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Alte Grenzsteine als Anliegen der Siebener

Zersprengte und umgeworfene Exemplare renoviert oder wieder aufgestellt - 23.08.2017 12:06 Uhr

Die Siebener Walter Ehnes (links) und Hermann Lilly am wieder aufgestellten Grenzstein. © rotabene


Die ehemalige Fraischgrenze (Hochgerichtsbarkeitsgrenze) zwischen der Reichsstadt Rothenburg und dem markgräflichen Oberamt Colmberg ist von der Gruppe "Grenzcommissaire" aus Leutershausen in den letzten beiden Jahren anhand einer Grenzbeschreibung aus dem Jahr 1733 erforscht und der Bestand an Grenzsteinen dokumentiert worden. Nun haben Siebener Renovierungsarbeiten an der Grenze geleistet. Am Windelsbach haben Manfred Utz aus Nordenberg und Fritz Raffelsbauer aus Windelsbach einen in drei Teile gesprengten Grenzstein fachmännisch wieder zusammengeklebt und sauber verfugt. 

Wieder im Lot

Im Wald südlich von Wildenhof wurde ein gleicher Stein, über vier Zentner schwer und im Laufe von über zweihundert Jahren umgefallen, von Hermann Lilly aus Pleikartshof und Walter Ehnes aus Unterbreitenau mit einem Frontlader wieder aufgestellt. Sie haben auch schief stehende Steine wieder aufgerichtet. Wie schon an der ehemaligen Grenze zwischen dem Königlich-Preußischen Markgraftum Brandenburg-Ansbach und dem Fürstentum Schillingsfürst waren solche Erhaltungsarbeiten für die Siebener Ehrensache.

Fraischgrenzen wie hier zwischen Rothenburg und Colmberg folgten gewöhnlich den viel älteren Markungsgrenzen. Ortsmarkungen umfassten die Äcker, Wiesen, Hutflächen und Wälder einer Dorfgemeinschaft. Sie entstanden im Mittelalter. Vor rund 500 Jahren wurde mit Versteinungen begonnen. Seither wurden ihre Grenzen von Siebenern über viele Jahrhunderte überwacht und gepflegt.

Regelmäßige Flurumgänge, an denen auch die männliche Jugend teilnehmen musste, sorgten für nachhaltige Kenntnis des Grenzverlaufs. Beschädigte Steine wurden dabei renoviert, abgegangene ersetzt. Regelmäßige Flurumgänge, noch lange als Tradition aufrechterhalten, sind heute selten geworden. Sie sind für betagte Siebener in unwegsamen Gelände oft zu beschwerlich.

Die praktische Bedeutung der Markungsgrenzen hat abgenommen. Sie sind in normalen topografischen Karten nicht eingezeichnet. Ihren Verlauf können die Vermessungsbehörden jederzeit nachvollziehen. Die noch vorhandenen Steine sind jedoch Zeugen ältester Grenzen um das Gebiet einzelner Ortschaften. Sie sind Dorfgeschichte.

Historisches Erbe

Alten Grenzstein gerettet: Manfred Utz (links) und Fritz Raffelsbauer haben das in drei Teile zersprengte Stück am Windelsbach wieder fachmännisch zusammengefügt. © rotabene


Als die "modernen Gemeinden" im 19. Jahrhundert im neuen Königreich Bayern entstanden, wurden dazu meist mehrere Ortsmarkungen zusammengefasst. Die meist heimatkundlich sehr interessierten Siebener, die sich um die alten Grenzen kümmern, betreiben den Erhalt historischen Erbes, praktizieren Denkmalschutz.

Seit einigen Jahren betreibt das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz die systematische Erfassung historischer Grenzsteine. Im Bereich des Altlandkreises Rothenburg ist bereits die ehemalige Grenze zwischen dem Königlich-Preußischen Markgrafentum Brandenburg-Ansbach und dem Fürstentum Hohenlohe-Schillingsfürst von 1804 auch unter Mithilfe der "Grenzcommissaire" um den Leutershausener Karlheinz Seyerlein aufgenommen worden.

Seitdem sind alle diese schönen "HG"- und "PG"-Steine (für Hohenlohisches bzw. Preußisches Gebiet) im Denkmalschutzatlas ausgewiesen. An der  Fraischgrenze zwischen Rothenburg und Colmberg stehen von ursprünglich 65 Grenzsteinen noch 38. Sie tragen das Reichsstädtisch-Rothenburgische und das Hohenzollern-Wappen der Markgrafen von Ansbach.

Einen Kilometer entfernt

Ein Kuriosum: Rainer Schneider aus Faulenberg, der sich als ehemaliger Forstmitarbeiter ebenfalls an der Suche nach Steinen beteiligte, wusste von einem Kuriosum: Einer dieser Steine steht, einen Kilometer entfernt, an einer anderen Fraischgrenze, an der zwischen Rothenburg und Schillingsfürst. Wann er dorthin gekommen ist und wo er ursprünglich gestanden hatte, ist nicht bekannt.

Ihre Bestandsaufnahme dieser Fraischgrenze haben die Grenzcommissaire dem Landesamt für Denkmalschutz übersandt. Die Behörde  hat signalisiert, bei der amtlichen Aufnahme auf die angebotene Mitarbeit zurückkommen zu wollen.

Auch in anderer Hinsicht hat das bisherige Aktivisten-Engagement, das teils mit öffentlichen Aktionen verbunden war, schon Früchte getragen. Der Steuerkreis der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Region an der Romantischen Straße" würdigte es bei seiner letzten Sitzung in der Hirtenscheune in Tauberzell mit einer Entscheidung ganz ausdrücklich.
Als eines von sechs weiteren Projekten für die regionale Entwicklung ist es für die Förderung auf LAG-Ebene beschlossen worden.

Damit gab es erstmals für eine Einzelmaßnahme unter dem  Titel "Unterstützung Bürgerengagement" grünes Licht. Karlheinz Seyerlein, Sprecher der Grenzcommissaire, widme sich mit dem Projekt "Historische Grenze 1804" der Aufbereitung der ehemaligen Grenze zwischen Hohenlohe-Schillingsfürst und Preußen, hieß es bei der Sitzung im kleinen Weinort an der bayerisch-württembergischen Grenze zur Begründung. 

ww

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