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Wenn Tschechien bei Heideck liegt

Große Katastrophenschutzübung in ehemaligem Bundeswehrdepot abgehalten - 03.10.2011

Am Tanklager der Bundeswehr gab es nach einer Verpuffung Verletzte, die zur medizinischen Behandlung abtransportiert wurden und auch Einsatzkräfte in ABC-Schutzanzügen waren im Einsatz. © tts


Und so stellte sich die (Übungs-)Lage da: Seit mehreren Wochen kommt es im südwestlichen Tschechien durch einen extrem trockenen Sommer immer wieder zu ausgedehnten Waldbränden, bei denen die Flammen auf Höfe, Ortschaften und Industrieanlagen übergreifen, auch mehrere Todesopfer sind zu beklagen. In Daíbârtment Hôrth sind insbesondere Schnellbahnstrecken, große Waldgebiete und militärische Anlagen von den Bränden bedroht.

Da die einheimischen Kräfte an die Grenzen ihrer Möglichkeit gestoßen sind, hat das bayerische Innenministerium auf Grundlage internationaler Abkommen Katastrophenhilfe zugesagt und bereits mehrere bayerische Hilfskontingente in das Gebiet geordert – wie gesagt, alles fiktiv.

Übungsleiter Kreisbrandrat Werner Löchl erklärt den Sinn der Übung: „Aufgrund der Erfahrungen bei der Flutkatastrophe im August 2002 in den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt, bei der über Tage hinweg zwischen 500 und 1900 bayerische Kräfte im Einsatz waren, wurde ein Konzept zur Länder- und staatenübergreifende Katastrophenhilfe erstellt“. Diese beinhalte auch eine internationale Hilfe sowohl in EU als auch in Drittstaaten im Nicht-EU-Raum. Ziel der Übung sei es, als Hilfeleistungskontingent über einen Zeitraum von 48 Stunden autark agieren zu können. Insgesamt stehen in Bayern 73 Hilfskontingente zur Bekämpfung von Sturmschäden, ABC-Abwehr und Ölunfällen zur Verfügung, davon fünf in Mittelfranken.

Orientierung mit Karte

Auf dem Festplatz in Heideck befindet sich die Übungseinsatzleitung, die den Rettungskräften ihre nächsten Aufgaben zuweisen. Dass sich alle Einsatzgebiete im gleichen Waldgebiet befinden wissen die Nothelfer nicht. Mit der Karte müssen sie diese es erst einmal finden und über verschiedene Himmelsrichtungen zum „Rehgenick“ vordringen.

Bei den Szenarien wurde an Dramatik nicht gespart: Ein Waldbrand droht auf ein Munitionslager überzugreifen. Mit der Kettensäge müssen die Feuerwehrleute einen umgestürzten Baum entfernen, damit das Einsatzfahrzeug zum Brandherd vordringen kann.

An anderer Stelle, einem alten Tanklager der Bundeswehr, gab es nach einer Verpuffung mehrere Verletzte, von denen manch einer lautstark um Hilfe schreit. Natürlich sind dies nur Statisten, die jedoch ihre Aufgabe sehr ernst nehmen, und von denen manch einer seinen Helfern im vermeintlichen Schockzustand davonläuft.

Nicht weit entfernt ein weiteres unheimliches Szenarium: Männer mit aufgeblähten ABC-Schutzanzügen versorgen einen Überlebenden eines Chemieunfalls und bringen ihn in ein Dekontaminationszelt. Schließlich ist auch noch ein ICE wegen eines Stromunfalls liegen geblieben. Die Übungsteilnehmer retten alle Insassen sicher aus einem dunklen Rettungstunnel der Schnellfahrstrecke bei Euerwang.

Während der Übung kommt noch eine Meldung über Funk rein: schwerer Verkehrsunfall auf der A9, diesmal keine Übung. Aber die Katastrophenschutzübung muss deshalb nicht abgesagt werden, andere Kräfte werden zur Unfallstelle zwischen Greding und Allersberg/Hilpoltstein beordert (siehe Seite1). Kreisbrand Werner Löchl: „Bei über 5000 Feuerwehrdienstleistenden im Landkreis Roth mache ich mir um unsere Einsatzbereitschaft keine Sorgen.“ 

tts

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