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Wenn die Hopfenzupfer von Eisbären reden

Walter Bachmann nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise durch die Spalter Hopfenkultur - 11.07.2019 06:00 Uhr

Walter Bachmann in seinem Element im Spalter Hopfenmuseum. Dessen Gebälk ist türkisgrün, weil diese Farbe den besten Kontrast zum Grün des Hopfens bildet. © Martin Regner


Das, was Walter Bachmann tut, hat mit einer herkömmlichen Stadtführung aber nur wenig zu tun: Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine mit unzähligen Anekdoten garnierte Reise, die einen mit Haut und Haaren hineinzieht in die Zeit, als tausende auswärtige Hopfenzupfer und der jährliche "Saumarkt" (so heißt das Spalter Hopfenerntefest) das Stadtgeschehen prägten.

Wenn Bachmann das alte Spalter Kornhaus aus dem 15. Jahrhundert betritt, in dem ab 1897 die Hopfensäcke gesiegelt und eingelagert wurden und heute das HopfenBierGut residiert, ist er in seinem Element: "Historie pur", sagt er selbst über dieses "besondere Haus". Allein das im Inneren türkisgrün gefärbte Gebälk "ist eine absolute Schau." Warum? "Wenn wir uns mal vorstellen, wie die Handwerker vor 560 Jahren gearbeitet haben, keine Sägen gehabt haben und keine Kräne. Mit Muskelkraft haben die dieses Haus aufgestellt. Da muss man heute noch den Hut vor diesen Handwerker ziehen."

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Wenn Walter Bachmann auf den Spalter Hopfen zu sprechen kommt, beginnen seine Augen zu leuchten: "Der Hopfen und seine Besonderheiten haben Stadtbild, Landschaft und Mensch bis zum heutigen Zeitpunkt geprägt." Die erste Urkunde, in der es um die Verpfändung eines Hopfengartens geht, erwähnt den Spalter Hopfen schon 1341.

Bis heute ist die Gegend ein weltweit renommiertes Hopfenanbaugebiet, was kuriose Blüten trieb: "Je nach dem, wo ein Hopfengarten war, wurde er entsprechend bewertet. Der wertvollste war der Stadthopfen. Die Pleinfelder haben ihren früher bezeichnet als ,Hopfen aus Pleinfeld, sieben Kilometer von Spalt‘". Schon allein, dass auf der Urkunde der Name Spalt auftauchte, trieb den Preis in die Höhe.

Bevor es Pflückmaschinen gab

Heute gibt es im Anbaugebiet 55 Hopfenbauern, die etwas mehr als 400 Hektar bewirtschaften. Damit liegt Spalt weit hinter der Hallertau mit über 16 700 Hektar. "Aber wir Spalter sind so stolz auf die Sorte 'Spalt Spalter‘ weil das ist der beste." Und warum? "Der Spalter ist aktuell der am besten bezahlte. Und das hat seinen Grund: Die Sorte hat Tradition, über Jahrhunderte zurück. Das Entscheidende hier ist die Bodenbeschaffenheit: Du brauchst tiefgründige Böden. Der Hopfen wächst bei uns auf Keuperformationen. Und es ist auch das Klima, das unseren 'Spalt Spalter‘ so gut macht: Die Talauen und der Regen."

Die Nachfrage nach der lokalen Hopfensorte steigt — weltweit. Klar, auch die Stadtbrauerei Spalt gehört zu den Abnehmern und Walter Bachmann hat ein Lieblingsbier: "Das normale Helle. Ich habe immer einen Kasten daheim. Und einen Kasten Pils." Ein Lieblingsthema hat der Stadt- und Museumsführer auch: "Das hat mit den Hopfenzupfern zu tun, die wir früher da gehabt haben, und mit den Stories, die es dazu gibt: Die Geschichten der Hopfenzupfer."

Bis etwa 1910, als es noch keine Hopfenpflückmaschinen gab, mussten die erntereifen Hopfendolden von Hand gezupft werden: "Dazu wurde eine Vielzahl von Erntehelfern benötigt. Die einen kamen aus der näheren Umgebung, haben den ganzen Tag den Hopfenbauern geholfen und abends sind sie wieder heim. Die anderen waren Wanderarbeiter, Zigeuner, Tippelbrüder, Landstreicher, Vagabunden, Landstraßenbarone. Leichte Mädchen und Schicksen sollen auch dabei gewesen sein. Die waren besonders froh, wenn sie für vier Wochen eine Anstellung bei einem Hopfenbauern gefunden haben, einen Schlafplatz und etwas zu Essen hatten. Wenn die Hopfenernte fertig war, haben die dann eine gewisse Summe mitnehmen können."

Die Hopfenzupfer hatten auch ihre ganz eigene Sprache, die nur sie verstanden: Eine "Drehscheibe" war ein Wirtshaus und ein "Eisbär" war ein Mann, der viel Geld hatte. "Alles, was innerhalb der Stadtmauer lag, war 'Spanien‘. Alles, was außerhalb der Stadtmauer lag, war 'Portugal‘. Und vor 50 Jahren haben unsere Fußballer gegen die Auswärtigen gespielt. Da sage ich immer: Wir haben vor 50 Jahren schon Länderspiele hier gehabt 'Spanien gegen Portugal'. Da kannst Du die Europameisterschaft dagegen vergessen." 

MARTIN REGNER E-Mail

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