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"Wir sind ein Korrektiv, das bei den Leuten ankommt"

Patrick Volkert hat in Georgensgmünd den ersten Ortsverein des Landkreises der Satire-Partei "Die PARTEI" gegründet - 02.05.2018 12:00 Uhr

Vorsitzender des ersten Ortsvereins der Partei „Die PARTEI“ im Landkreis Roth: Patrick Volkert. © F.: pb


Herr Volkert, wissen Sie, was ein Akronym ist?

Patrick Volkert: Das entspricht nicht unseren Kernkompetenzen...

 

Zur Beruhigung: Ich wusste es auch nicht. Aber der Name Ihrer Partei "Die PARTEI" ist offenbar eins. Das bedeutet, dass die Buchstaben jeweils für etwas Bestimmtes stehen – in diesem Fall: Partei für Arbeit, Rechtstaat, Tierschutz, Elitenförderung, basisdemokratische Initiative. Überhaupt lernt man eine Menge Fremdwörter, wenn man sich mal mit Ihrem Parteiprogramm auseinandersetzt...

Volkert: Das ist ein Vorwurf, der auf seinen Urheber zurückfällt!

 

Sie sind beispielsweise fürs "Milf-Geld" statt für die "Cougar-Rente" und gegen den Einsatz von "Chatbots". Vielleicht könnten Sie uns das mal so erklären, dass man´s auch jugendfrei abdrucken kann...

Volkert: Nein, geht nicht. Eindeutig nein.

 

Schick sehen Sie aus: graues Sakko, hellblaues Hemd, rote Krawatte — Ihre Parteiuniform, wie Sie verraten haben. Warum tragen Sie die?

Volkert: Weil Uniformen was her machen und öffentlichkeitswirksam sind, wie Sie selber sehen. Außerdem suggerieren sie Macht und uns geht es ja um die Machtergreifung: Wir wollen die Bezirkstags- und Landtagswahl im Oktober mit 100 Prozent plus X gewinnen. Wir werden uns die Überhangmandate schnappen und Söder stoppen.

 

Sie sprechen von "Machtergreifung". Haben Sie denn eine Affinität zum rechten Rand?

Volkert: Null! Wir sind die extreme Mitte. Aber man muss das ja wohl noch sagen dürfen, wenn man die Macht ergreifen will...

 

Ihnen scheint ein unglaubliches Selbstbewusstsein zu eigen. Allgemeines Charakteristikum der "PARTEI"?

Volkert: An Selbstbewusstsein mangelt es uns nicht.

 

Scheint so. Sie haben erzählt, Sie hätten den Georgensgmünder Bürgermeister Ben Schwarz zum Austritt aus der SPD ermuntert, damit er in den Gmünder Ortsverein der Partei "Die PARTEI" eintreten kann, den sie soeben gründeten und dessen Vorsitzender Sie sind. Was war eigentlich die Gründungsmotivation?

Volkert: Es steht doch fest, dass "das Merkel" weg muss.

 

Auch, dass die neuen Bundesländer zur "SonderBewirtschaftungsZone" zusammengefasst und "baulich vom Rest der Republik getrennt" werden sollen? Ich zitiere Ihr Parteiprogramm...

Volkert: Auch das. Wir würden gerne viele Mauern bauen.

 

Ihr Bundesvorsitzender Martin Sonneborn, der seit 2014 als fraktionsloser EU-Parlamentarier in Brüssel sitzt, war Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic". Mitunter wird "Die PARTEI" auch als "verlängerter Arm" der Zeitschrift bezeichnet. Sind Sie vielleicht Teil einer groß angelegten Marketing-Kampagane, um die Auflage zu steigern?

Volkert: Wir sind mittlerweile getrennt von der "Titanic". Die Redakteure dort sind höchstens "PARTEI"-Sympathisanten.

 

Also keine Werbestrategie. Aber wie kann man mit Slogans à la "Der Russe ist an allem schuld", "Mehr Porno!" oder "Artenschutz für die Grünen!" seriöse Politik betreiben?

Volkert: (lacht) Wie soll ich das ausdrücken? Der Russe ist doch offenbar an allem schuld, zumindest wird dauernd an Putin rumgemäkelt. Machen Sie mal den Fernseher an! Und dass die "Grünen" Artenschutz brauchen, ist schon lange klar.

 

Nehmen Sie sich eigentlich selber ernst?

Volkert: Ja! Wir sind eine populistische Partei, die Turbopolitik macht. Das heißt: Wir reagieren direkt und sofort aufs aktuelle politische Geschehen. Schauen Sie sich unsere Plakate an! Es geht immer darum, Inhalte zu überwinden und zu leeren...

 

Lehren oder leeren?

Volkert: Leeren. Bierflaschen müssen geleert werden...

 

Als Spaß-Partei...

Volkert: … nix Spaß-Partei, wir sind doch nicht die FDP!

 

Okay, dann Satire-Partei.

Volkert: Satire, ja. Sie ist unser Instrument, um auf Fehler im System aufmerksam zu machen. Beispiel Parteienfinanzierung. Wir haben mit einer Geld-Verkaufsaktion den Gold-Handel der AfD an den Pranger gestellt und damit eine Lücke im Parteiengesetz offengelegt. Wir sind ein Korrektiv, das bei den Leuten ankommt, vor allem bei den jungen. Schließlich zählen wir inzwischen deutschlandweit über 30 000 Mitglieder und haben in jedem Bundesland einen Landesverband.

 

Sehen Sie sich als Sammelbecken für Protestwähler? Möchten Sie der AfD Konkurrenz machen?

Volkert: Protestwählen geht nur mit uns! Muss ich zur AfD auch was sagen? Lieber nicht, bitte, sonst artet das bloß wieder aus...

 

"Die PARTEI" will im Oktober zur Landtags- und Bezirkstagswahl antreten. Welche inhaltliche Linie werden Sie fahren?

Volkert: Wir befinden uns da noch in einem innerparteilichen Findungsprozess. Eine konkrete Linie gibt’s bislang nicht, aber eine Strategie: die Herzen der Wähler gewinnen, die Sympathie des kleinen Mannes. Und Söder stoppen. Das ist der eigentliche Plan. Ich bin leider auch etwas verplant. Zuerst müssen wir jedenfalls genügend Unterstützerstimmen sammeln, um überhaupt antreten zu können. Das dürfte allerdings kein Problem sein.

 

Ihr Bundesvorsitzender hat wortwörtlich gesagt, "Die PARTEI" stehe für "billigen Populismus". Kann man Ihnen denn trauen?

Volkert: Natürlich! Vertrauensache ist Vertrauensache; Ihr Motto ist auch mein Motto. Ich stehe für alles, was Sie sind! Wir müssen diese Bedenken sehr ernst nehmen.

 

Wobei Ihre Forderung nach einer "Bierpreisbremse" in Bayern sicher bestens ankommt...

Volkert: Gut, dass Sie das ansprechen, und lassen Sie mich an dieser Stelle unseren Mitgliedern danken! Ja, der Bierpreis muss stabil bleiben, alles andere hilft nix.

Mit Patrick Volkert sprach:

  

PETRA BITTNER

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