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Zwei Saitenzauberer in Roth: Jeremiah Johnson und Mike Zito

28. Rother Bluestage: Doppelkonzert in der Kulturfabrik - 06.04.2019 15:07 Uhr

Jeremiah Johnson (linkes Foto) gehört zu den kantigen, authentischen Bluesern seiner Generation. Er ist mehr als ein wohlfeiler Opener für den Tex-Ex-Bluesrocker Mike Zito, der mit seinem Bassisten nicht nur entspannt jammt, sondern ab und an sogar tanzt. © Fotos: Hans von Draminski


Jeremiah Johnson stammt aus Saint Louis, einer der Herzstädte des Blues. Kein Frischling, kein Möchtegern, sondern ein Musiker, den das Leben geprägt hat. Einer, der die Menschen mitnimmt, weil sie spüren, dass hier selbst Erlebtes die Feder des Textdichters geführt hat. Mike Zito sagt Jeremiah selbst an – mit Enthusiasmus, aus dem Respekt spricht. Johnson ist gewiss nicht nur ein wohlfeiler "Opener". Mit Mike Zitos Band hämmert er den Bluestage-Gästen sein Blues-Credo mit markantem Gitarrenspiel und ausdrucksvoller Stimme in Gehörgänge und Gehirnwindungen.

Das wird kantig, erdig und echt über die Rampe gebracht. Jeremiah Johnson muss den Blues nicht neu erfinden, weil er in dem, was es schon gibt, genug Zündstoff findet, um seine Botschaften mit der nötigen Deutlichkeit zu verkünden: "Lebt euer Leben, macht euer Ding und vergesst nicht, dass alles irgendwann ein Ende hat."

Dass Jeremiah Johnsons Gitarrenton entfernt an den jungen Carlos Santana der "Samba pa ti"-Phase erinnert, ist nicht Epigonentum, sondern bewusste Hommage.

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Rother Bluestage: Mike Zito und Jeremiah Johnson teilen sich die Kulturfabrik

In Roth erweist sich Zito bei den 28. Bluestagen als Bühnentier der nahbaren Sorte, als Künstler mit Kanten und Ecken, der für lockere Sprüche und entspannte Scherze gut ist. Jeremiah Johnson musste in der Kulturfabrik hingegen den Blues nicht neu erfinden, weil er in dem, was es schon gibt, genug Zündstoff findet, um seine Botschaften mit der nötigen Deutlichkeit zu verkünden.


Deutlich gleißender, spektakulärer und vor allem viel gitarrenlastiger ist der Stoff, aus dem Mike Zitos hoch energetische Nummern bestehen. Hier lässt es ein Saitenzauberer kräftig krachen – ohne den Bluesrock aus den Augen zu verlieren. 2010 gründete Mike Zito mit Cyril Neville von den "Neville Brothers" die längst legendäre "Royal Southern Brotherhood", aus der er vier Jahre später wieder ausstieg. Was der Allstar-"Bruderschaft" deutlich mehr weh getan hat als Mike Zito. Denn der startete danach eine Solokarriere, die ihn nicht nur in die Ruhmeshalle des Blues brachte, sondern ihm volle Tourneepläne bescherte.

Tex-Mex-Tonfall

In Roth erweist sich Zito, den die mittelfränkischen Bluesfans von vielen Auftritten kennen, als Bühnentier der nahbaren Sorte, als Künstler mit Kanten und Ecken, der für lockere Sprüche und entspannte Scherze gut ist. Und der aus seinem Faible für schnelle, heiße Stücke ebenso wenig ein Geheimnis macht wie aus seiner texanischen Herkunft: Der Tex-Mex-Tonfall ist in Mike Zitos Songs so unüberhörbar wie seine Affinität zum Rock ‘n‘ Roll der billigen Tanzschuppen, wie man sie drüben in den Staaten vor allem in den Kleinstädten findet. Wer da nach höherer Kunst sucht, ist definitiv fehl am Platz.

Wer aber abtanzen und abhotten will, wer etwas zum Abschalten und Aussteigen aus dem Alltag sucht, ist bei Mike Zito goldrichtig. Dass er irgendwann mit seinem Bassisten den Pas de deux vollführt und den ganzen Saal zum Lachen bringt, ist gewollt. Wie fast alles andere an diesem Abend.

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