Unternehmen in Pandemie-Zeiten

Wirtschaft im Landkreis Roth: "Vor Omikron ist uns nicht bange"

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 26.10.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Detlef Gsänger..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Detlef Gsänger

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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13.1.2022, 11:00 Uhr
Auch Kleinbetriebe wurden 2021 zur Teststation: In der Unternehmerfabrik Roth wurde beispielsweise ebenfalls mit Beauftragung durch das Gesundheitsamt getestet. 

Auch Kleinbetriebe wurden 2021 zur Teststation: In der Unternehmerfabrik Roth wurde beispielsweise ebenfalls mit Beauftragung durch das Gesundheitsamt getestet.  © Unternehmerfabrik Roth, NN

Dass der Landkreis Roth wirtschaftlich sehr gut aufgestellt sei, liege vor allem an dem Branchenmix, dem mithilfe der Unternehmerfabrik geschaffenen Netzwerk und der weit fortgeschrittenen Digitalisierung. Felix Lehnhoff, Scheuerleins Nachfolger als Geschäftsführer der Unternehmerfabrik Roth, bewertet die Situation ebenso „positiv“. Es habe sich unter anderem ausgezahlt, so Lehnhoff, dass Firmen mit Behörden und Institutionen eng vernetzt werden konnten.

Die Unternehmerfabrik hätte von Beginn der Pandemie an auch Unternehmen unterstützt, Corona-Hilfen zu beantragen. „Natürlich hätten sich viele Firmen und Selbstständige selbst zu helfen gewusst, aber mit aufklärenden E-Mails zu Corona-Themen wie Kurzarbeitergeld haben wir beigetragen, um Gewerbetreibende in der Not unter die Arme zu greifen. So sind letztlich viele Millionen Euro als Soforthilfe bei Firmen im Landkreis eingetroffen“, sagt Lehnhoff.

Hysterie sei bei den Firmeninhabern zu keiner Zeit ausgebrochen. „Alle haben Ruhe bewahrt“, steuert Scheuerlein bei. Fehlte Material, hätten bei einigen Firmen sogar die Chefs das Telefon in die Hand genommen, um ihre Kontakte spielen zu lassen. Laut Scheuerlein halte sich bislang die Zahl der coronabedingten Konkurse in Grenzen.

Novum in Bayern

Wo es geht, arbeiten nach wie vor Mitarbeitende von zu Hause aus, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten. Wo das nicht möglich ist, werden in den Betrieben im Landkreis Roth schon seit Monaten Schnelltests angeboten. „Wo die Politik viel zu lange diskutierte, hat der Landkreis Roth ernst gemacht“, so Scheuerlein. Die Idee dazu hatte 2021 das Gesundheitsamt in enger Abstimmung mit der Regierung und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Als Wirtschaftsförderungs­gesellschaft hat die Unternehmerfabrik in Roth im nächsten Schritt rund 150 verschiedene Unternehmen im Landkreis über das Angebot informiert – in nur zwei Wochen erklärten sich bereits über 40 von ihnen bereit, Tests für ihre Belegschaft anzubieten.

Eines der ersten Unternehmen mit einer Teststrategie war Schlenk in Barnsdorf. Dort werden Metallfolien und Metallpigmente hergestellt. Dabei ist Homeoffice unmöglich. Obwohl das Unternehmen ein Hygienekonzept hatte, gab es zu Beginn der Pandemie einige Corona-Fälle. Die Firma bot ihren Mitarbeitenden deshalb Schnelltests an. Die Kantine des Unternehmens wurde dafür umfunktioniert.

Da Unternehmerin Daniela von Schlenk gleichzeitig Ärztin ist, übernahm sie den Aufbau der Corona-Teststraße und die Einweisung des Personals. Das freiwillige Testangebot sei nach anfänglicher Skepsis von der Belegschaft immer mehr angenommen worden, erinnert sich Scheuerlein. Durch die Tests sei ein wenig mehr Freiheit in den Arbeitsalltag zurückgekommen.

Strategie ging voll auf

Als Ärztin bot Daniela von Schlenk schließlich auch anderen Unternehmen im Landkreis, die bei der Initiative mitmachen wollten, eine Einweisung für die Schnelltests an. Dabei sei es allgemein um die verschiedenen Arten der Tests, die Hygienemaßnahmen und das Testen selbst gegangen, sagt Scheuerlein. Die Firmen mussten dabei ihre Tests selbst besorgen, allerdings bekamen sie diese fast komplett von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern erstattet.

Im Frühjahr 2021 entstanden so 75 zertifizierte Testzentren in den Firmen des Landkreises. Zudem wurden durch Daniela von Schlenk insgesamt 175 Angestellte geschult, die die Arbeit in den Testzentren vornahmen. „Mit diesem Konzept waren wir Vorreiter in Bayern“, freut sich Scheuerlein im Rückblick gesehen.

Risikofaktor zehn Prozent

Unternehmen mit einer geringen Mitarbeiteranzahl wurden zudem mit der Initiative im Landkreis vernetzt. So konnten Teststraßen von größeren Firmen von kleineren „Nachbarn“ unkompliziert mitbenutzt werden. Impfquoten von 90 Prozent seien fortan keine Seltenheit gewesen. Einige Unternehmer, weiß Scheuerlein, allerdings wollen mehr: "Bei 90 Prozent stellen zehn Prozent immer noch einen Risikofaktor dar".