Wo liegt Entenhausen?

28.6.2013, 15:42 Uhr
Gerhard Severin (li.), 33. „PräsidEnte“ der Donaldisten, eröffnete zusammen mit Museumsleiter Guido Schmid die Ausstellung „Biodiversität in Entenhausen“ im Museum von Schloss Ratibor.

© Andreas Regler Gerhard Severin (li.), 33. „PräsidEnte“ der Donaldisten, eröffnete zusammen mit Museumsleiter Guido Schmid die Ausstellung „Biodiversität in Entenhausen“ im Museum von Schloss Ratibor.

Wer kennt sie nicht: Donald Duck, Onkel Dagobert, seine Neffen Tick, Trick und Track oder Goofy. Vielen sind diese Namen aus der Jugendzeit oder durch den eigenen Nachwuchs geläufig.

Ganz im Gegensatz zu den Protagonisten der Micky Maus-Heftchen und der Lustigen Taschenbücher werden die wenigsten Leser mit der überaus reichen Tierwelt Entenhausens vertraut sein. Was in dieser Welt alles kreucht und fleucht, wie vielfältig, kurios oder profan die Wesen dort sind – das zu zeigen, hat sich die Ausstellung „Biodiversität in Entenhausen“ zum Ziel gesetzt.

Surreale Welt

Schon der Weg dorthin ist surreal. Im historischen Speisesaal des Rother Schlosses informieren zunächst einige Aufsteller über die Klassifizierung von Lebewesen. So weit, so gut – sachliche Wissensvermittlung ist im Museum ja schließlich zu erwarten.

Vorbei an alten Gemälden und unter Kronleuchtern hindurch betritt man die Galerie, den zweiten Teil der Ausstellung – und steht inmitten einer bunten Comicwelt. Im gesamten Raum verteilt, hängen große und bunt bebilderte Plakatflächen, auf denen die unterschiedlichsten Wesen dargestellt, „wissenschaftlich beschrieben und (…) ihrem Platz im zoologischen System zugeordnet“ werden.

Und was es da nicht alles gibt: Neben dem „Gurkenmurkser“ (Ciller gurcae), der zugleich „das besterforschte Insekt Entenhausens“ ist, werden unter anderem auch die „Gesittete Ameise“ (Formica civilisata), „Reifenschlangen“ (Rotovipera ouroborotica), die „Haarige Zweiaugenspinne“ (Dioszeghya bioculata) oder „Madagassische Schabrackenschriller“ gezeigt. In Glasvitrinen sind weitere Exponate zu sehen, etwa ein ausgestopftes Exemplar des „Gemeinen Duckmäusers“ (Duckomus vulgaris), der im großen Erpelsee bei Entenhausen beheimatet ist. Nebendran ist eine echte Rarität, ein versteinerter „Duckopteryx entenhaunensis“, zu bestaunen.

Auf die Beine gestellt haben all das gestandene Wissenschaftler. Die inhaltliche Forschungsarbeit oblag nämlich einer Gruppe von „Donaldisten“ – das sind die rund 900 Mitglieder der 1976 gegründeten „Deutschen Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ kurz D.O.N.A.L.D. – um Dr. paTrick Martin, seines Zeichens promovierter Geologe. Als Grundlage dienten, wie könnte es anders sein, die einschlägigen Comics.

Die Realisierung der Ausstellung ist wiederum dem Naturkunde-Museum Bamberg sowie den Schülerinnen und Schülern des dortigen E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums zu verdanken. Nach Bamberg und München ist Roth bereits die dritte Station der Exposition.

Zur Eröffnung der Schau konnte der Leiter des Rother Stadtmuseums, Guido Schmid, einen ganz besonderen Gast und ausgewiesenen Kenner dieser für Außenstehende doch sehr speziellen Materie begrüßen: Gerhard Severin war in 2009/10 33.„PräsidEnte“ von D.O.N.A.L.D., wobei er sich auch „PräsidErpel“ titulieren dürfte. Er ist seit seiner Jugend bekennender Fan von Donald Duck und Konsorten.

Faible für Klassik

In einem Vortrag beleuchtete er zunächst das Leben und Wirken von Dr. Erika Fuchs. Die lange Jahre in Schwarzenbach an der Saale lebende Kunsthistorikerin übersetzte zahlreiche der von Carl Barks für Disney gezeichneten Comics über Entenhausen. Wobei sie es nicht beim bloßen Übersetzen beließ, sondern die aus Amerika kommenden Geschichten für die deutschen Leser legendär aufbereitete.

Als 1977 beispielsweise noch die Wenigsten hierzulande etwas mit „Halloween“ anfangen konnten, machte Erika Fuchs in der deutschen Heftausgabe kurzerhand einen Rosenmontags-Rummel daraus.

Zugleich habe sie durch ihre Arbeit, so Severin, „viel für die deutsche Sprache getan“. Mancher sei erst durch Fuchs mit klassischer Literatur in Berührung gekommen, zumal sie auch immer wieder Zitate von Wilhelm Busch, Friedrich Schiller – allein 15 Auszüge aus „Das Lied von der Glocke“ hat Gerhard Severin gefunden – oder Goethes Faust in ihre Arbeit eingeflochten hätte.

Nächster Coup

Nach dieser Einführung kam der Ex-PräsidEnte auf sein eigentliches Thema zu sprechen. Er ging der Frage nach, wo Entenhausen denn nun genau liege.

Eine Frage, die Donaldisten schon lange umtreibt. Zwar fänden sich in den Comics wiederholt Bezüge zu München. Wesentlich stichhaltiger seien jedoch andere Hinweise, die Entenhausen in einer ganz anderen Region vermuten lassen: „Entenhausen ist in Oberfranken!“


Gerhard Severin, der im echten Leben übrigens Richter ist und in Schwarzenbach an der Saale am Aufbau eines Museum zu Ehren von Erika Fuchs mitwirkt, plant bereits seinen nächsten Coup. Wie jeder Donaldist wolle auch er sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit mit einem Teilbereich der Comic-Parallelwelt befassen. Ihm schwebe da eine rechtsvergleichende Untersuchung des deutschen Rechtssystems mit jenem Entenhausens vor; er müsse nur noch einen Betreuer für die Arbeit finden...

Die Ausstellung „Biodiversität in Entenhausen – Tiere aus einer parallelen Welt“ ist noch bis zum 18. August im Museum Schloss Ratibor zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 13 bis 17 Uhr. Eintritt: zwei Euro, ermäßigt ein Euro.

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