunsch "Gott behüte Dich!" den begeisterten Besuchern mit auf den Heimweg. Die Freunde der Renaissancemusik waren in dieser Stunde voll auf ihre Kosten gekommen.

MANFRED KLIER

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