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Wohnen mit Parkplatz

Stadtrat diskutiert, ob 29 Plätze für 27 Wohnungen reichen. - 27.05.2020 16:12 Uhr

Bisher Wiese – und teilweise zum Parken genutzt: Auf zwei Grundstücken in der Virchowstraße (und einem in der Kneippstraße) sollen Wohnhäuser entstehen.


Drei dreigeschossige Häuser sollen an der Virchow- und Kneippstraße im Süden der Stadt entstehen. Die Firma Projektbauart aus Coburg will die drei Grundstücke mit Zwei-, Drei- und Vierzimmer-Wohnungen bebauen, alle barrierefrei, wenn auch nicht rollstuhlgerecht.

Die staatlichen Förderkriterien berechtigen zu umfangreicher Förderung: Laut Thomas Siebenhaar, Geschäftsführer des Investors, kann eine vierköpfige Familie bis zu 82 700 Euro Bruttoeinkommen haben und trotzdem unterstützt werden. Je nach Förderstufen 1, 2 oder 3 liege die Marktmiete um 1,50 Euro unter der üblichen Marktmiete. Und wenn das Einkommen des Mieters dann noch unterhalb der festgesetzten Einkommensgrenze liege, gehen nochmal drei Euro weg. "4,50 Euro weniger als die Marktmiete sind schon ein ganz ordentlicher Zuschuss", betont Siebenhaar, als er sein Projekt für die Modulhauskonzeption dem Stadtrat vorstellt.

Dem Gremium gefällt das Konzept denn auch sehr gut – trotzdem beherrscht bei der jüngsten Sitzung zunächst ein Detail der Pläne die Diskussion. "Projektbauart plant für die 27 Wohnungen 29 Stellplätze. Die Zahl der Parkplätze für die Autos der Anwohner sind aber das Problem – ein leidiges, das mit den Jahren größer wird.

Für die Wohnsiedlung an der Virchowstraße – zum Großteil in den 60-er bis 90-er Jahren gebaut – waren damals noch viel weniger Parkplätze erforderlich. Heute jedoch sei man "leidgeplagt", wenn man wie SPD-Stadtrat Sven Ehrhardt abends nach einem Parkplatz in der Nähe der eigenen Wohnungs- oder Haustür suche. Zeitweise würden Rettungswege zugeparkt oder nicht ganz legale Plätze zum Parken genutzt. Deshalb votiert Ehrhardt dafür, für die neuen Wohnungen auf jeden Fall die städtische Satzung anzuwenden, also 1,5 Plätze pro Wohnung einzuplanen – mindestens. Zwei wären ihm lieber.

Ob es nicht Lösungen gibt, das Bauprojekt zu verkleinern, oder kreative Lösungen wie etwa Carsharing, wollen die CSU-Räte Jochen Gürtler und Daniel Matulla wissen. Doch Carsharing würde nur wenige Plätze einsparen, und eine Verkleinerung hält der Investor nicht unbedingt für die beste Lösung: In anderen Städten wie Forchheim, Coburg oder Höchstadt sehe die Satzung zwar auch 1,5 Plätze vor, trotzdem hätten die Kommunen sich mit nur einem Platz pro Wohnung einverstanden erklärt. "Zwei Stellplätze – das geht heute nicht mehr. Und das ist auch nicht mehr sinnvoll", macht er klar. Eine Tiefgarage? Sei erstens nicht gewollt vom Geldgeber, zweitens viel zu teuer.

Um die gute Sache nicht durch eine Parkplatzdiskussion kleinzureden, kündigt Stadtbaumeister Wolfgang Baier eine umfassende Planung an: Für den Bau der Häuser müsse sowieso der Bebauungsplan geändert werden. "Aber lassen Sie uns vorher prüfen: Bringen wir die Parkplätze im öffentlichen Raum überhaupt unter?" Und er stellt in Aussicht, dass es noch andere Möglichkeiten gibt: Auf der Ortsstraße könne die Kommune Parkplätze ausweisen, Verengungen schaffen … Ergebnis jedenfalls solle ein Zusammenspiel von Freiraum und Wohnraum sein, sodass nicht Grün- für Parkplatzflächen weichen müssten.

Am Ende ist man trotz der Parkplatzfeilscherei geschlossen für das Projekt. Die Planung für die Stellplätze soll das Stadtbauamt mit dem Investor erarbeiten. Und am Ende wird auch noch betont, wie gut und wichtig der Bau von geförderten Wohnungen in der Stadt sei. Susanne Horn (Die Linke) hat ein als Schlusswort einen gewichtigen Aphorismus parat: "Ein Leben ohne Auto ist möglich, ein Leben ohne Dach über dem Kopf nicht."

CAROLA SCHERBEL

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